München - Auch wenn dem Antrag von Trainer Jens Keller, gegen die Bayern den Mannschaftsbus ins Tor stellen zu wollen, nicht stattgegeben wurde, blieb dem FC Schalke nach dem 1:6-Debakel gegen Real Madrid immerhin das nächste halbe Dutzend erspart. Eine böse 1:5-Packung gab es trotzdem, die noch höher hätte ausfallen können, wenn die Münchener nicht gnädig mit ihrer Vielzahl an Torchancen umgegangen wären.

Während der Triple-Sieger nach dem 15. Sieg in Folge (Bundesliga-Rekord) mit 20 Punkten Vorsprung auf Platz 2 weiter unbeirrt der März-Meisterschaft entgegensteuert (zur Tabelle), ist die Stimmung auf Schalke am Boden. Vier Siege und ein Remis zum Rückrundenstart, der Sprung auf Platz 4 - vor einer Woche war die königsblaue Welt noch in Ordnung. Zwei Partien später herrscht zwar nicht unerwartet die Erkenntnis, dass Gegner wie Madrid und Bayern doch mehrere Nummern zu groß sind, die Art und Weise, wie sich die Mannschaft in ihre Einzelteile zerlegen ließ, versetzt die Verantwortlichen in Sorge.

Fährmann: "Müssen wieder Männer werden"

"Schlimmer ging es nicht. Das war hochgradig peinlich, was wir in der ersten Halbzeit abgeliefert haben", beschrieb Kapitän Benedikt Höwedes den ersten Durchgang, in dem sein Team bereits nach 28 Minuten mit 0:4 zurücklag. "Wenn du dem Gegner nicht zeigst, dass du auf dem Platz bist, kannst du nicht erfolgreich sein. Wir müssen wieder Männer werden!", stimmte Torwart Ralf Fährmann in den Abgesang mit ein. Ins Bild passt dabei auch die mit 106,3 Kilometern schwächste Spieltags-Laufleitung aller Teams.

"Wir hatten Angst und haben nichts von dem umgesetzt, was wir besprochen hatten. In der zweiten Halbzeit hatten wir mehr Mut. Man kann hier verlieren, aber nicht so", sagte Trainer Jens Keller, der im Heimspiel gegen Hoffenheim nun eine Reaktion seiner "Männer" fordert. (Trainerstimmen)

Die Bayern genießen derweil nach wie vor ihre Ausnahmestellung. "Heute hat es wieder sehr viel Spaß gemacht. Es war eine der besten Halbzeiten, die ich mit Bayern je erlebt habe", schwärmte Dreifach-Torschütze Arjen Robben nach der erneuten Gala der Rekord-Bayern, die - so der Niederländer - im Rhythmus bleiben wollen für die großen Spiele, die noch kommen.

Junuzovic: "Einfach nur geil!"

Großes Kino auch im Bremer Weserstadion. Das 100. Nordderby zwischen Werder und dem Hamburger SV - kein Spiel gab es öfter in der Bundesliga - bot einen packenden Abstiegs-Fight (XL-Galerie). Mit dem besseren Ende für die Grün-Weißen, die sich durch den 1:0-Erfolg im Sechs-Punkte-Spiel ein wenig Luft im Abstiegskampf verschaffen konnten. "Das ist einfach nur geil. Der Sieg ist so wichtig für uns und für die Fans. Der Druck vorher war so groß, das glaubt man nicht", erklärte Siegtorschütze Zlatko Junuzovic. "Wir sind wieder auf Kurs", gab Winterneuzugang Ludovic Obraniak im Exklusiv-Interview zu Protokoll.

Hamburg indes konnte zumindest spielerisch nicht an die "Slomka-Effekt-Leistung" der Vorwoche beim 3:0 gegen Dortmund anknüpfen und bleibt weiter auf dem Relegationsplatz. "Sehr bitter. Eine Torchance in 90 Minuten ist zu wenig. Unser Abstiegskampf geht bis zum letzten Spieltag", vermutet Marcell Jansen.

Karnevalsverein auf Europa-Kurs

Borussia Dortmund hat sich eine Woche nach dem Ausrutscher beim HSV mit einem souveränen 3:0 gegen den 1. FC Nürnberg wieder auf Platz 2  geschoben. "Jetzt sind wir da, wo wir sein wollen, aber die Saison ist noch nicht zu Ende", meinte BVB-Trainer Jürgen Klopp. "Wenn wir unsere Leistung bringen, sind wir kaum zu schlagen", so Kevin Großkreutz, der zusammen mit Marcel Schmelzer, Lukasz Piszczek und Pierre-Emerick Aubameyang die Plätze 1 bis 4 im Sprint-Ranking (mit insgesamt 162 schnellen Läufe) belegt. Zum Vergleich: Schalke kommt als Team lediglich auf 151.

Bayer Leverkusen rutschte durch das 0:1 gegen Mainz auf Rang 3 ab und hat nunmehr sechs der letzten acht Bundesliga-Partien verloren (Spieltags-Splitter). "Uns geht die Leichtigkeit total ab. Nicht einmal so ein Ding können wir noch drehen. Die Verunsicherung ist groß", schimpfe Sportdirektor Rudi Völler nach einer Partie mit 19:9 Torschüssen, 7:0 Ecken und 31:6 Flanken zugunsten der Gastgeber. Des einen Leid, des anderen Freud. Mainz schiebt sich zwei Tage vor Rosenmontag auf Europa-League Platz 6. Kein schlechtes Timing beim "Karnevalsverein".

Markus Hoffmann