Köln - Für den FC Bayern München läuft es derzeit wie geschmiert: Trotz vermeintlich müder WM-Fahrer und Spielen im Drei-Tage-Rhythmus ist der Rekordmeister in der Bundesliga und in der Champions League ganz vorne in der Tabelle zu finden. Voll zufrieden ist man deshalb noch lange nicht. Als Mahner meldet sich nun Philipp Lahm zu Wort.

Der Bayern-Kapitän ist vor allem mit dem Zug zum Tor unzufrieden: "Wir können noch häufiger den Abschluss suchen, obwohl wir heute viele gute Möglichkeiten hatten. So mussten wir bis zum Schluss zittern", sagte er nach dem Champions-League-Spiel bei ZSKA Moskau am Dienstagabend der "Bild" "Das betrifft uns jetzt schon seit ein paar Wochen, dass wir den Sack nicht frühzeitig zumachen", so Lahm weiter. Will man also auf hohem Niveau jammern, das Haar in der Suppe suchen, dann lassen sich die Aussagen von Lahm durchaus mit Daten belegen.

Fast alles durch die Mitte

Tatsächlich hat sich die Spielweise der Bayern seit dem Amtsantritt von Pep Guardiola stark verändert. So setzt der Rekordmeister inzwischen fast ausschließlich auf Kurzpassspiel durch die Mitte. Aktuell kommen so zumindest knapp Dreiviertel der Torschüsse des Rekordmeisters zustande. Das ist eine deutliche Steigerung.

Torschüsse nach Flanken gibt es unter Guardiola in dieser Saison pro Spiel hingegen wesentlich seltener zu sehen als im letzten Heynckes-Jahr. Ging in der Spielzeit 2012/13 noch jedem fünften Abschluss eine Flanke voraus, so ist das inzwischen nur noch bei jedem zehnten Torschuss der Fall.

Kopfbälle nur selten eine Option

Entsprechend wenig wird auch der Kopfball als Mittel zum Zweck genutzt. Unter Heynckes kamen zuletzt noch 22 Prozent der Bälle mit dem Kopf auf des Gegners Tor, Guardiola reduzierte die Quote in seinem ersten Jahr gleich auf 15 Prozent. Nach dem Abgang des kopfballstarken Mario Mandzukic scheint der Coach diese Angriffsmethode nahezu gar nicht mehr in Erwägung zu ziehen. Der Anteil der Kopfbälle unter den Torschüssen beträgt in der aktuellen Saison inzwischen nur noch vier Prozent.

Ähnlich verhält es sich mit ruhenden Bällen. Nach Standards sind die Bayern mittlerweile weit ungefährlicher geworden. Nur noch einer von zehn Torschüssen wird mittels Freistoß oder Eckball eingeleitet (unter Heynckes war es 2012/13 noch jeder vierte). Was sich statistisch hingegen nicht belegen lässt, ist die Mär vom Weitschussverbot unter Guardiola (siehe Grafik).

Schlechtere Chancenverwertung

Immerhin ist die Summe der Torschüsse annährend konstant geblieben. Egal ob die Bayern nun über die Mitte, die Flügel oder Standards angreifen, Möglichkeiten werden immer kreiert. Das Problem, das Philipp Lahm erkannt hat, liegt vielmehr in der Qualität der Abschlüsse. 2014/15 erspielte sich die Mannschaft im Schnitt deutlich weniger Großchancen als zuvor (nur noch 1,8 pro Spiel) und brachte nur noch einen von zehn Torschüssen im gegnerischen Netz unter. Die Triple-Bayern brauchten davon nur sechs.

Spätestens wenn Robert Lewandowski seine Bestform auch im Bayern-Dress aufs Spielfeld bringt, sollten sich die Zahlen ändern, doch bis dahin wird der FC Bayern ganz gut damit leben können.

Karol Herrmann