Torschütze Naldo schluchzte wie ein kleines Kind, Kapitän Frank Baumann bekam feuchte Augen, und Trainer Thomas Schaaf starrte nur noch ins Leere - statt Champagner flossen bei Werder Bremen die Tränen.

"Nur gucken, nicht anfassen" lautete das bittere Motto bei den Hanseaten, während der 38. und letzte UEFA-Cup-Gewinner Schachtjor Donezk die obligatorische Ehrenrunde mit dem 15 Kilogramm schweren Pokal durch das Sükrü-Saracoglu-Stadion von Istanbul drehte. "Ein bescheidenes Gefühl", sagte Baumann tieftraurig.

Diego nicht zu ersetzen

Kurz vor dem Ende einer harten Saison hatten die Hanseaten nicht mehr die Kraft, sich ohne ihren gesperrten Spielmacher Diego und ohne den verletzten Per Mertesacker erfolgreich gegen die 1:2 (1:1, 1:1)-Niederlage nach Verlängerung zu stemmen.

"Solche Spieler sind eben doch nicht beliebig ersetzbar", resümierte der ebenfalls geknickte Sportdirektor Klaus Allofs. Er gehörte vor 17 Jahren zu den Torschützen, als der deutsche Vizemeister im Europapokal der Pokalsieger seinen bislang größten internationalen Triumph feierte.

Am Mittwoch jubelte im Stadion von Fenerbahce Istanbul nur der viermalige ukrainische Meister, dessen fünf brasilianische Ballzauberer den Norddeutschen die Grenzen aufzeigte.

Torhüter im Rampenlicht

Nur dank eines erneut überragenden Tim Wiese im Tor und eines schweren Patzers seines Gegenüber Andrej Pjatow beim Naldo-Freistoß in der 35. Minute erreichten die Norddeutschen überhaupt die Verlängerung. Jadson (97.) gelang der entscheidende Treffer, bei dem Wiese allerdings unglücklich aussah. Jadsons Landsmann Luiz Adriano hatte Schachtjor in der 25. Minute in Führung gebracht.

Während Diego hilflos unter den Zuschauern saß, blieb sein designierter Nachfolger Mesut Özil zumindest in dieser Partie den Beweis schuldig, den Südamerikaner adäquat ersetzen zu können. "Es gehört zu der Entwicklung eines jungen Spielers, dass er auch mal ein solches Spiel abliefert", sagte Allofs. Der deutsche Nationalspieler mit türkischen Wurzeln verließ die Arena ohne jeden Kommentar.

"Konnten den Gegner nicht in Not bringen"

Für Coach Schaaf war es jedoch zu billig, Özil die Schuld an der knappen Niederlage auf dessen schmale Schultern zu laden: "Wir haben nicht genug Druck entwickelt, wir konnten den Gegner nicht in Not bringen, wir haben zu oft zu schnell den Ball verloren, aber das lag nicht allein an Mesut."

Nun aber droht den "Grün-Weißen" das gleiche Schicksal wie dem Nordrivalen Hamburger SV, der vor drei Titelgewinnen stand, aber in den Pokal-Wettbewerben jeweils im Halbfinale an Werder scheiterte.

Letzte Chance Berlin

In der Bundesliga bereits auf Rang 10 einzementiert, ist nun der Gewinn des DFB-Pokals am Pfingstsamstag im Berliner Olympiastadion gegen Bayer Leverkusen notwendig, wenn man eine mittelmäßige Saison doch noch mit einem sportlichen Triumph abschließen will.

"Die Enttäuschung ist bei uns natürlich groß, aber sie darf nur kurzfristig sein", sagte Schaaf, der seine Schützlinge noch auf dem Spielfeld um sich scharte und sie auf das Saisonende einschwor. "Der Trainer hat uns gesagt, wir sollen unsere Enttäuschung in neue Motivation umwandeln", sagte Nationalspieler Torsten Frings mit Blick auf die Kurzansprache seines Trainers.

Wie spielt Werder am Samstag?

Aber nicht erst beim Pokalendspiel, schon beim Bundesliga-Finale am Samstag werden alle Augen auf die Bremer gerichtet sein, wenn sie beim Tabellenführer und Titelfavoriten VfL Wolfsburg antreten müssen.

"Dieses Spiel dürfen wir auf keinen Fall abschenken", meinte Keeper Wiese, doch angesichts der kräftezehrenden 120 Finalminuten von Istanbul wollte nicht einmal Schaaf dafür garantieren: "Wir müssen schauen, was bis Samstag möglich ist. Im Moment weiß ich es einfach nicht."