Köln - Zum Inventar beliebter Fußballweisheiten gehört auch der Spruch "Neue Besen kehren gut". Statistische Untersuchungen haben zwar belegt, dass die Behauptung nicht immer zutrifft. Doch gerade in dieser Saison hat sich wieder in Stuttgart oder Hoffenheim gezeigt, dass neue Trainer durchaus erheblich mehr Punkte holen können als ihre Vorgänger. bundesliga.de hat diese Beispiele analysiert und weitere aus der jüngeren Vergangenheit zusammengestellt

Julian Nagelsmann (TSG 1899 Hoffenheim)

Als Julian Nagelsmann die TSG nach dem 20. Spieltag übernahm, galt Hoffenheim fast als hoffnungsloser Fall. Die TSG lag auf Platz 17 und hatte sieben Punkte Rückstand zum rettenden Ufer (Rang 15).

Mittlerweile steht Hoffenheim auf einem Nichtabstiegsplatz (14.) – vier Punkte vor dem 17. Rang. Der jüngste Chef-Trainer der Historie schrieb eine echte Erfolgsgeschichte. In seiner Amtszeit holten nur der FC Bayern und Dortmund mehr Punkte als die TSG (17 in neun Partien). Nagelsmanns Bilanz ist eher Europacup- als abstiegsverdächtig.

Nun kommt es zum Duell der jüngsten Trainer der Liga, wenn Hoffenheim gegen Hertha BSC antritt. Nagelsmann ist 28 Jahre alt, Pal Dardai 12 Jahre älter.

Pal Dardai (Hertha BSC)

Pal Dardai übernahm die Hertha im Februar 2015 auf Platz 17 und schaffte den Ligaverbleib (Platz 15). Jetzt steht Hertha auf Rang drei. Mittlerweile hat er 44 Bundesliga-Spiele als Trainer absolviert. Seine Bilanz mit der Hertha ist deutlich positiv (18 Siege, 12 Remis, 14 Niederlagen).

In der Offensive ist noch Luft nach oben (51 Tore in 44 Spielen), aber die Defensive stabilisierte der Ungar trotz der jüngsten Klatsche in Mönchengladbach: Es gab nur 48 Gegentore in 44 Bundesliga-Spielen. Der Gegentor-Schnitt (1,1 pro Spiel) ist der beste aller Cheftrainer in der Bundesliga-Historie der Hertha.

Jürgen Kramny (VfB Stuttgart)

Jürgen Kramny wurde Trainer in Stuttgart, als der VfB auf dem 16. Tabellenplatz am 24. November 2015 rangierte. Zunächst war er Interimstrainer, einen Tag nach seinem ersten Bundesliga-Sieg (3:1 gegen Wolfsburg) wurde er am 20. Dezember zum Cheftrainer befördert.

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Kramny übernahm den VfB vom glücklosen Alexander Zorniger, der die schwächste Trainer-Bilanz in der Historie der Schwaben verzeichnete. Kramny verlor zwar sein erstes Spiel beim BVB klar mit 1:4 in Dortmund, arbeitete sich anschließend mit der Mannschaft aber aus dem Keller (acht Spiele in Folge ungeschlagen).

In diesen acht Spielen holte der VfB 18 Punkte und legte den Grundstein für die derzeitig im Vergleich zum Zeitpunkt des Trainerwechsels komfortable Situation.

Martin Schmidt (1. FSV Mainz 05)

Der 1. FSV Mainz 05 spielt seine zehnte Bundesliga-Saison und Martin Schmidt ist nach Jürgen Klopp, Thomas Tuchel und Kasper Hjulmand erst der vierte M05-Trainer. Vorgänger Hjulmand wurde nach nur vier Siegen aus 21 Spielen 2014/15 entlassen.

Der Wechsel zu Schmidt zahlte sich nicht nur mit dem doch recht souveränen Klassenerhalt im Vorjahr aus. Auch in dieser Saison spielt der FSV eine erstaunlich gute Rolle. Martin Schmidt holte mit Mainz im Schnitt 1,5 Punkte pro Spiel und gewann 43 Prozent der Bundesliga-Spiele – jeweils Bestwert unter den Mainzer Bundesliga-Trainern.

Bruno Labbadia (Hamburger SV)

Als Bruno Labbadia beim Hamburger SV in der letzten Saison nach 28 Spieltagen anheuerte, stand der Bundesliga-Dino auf dem letzten Tabellenplatz. Doch mit Glück und Geschick landeten die Hamburger in den letzten sechs Spielen unter Labbadia drei Siege, schafften es via Rang 16 in die Relegation gegen den KSC, die mittlerweile ein Stück deutsche Fußball-Geschichte ist.

Der HSV holte an den ersten 28 Spieltagen nur 0,9 Punkte pro Spiel, kassierte 1,5 Gegentreffer pro Spiel und erzielte selbst durchschnittlich nur 0,6 Tore pro Spiel. Unter Labbadia gab es für Hamburg 1,7 Punkte pro Spiel, man kassierte nur 1,2 Gegentore pro Spiel und durchschnittlich wurden 1,5 Treffer erzielt.

Andre Schubert (Borussia Mönchengladbach)

Die von Favre gelegte Basis gepaart mit Andre Schuberts Ideen erwies sich besonders anfangs wie gemacht für den Kader. Die Borussia startete nach dem 5. Spieltag unter Schubert bis Weihnachten von 0 auf 29 Punkte, den 2:12-Toren unter Favre ließ er 32:18-Tore folgen. In der Tabelle ging es von Rang 18 auf Platz vier hoch.

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Andre Schubert ist der zweite Trainer der Bundesliga-Geschichte, der seine ersten sechs Spiele gewonnen hat. Er egalisierte damit den Rekord von Willi Entenmann, dem dies 1986 in seinen ersten sechs Partien für Stuttgart gelang.

Von den Trainern der Borussia blieb nur Schubert seine ersten zehn Bundesliga-Partien ohne Niederlage (acht Siege, zwei Remis). Zunächst wurde der Bundesliga-Novize nach dem Rücktritt von Lucien Favre nur als Übergangstrainer deklariert, bis die Borussia einen neuen Trainer verpflichtet hat – im November in der Länderspielpause gab es für Schubert aber einen Cheftrainervertrag bis 2017.

Lucien Favre (Borussia Mönchengladbach)

Im Februar 2011 (nach dem 22. Spieltag) übernahm Lucien Favre die abgeschlagene Borussia aus Mönchengladbach (Tabellenletzter sieben Punkten Rückstand zum rettenden Ufer/Relegationsplatz) und hielt mit den Fohlen tatsächlich noch über den Umweg der Relegation die Klasse.

Es folgten die Plätze vier (2011/12), acht (2012/13), sechs (2013/14) und drei. Vier Mal in Folge in der oberen Tabellenhälfte hatte die Borussia zuletzt von 1986 bis 1989 gestanden.

Erstmals überhaupt führte Favre die Borussia in die Champions League, die letzte Teilnahme am Cup der Landesmeister gab es 1977/78. Der Schweizer gewann mit den Borussen 46 Prozent der Bundesliga-Spiele und holte im Schnitt 1,6 Punkte pro Spiel, nur die beiden Trainer-Legenden Hennes Weisweiler und Udo Lattek sowie Andre Schubert gewannen prozentual mehr Bundesliga-Spiele und holten im Schnitt mehr Punkte pro Spiel in der Bundesliga-Geschichte der Fohlen.