Köln - Der 26. Spieltag der Bundesliga-Saison 2014/15 steht unter dem Motto "#StrichDurchVorurteile" ganz im Zeichen des Themas Integration. Die Bundesliga-Stiftung will das ganze Jahr über mit Aktionen auf die Thematik aufmerksam machen. bundesliga.de sprach darüber mit Stefan Kiefer, dem Vorstandsvorsitzenden der Bundesliga-Stiftung.

bundesliga.de: Herr Kiefer, Integration steht 2015 im Fokus der Bundesliga-Stiftung. Weshalb ist dieses Thema so wichtig?

Stefan Kiefer: Weil Deutschland zu den wichtigsten Einwanderungsländern Europas zählt. Wenn wir es gesamtgesellschaftlich einordnen: Mehr als 200.000 Flüchtlinge sind allein im vergangenen Jahr zu uns nach Deutschland gekommen, in ein Land, das Zuwanderung auch braucht – allein schon aus demografischen Gesichtspunkten. Wie viel Überzeugungsarbeit aber noch immer zu leisten ist, zeigt auf äußerst unerfreuliche Weise die Pegida-Bewegung von eindeutig fremdenfeindlichen Menschen, die versuchen, andere zu diskriminieren und auszugrenzen.

"55 Nationen in den Bundesliga-Clubs"

bundesliga.de: Welchen Beitrag kann der Fußball leisten, damit Integration gelingen kann?

Kiefer: Indem er seine unbestritten große integrative Kraft und die dem Sport allgemein innewohnenden Merkmale einsetzt: Es zählt die Leistung, nicht die Herkunft. Um es an einer Zahl festzumachen: Allein die Clubs der Bundesliga und 2. Bundesliga vereinen in ihren Mannschaften der Saison 2014/2015 Menschen aus 55 Nationen. Aber nicht nur das, auch darüber hinaus nehmen die Proficlubs ihre gesellschaftliche Verantwortung wahr, engagiert und nachhaltig in vielfältigster Weise und mit einer Fülle von Themen. Die Bundesliga-Stiftung bündelt und kanalisiert Teile dieses Engagements und dient – so die Hoffnung – als Dach des Ganzen. Es ist deutlich zu spüren, dass das Thema soziale Verantwortung von allen Beteiligten viel stärker wahrgenommen wird als noch vor einigen Jahren. Dazu zählen auch die Aktivitäten von Spielerstiftungen, die ehemalige oder noch aktive Fußballprofis gegründet haben. Nach neuesten uns vorliegenden Zahlen werden in der Bundesliga nahezu 400 soziale Projekte und Maßnahmen unterstützt, die knapp 800.000 Menschen erreichen.

bundesliga.de: Wie lässt sich in prägnanten Worten das Engagement der Bundesliga-Stiftung im Bereich Integration beschreiben?

Kiefer: Aus meiner Sicht am besten an unseren sogenannten Leuchtturmprojekten – zum Beispiel "Lernort Stadion", einem außerschulischen Lernangebot in nunmehr 12  Bundesliga-Stadien. Der faszinierende Ort "Stadion" ermöglicht es, die Auseinandersetzung von gesellschaftspolitischen Fragestellungen wie beispielsweise Diskriminierung oder Rassismus zu intensivieren und dabei die sozialen Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen zu stärken. Oder auch an dem Projekt "Fußball trifft Kultur", in dem Kinder mit Zuwanderungsgeschichte neben Zusatzunterricht in ihrer Schule auch professionelles Fußballtraining erhalten.

"Unser großer Wunsch ist es, dass der Fußball einen Anstoß gibt"

bundesliga.de: Im Rahmen der Integrationsinitiative hat der Fußball auf Anregung der Bundesliga-Stiftung seine Netzwerke mit denen von Medien, Wirtschaft und Politik verbunden. Welchen langfristigen Effekt erhoffen Sie sich von und 2. Bundesliga an diesem Wochenende, der über die 3. Liga, die Allianz-Frauen-Bundesliga und das Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft am Mittwoch in Kaiserslautern gegen Australien verlängert wird?

Kiefer: Unser großer Wunsch ist es, dass der Fußball einen Anstoß gibt. Einen Anstoß dazu, dass möglichst viele Menschen neu über Integration nachdenken, sie sich zu Vielfalt bekennen und eigene Vorurteile kritisch hinterfragen. Es ist darüber hinaus unser Bestreben, dass die Bundesliga und ihre Stiftung als Vorbilder für künftige Projekte und Initiativen von Stiftungen in anderen Bereichen außerhalb des Fußballs und des Sports allgemein dienen können. Konkret heißt das, dass wir unser Projektengagement, den Kern und die Basis unserer Arbeit, im Rahmen der Integrationsinitiative weiter ausbauen und aktiv dazu beitragen wollen, die Situation von Flüchtlingen in Deutschland zu verbessern. 

bundesliga.de: "Willkommen im Fußball" lautet das neue Programm…

Kiefer: …mit dem wir bundesweite Willkommensbündnisse schließen werden, in enger Kooperation mit Proficlubs und in Trägerschaft der Deutschen Kinder und Jugendstiftung. Gemeinsam mit lokalen Bildungseinrichtungen, bürgerschaftlichen Initiativen und kommunalen Akteuren wollen wir darüber vor allem jungen geflüchteten Menschen bessere Chancen ermöglichen, in die Gesellschaft integriert zu werden. Unterstützt und gefördert wird das Projekt durch die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Aydan Özoguz.

Zur Homepage www.strich-durch-vorurteile.de

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