Augsburg - Pal Dardai kannte nach dem Schlusspfiff nur ein Ziel. Mit einer Mischung aus Erleichterung und Dankbarkeit fiel der Trainer von Hertha BSC seinem Torhüter um den Hals. "Ich muss mich bei Thomas Kraft bedanken, denn er hat in den letzten zehn Minuten überragend gehalten", sagte Dardai über den entscheidenden Mann beim knappen 1:0-Sieg beim FC Augsburg.

Vor allem in der dramatischen, vierminütigen Nachspielzeit stand der Schlussmann der Berliner vermehrt im Mittelpunkt. Zunächst verhinderte der 27-Jährige mit einem starken Reflex gegen Alexander Esswein den Augsburger Ausgleich, wenig später half beim Kopfball von Sascha Mölders die Latte beim Torverhindern mit. "Ich muss immer damit rechnen, dass noch ein Ball aufs Tor kommt", fasste Kraft die Augsburger Doppelchance in der 94. Minute nüchtern zusammen.

Kraft bleibt bescheiden

Die Abgeklärtheit, die er im Gespräch mit den Journalisten an den Tag legte, zeichnete Kraft auch zuvor auf dem Platz aus. In der intensiv geführten Partie mit vielen Zweikämpfen, einem Elfmetertor von Salomon Kalou und zwei Platzverweisen strahlte der ehemalige Bayern-Keeper die nötige Ruhe und Sicherheit aus und verhalf so seiner Mannschaft zu den ersten drei Punkten der Saison. "Ich habe versucht, meinen kleinen Teil dazu beizutragen und ich denke, das hat ganz gut funktioniert", stellte Kraft bescheiden fest (weitere Stimmen zum Spiel). "Wir konnten als Mannschaft die drei Punkte mitnehmen, deswegen fahre ich auch sehr zufrieden nach Hause."

Zufrieden mit der Punktausbeute war auch sein Trainer Dardai, nicht aber mit dem Zustandekommen des ersten Berliner Bundesliga-Siegs in Augsburg überhaupt. "Die 1:0-Führung hat uns blockiert. Danach war die Mannschaft unsicher", analysierte der Ungar und fühlte sich phasenweise an den Abstiegskampf der Vorsaison erinnert. "Wir haben vielleicht die psychische Belastung vom letzten Jahr mitgenommen, wenn es darum ging die drei Punkte mitzunehmen."

Dardai stolz auf "Männersieg"

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Umso mehr freute sich der Hertha-Coach, dass seine Mannschaft den Sieg letztlich doch über die Zeit brachte. "Das war ein Männersieg, den haben wir uns erschwitzt", sagte Dardai, dem auf der Pressekonferenz die Anstrengungen der 90 Minuten anzusehen waren. Und so blickt der Ungar nach dem souveränen Einzug in die zweite Runde des DFB-Pokals und den drei Punkten zum Bundesliga-Start auf einen optimalen Saisonauftakt zurück.

Dennoch bleibt die Zielsetzung beim Hauptstadtclub verhalten. Schließlich mussten die Berliner in der Vorsaison bis zum letzten Spieltag um den Ligaverbleib zittern und hielten nur aufgrund der besseren Tordifferenz die Klasse. "Wir wollen natürlich überhaupt nichts mit dem Abstieg zu tun haben", betont Kraft. "Aber wir wissen auch wie eng und schwierig die Liga ist."

Gelungener Auftakt sorgt für Selbstvertrauen

In der vergangenen Spielzeit hielt der Keeper in zehn seiner 32 Spiele seinen Kasten sauber und war zumeist ein entscheidender Faktor des Berliner Erfolgs. Mit seiner starken Leistung in Augsburg hat er seinen Wert für die Hertha noch mal unterstrichen. "Du brauchst einen guten Torhüter, um in der Bundesliga zu gewinnen", sagte Mittelfeldspieler Per Skjelbred nach dem Spiel in Augsburg. "Thomas war überragend."

Die nächste Möglichkeit, sich auszuzeichnen haben Kraft und Co. bereits am kommenden Freitag. Im ersten Heimspiel empfängt die "Alte Dame" im Olympiastadion den SV Werder Bremen. Der gelungene Auftakt stimmt Kraft jedenfalls optimistisch: "Wir gehen mit gewissem Selbstvertrauen in die Saison. Dabei ist es ganz klar unser Ziel, unsere Art Fußball zu spielen weiter zu verbessern und relativ schnell viele Punkte zu holen."

Aus Augsburg berichtet Maximilian Lotz