Köln - Neun Jahre spielte Thomas Strunz für den FC Bayern München, zwischen 1990 und 2001 gewann der heute 48-Jährige fünf Deutsche Meisterschaften mit den Münchenern. Dazu wurde er 1996 mit Deutschland Europameister. Im Interview mit bundesliga.de spricht der anerkannte TV-Experte über das Topspiel zwischen Bayern München und Borussia Mönchengladbach und erklärt, warum er eine offene Partie erwartet.

bundesliga.de: Herr Strunz, der FC Bayern München und Borussia Mönchengladbach haben nach einigen Pflichtspielen ohne Sieg am Mittwoch in der Champions League ihre Partien gewonnen. Wie überzeugend fanden Sie die Auftritte der Teams, die am Samstagabend das Topspiel in der Bundesliga bestreiten?

Thomas Strunz: Die Bayern haben gegen Eindhoven in den ersten 35 Minuten sehr stark gespielt und hätten deutlich höher führen müssen. Dann gab es kleine Schwächeperiode, und in einer Situation nach der Pause hatten sie auch Glück, dass der PSV nicht den Ausgleich gemacht hat. Hinten raus hat Bayern das stark zu Ende gespielt. Die Gladbacher haben ihr Spiel in Glasgow verdient gewonnen. Für die Borussia war wichtig, dass sie mal wieder auswärts eine Partie erfolgreich bestritten hat. Das war ja in der Vergangenheit ein Problemfeld. Es spricht jetzt viel für ein sehr interessantes Spiel am Samstag in München.

"Gladbach darf den Anschluss nicht verlieren"

© gettyimages / Daniel Kopatsch

bundesliga.de: Borussia Mönchengladbach hat in den letzten beiden Jahren kein Spiel mehr gegen die Bayern verloren. Die Fohlen haben sich ein bisschen zum "Angstgegner" der Münchener entwickelt. Warum tut sich der FC Bayern gegen Gladbach recht schwer?

Strunz: In den letzten Spielen sind die Gladbacher sehr mutig und risikofreudig gegen die Bayern aufgetreten. Sie konnten die Bayern mit ihren qualitativ hochwertigen Offensivspielern einige Male in Verlegenheit bringen. Ich hoffe, dass es am Wochenende ähnlich sein wird. Beide Mannschaften haben einen gewissen Druck. Die Bayern konnten sich in der Tabelle nach den beiden Unentschieden gegen Köln und Frankfurt noch nicht so wirklich von der Konkurrenz absetzen. Das war sicherlich etwas anders erwartet worden.

bundesliga.de: Auch die Elf vom Niederrhein hat zuletzt nicht so gepunktet wie erwartet und steht deshalb momentan auf Platz 9.

Strunz: Deshalb ist das Spiel auch für Mönchengladbach wichtig, weil sie mit vielen Mannschaften, die jetzt vor ihnen stehen, gar nicht so gerechnet haben. Es ist zwar noch alles eng beisammen, bis zum 1. FC Köln auf Platz 2 hat die Borussia nur vier Punkte Rückstand. Das ist natürlich noch kein Drama. Aber klar ist auch, dass Mannschaften wie Köln, Berlin, Leipzig oder Hoffenheim richtig gut in die Saison gestartet sind und einen guten Lauf haben. Man kann nicht davon ausgehen, dass sie jetzt einbrechen werden. Die Gladbacher sollten also in München besser nicht unterliegen, um den Anschluss nicht zu verlieren.

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bundesliga.de: Bei Bayern München kam nach den beiden Unentschieden in der Bundesliga und speziell dem Spiel in Frankfurt ein wenig Unruhe auf. Fanden Sie das übertrieben oder ist das normal für den FC Bayern?

Strunz: Ich finde es grundsätzlich richtig, dass man frühzeitig bestimmte Dinge anspricht. Wenn Karl-Heinz Rummenigge das in der Öffentlichkeit und in der Klarheit tut, wird er sich auch schon vorher darüber Gedanken gemacht haben. Das war für mich nur das i-Tüpfelchen zum bisherigen Saisonverlauf. Ich habe die Bayern live bei ihrem 2:0-Sieg auf Schalke im Stadion verfolgt. Auch da fand ich sie nicht überzeugend. Für mich war Schalke über 70 Minuten die bessere Mannschaft. Insofern ist es logisch, dass in so einer Phase auch einmal ein kritisches Wort fällt, wenn die Verantwortlichen das Gefühl haben, dass es in die falsche Richtung gehen könnte.

bundesliga.de: Umso besser dürfte dem FC Bayern getan haben, dass sich Arjen Robben gegen Eindhoven wieder mit einem Tor und zwei Assists in Topform zurückgemeldet hat. Wie wichtig ist er noch für den Rekordmeister?

Strunz: Wenn Arjen Robben fit ist, gehört er zu den Spielern, die jede Mannschaft der Welt bereichern, gerade in einer Phase, in der es mannschaftlich vielleicht noch nicht so rund und wie in den vergangenen Jahren gewohnt war. Dann kommt es auf die individuelle Qualität der einzelnen Spieler an. Bei Robben ist immer wieder beeindruckend, wie schnell er wieder in eine sehr gute Verfassung kommt. Das ist auch für den FC Bayern sehr wichtig, vor allem vor dem Hintergrund, dass Douglas Costa erst langsam zurückkommt oder Franck Ribery ausfällt. Er ist ein ganz wichtiger Faktor für den FC Bayern.

"Es wird kein Spiel auf ein Tor"

bundesliga.de: Was für ein Spiel erwarten Sie am Samstag, eine offene Partie oder eher ein Spiel auf ein Tor?

Strunz: Ich glaube nicht, dass es ein Spiel auf ein Tor werden wird. Dazu ist Borussia Mönchengladbach in der Offensive einfach zu gut besetzt. Sie haben viele Variationsmöglichkeiten, sie haben schnelle Leute. Sie sind laufstark und kampfstark. Ich erwarte ein offenes Spiel mit vielen Tormöglichkeiten auf beiden Seiten. Wer die bessere Abschlussqualität besitzt, wird als Sieger vom Platz gehen.

bundesliga.de: Wie lautet Ihr Tipp für den Klassiker?

Strunz: Ich tippe auf ein 2:2-Unentschieden.

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski