München - 6:2, 6:2 und 6:1 - was zunächst wie ein klarer Drei-Satz-Erfolg im Tennis aussieht, ist zugleich die Auflistung der höchsten Siege in der noch jungen Bundesliga-Saison. Diese Torfestivals sind beileibe keine Einzelfälle, denn die Bundesliga-Clubs präsentierten sich an den ersten fünf Spieltagen so torhungrig wie seit 20 Jahren nicht mehr.

Insgesamt fielen 148 Tore, das sind 3,3 pro Spiel. Das jüngste 6:2 des BVB gegen den Hamburger SV war also kein Zufall - nicht nur, weil die Paarung ohnehin die torreichste der Bundesliga-Geschichte ist. Sondern auch weil die Dortmunder getreu dem Motto "flach spielen, hoch gewinnen" fünf der sechs Tore mit dem Fuß erzielten und damit voll im Trend liegen: Im Vergleich zur Vorsaison fielen deutlich weniger Kopfballtore (siehe Statistik), stattdessen wird fast jeder zweite Treffer mit flachem Kombinationsspiel durch das Spielfeldzentrum eingeleitet.

Tore

Torschüsse

Großchancen

Tore nach Ecken

Und auch das heimische Publikum kommt voll auf seine Kosten: Im Schnitt konnten die Fans der gastgebenden Vereine immer mindestens zwei Treffer ihrer Mannschaft bejubeln. Auch BVB-Trainer Jürgen Klopp entdeckte nach dem Schützenfest seiner Mannschaft den Fan in sich: "Es war einfach geil, und es hat riesig Spaß gemacht, zuzuschauen."

Stärkste Offensive rockt die Liga

Mit 15 Toren stellt der Tabellenführer aus Dortmund derzeit die stärkste Offensive der Liga (Tabelle). Dicht gefolgt von 1899 Hoffenheim, die nur ein Tor weniger erzielt haben, jedoch mit 13 Gegentoren die zweitschwächste Defensive stellen. Vor allem die Beteiligung am zweiten Acht-Tore-Spiel in dieser Saison, dem 2:6 in Stuttgart, wiegt schwer.

"Die Fehler aus Stuttgart haben wir aufgearbeitet", sagte Verteidiger Andreas Beck nach dem 2:1-Erfolg gegen Gladbach. "Die Basis für den Sieg war eine stabile Defensive." Hoffenheim steht gewissermaßen sinnbildlich für die derzeitige Torflut: Die Kraichgauer trafen in jedem Spiel mindestens zwei Mal, doch zugleich stand hinten nie die Null.

Balance zwischen Offensive und Defensive fehlt

Auch die Gladbacher sind mit einem Torverhältnis von 11:10 zuweilen auf der Suche nach der richtigen Balance. "Wir müssen wieder die Waage zwischen Offensive und Defensive finden", sagt Sportdirektor Max Eberl, "die Aggressivität, sowohl hinten gut zu stehen, aber auch vorne im Strafraum das Tor machen zu wollen."

Generell ist der Sechzehner die Gefahrenzone Nummer 1: Nur zehn Prozent der Tore fielen in dieser Saison durch Weitschüsse, so wenige wie seit der Saison 1996/97 nicht mehr. Zugleich stehen die Abwehrreihen nicht sicher genug. Ein Grund ist, dass die Zahl der Zweikämpfe und Fouls seit Jahren rückläufig ist.

Bundesligisten können Geschichte schreiben

Hinzu kommt der Hang zum hohen Verteidigen: Der letzte Defensivmann stand in der laufenden Spielzeit im Schnitt fast 38 Meter von der Torauslinie entfernt. In den vergangenen beiden Saisons waren es jeweils nur 33 Meter. Mit zwölf Toren nach langen Pässen fielen gleich sechsmal so viele wie zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison.

"Wir haben viel Ballbesitz, wollen aber manchmal zu viel", bemängelt auch Trainer Lucien Favre das Ungleichgewicht zwischen Angriff und Verteidigung. Es sei nicht ideal, wenn alle Spieler nach vorne gehen und dadurch Lücken offen legen und Gefahr laufen, Konter zu bekommen. "Die Ordnung darf nicht verloren gehen", forderte Favre, der mit dem Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig den 6. Spieltag eröffnet ().

Ob es am Ende wieder ein "Tennis-Ergebnis" wird, ist offen. Dennoch dürften sich die Zuschauer auf Tore einstellen, denn auch nach fünf Spieltagen gab es noch kein 0:0. Und die Bundesliga-Clubs können an diesem Wochenende Geschichte schreiben, denn noch nie gab es eine Spielzeit, an deren ersten sechs Spieltagen keine Partie torlos endete.

Maximilian Lotz