Hannover - Javi Martínez, Rafael van der Vaart, Ibrahim Afellay... Im Fokus der Medien und Fußballfans erweist sich die Bundesliga in ihrem Jubiläumsjahr als Magnet für Stars aus den großen Ligen in Spanien und England.

Überflieger der ersten Spieltage auf dem Platz, wo laut Trainer-Legende Otto Rehhagel die Wahrheit liegt, ist aber ein anderer. Nach den Verpflichtungen von mittlerweile Jung-Nationaltorwart Ron-Robert Zieler, Didier Ya Konan, Mohammed Abdellaoue haben Trainer Mirko Slomka und Sportdirektor Jörg Schmadtke erneut ihr feines Näschen für Schnäppchen auf dem Transfermarkt unter Beweis gestellt.

Anpassungsschwierigkeiten kennt Huszti nicht



Aus Russland holte Hannover 96 Szabolcs Huszti zurück an die Leine, wo der Ungar bereits von 2006 bis 2009 das Publikum verzauberte. Sprach- und Anpassungsschwierigkeiten gab es also von vornherein nicht.

Doch die hat es in der Karriere des Ungarn noch nie gegeben. Wohin ihn das Leben als Profi auch verschlug, überall legte er einen Blitzstart hin. Kurz nach seiner Ankunft bei den Roten 2006 verwandelte Huszti beim 3:2 über Dynamo Dresden im DFB-Pokal einen Eckball direkt.

Beim Debut im UEFA-Cup für St. Petersburg 2009 traf er nach zwei Minuten zur Führung gegen den VfB Stuttgart, Endstand 2:0. Und es war ebenfalls in seinem ersten Spiel für die ungarische Nationalmannschaft, in dem er kurz vor Ende der Partie gegen Japan vom Elfmeterpunkt zum 3:2-Endstand einnetzte.

Huszti weckt Erinnerungen an gute alte Zeiten



In Hannover spricht man noch heute vom 8. November 2006. Damals traf Huszti bei Bayern München zum spielentscheidenden 1:0. Es war der erste Sieg in der Bundesliga-Geschichte beim deutschen Rekordmeister, den der Ungar mit einem direkt verwandelten Freistoß auch im Rückspiel quasi ganz allein besiegte.

Und die aktuell sieben Punkte hat der Europa-League-Starter auch seinem neuen Spielmacher beinahe allein zu verdanken. "Er ist ein außergewöhnlicher Spieler, war an allen unserer sieben letzten Treffer beteiligt. Einfach nur toll", lobte 96-Trainer Slomka nach dem Sieg über Werder Bremen - Torschütze zum 3:2-Endstand mit einem Seitfallzieher - man möchte beinahe schon sagen natürlich - Huszti.

Ein Mann für spektakuläre Tore



Auch zum 1:0 hatte der 29-Jährige getroffen - per Freistoß. Im Nord-Derby stellte der russische Meister von 2010 seine Vielseitigkeit eindrucksvoll unter Beweis. Spielmacher, Standardspezialist und Torschütze.

"Ich sehe Szabolcs täglich im Training und habe ihn schon viele außergewöhnliche Dinge machen sehen", ist Slomka sicher, dass das 3:2 gegen Bremen in der Nachspielzeit nicht der letzte spektakuläre Treffer des Ungarn bleiben wird.

Vorlagen-König der Liga-Historie



Beim 4:0 in Wolfsburg hatte Huszti alle vier Treffer vorbereitet. Das ist vor ihm in der Bundesliga-Historie gerade mal fünf Spielern gelungen - zuletzt 2009 Mesut Özil beim 6:0 von Werder Bremen in Freiburg.

Die fünf Vorlagen zu Toren nach drei Spielen des mit sieben Punkten Top-Scorers der Liga sind sogar einmalig in über 49 Jahren Bundesliga-Historie. Kein Wunder, dass man in Hannover darauf hofft, mit dem Rückkehrer einen weiteren Schritt nach vorn zu machen.

Nach zwei Qualifikationen für die Europa League hofft nicht nur Präsident Martin Kind auf Champios-League-Auftritte in der AWD Arena. Auch Schmadtke hat im Nord-Derby gegen Bremen eine Leistung gesehen, die Mut macht. "Das kann was werden", blickt der Sportdirektor Aufgaben in den kommenden Monaten optimistisch entgegen.

Huszti bleibt bescheiden



Mit Huszti hat das Kollektiv einen Dirigenten gefunden, wobei der bescheidene Ungar von einer Ausnahmestellung nichts wissen will und sogar den Titel Primus inter Pares (Erster unter Gleichen) zurückweist.
"Ich bin Teil dieser Mannschaft und wir werden gemeinsam alles geben, um so weit zu kommen wie möglich", stellt Huszti klar.

Und das soll sehr weit sein. Der Beinahe-Absteiger der Saison 2009/10 hat Gefallen an Reisen durch Europa gefunden und will auch in der kommenden Saison in einem kontinentalen Wettbewerb vertreten sein. Darüber hinaus will der Pokalsieger von 1992 nach Jahren der Erfolglosigkeit im DFB-Pokal mal wieder über die zweite Runde hinauskommen.

Huszti wird der 50. Saison seinen Stempel aufdrücken



Mit einem Huszti in der aktuellen Form keine illusorischen Ziele. Der 29-Jährige kann den entscheidenden Unterschied ausmachen in den Duellen mit den Großen auf nationaler und europäische Ebene auf der Jagd nach Punkten.

Auch wenn er wegen seiner - in der Liga-Geschichte ebenfalls einmaligen - doppelten Gelben Karte wegen ausgelassenen Jubels nach dem entscheidenden Treffer gegen Bremen seinen Rekord-Run am Sonntag in Hoffenheim vorerst nicht fortsetzen kann, so spricht viel dafür, dass Huszti im Saisonrückblick in einem Atemzug genannt wird mit großen Namen wie Martínez, van der Vaart oder Afellay und anderen Stars der Liga.

Über Hannover berichtet Jürgen Blöhs