Köln - Die Bundesliga geht in den Endspurt. Und gerade im Kampf um den Klassenerhalt herrscht Hochspannung. Denn so eng war der Abstiegskampf in der Bundesliga-Geschichte noch nie. bundesliga.de hat vor dem 33. Spieltag (alle Spiele Samstag um 15:00 Uhr im Liveticker) alle Konstellationen, wie sich welcher Club retten kann, durchgerechnet.

Ganze zwei Punkte trennen derzeit den Hamburger SV auf Platz 14 vom Tabellenschlusslicht VfB Stuttgart. Eine so dramatische Konstellation hat es zwei Spieltage vor Saisonende in der Bundesliga-Historie nie zuvor gegeben. Denn selbst der 1. FSV Mainz 05 als Zwölfter ist noch nicht endgültig gerettet, kann aber auch nicht mehr direkt absteigen und wird daher hier nicht gesondert behandelt. Hertha BSC ist als 13. nur drei Punkte vom Abstiegsplatz entfernt und noch in akuter Gefahr. Dass der Letzte mit einem Sieg und einem Remis den 13. einholen kann, gab es zuletzt vor 46 Jahren – in allen anderen Spielzeiten waren immer mindestens zwei Siege notwendig.

Im Tabellenrechner können sie alle Eventualitäten selbst durchspielen.

Hertha BSC

Einen Punkt braucht der 1. FSV Mainz 05 noch, um den Klassenerhalt hundertprozentig dingfest zu machen. Allerdings haben die Rheinhessen mit Abstand die beste Tordifferenz, müssten schon zweimal deutlich verlieren, um noch in Gefahr zu geraten. Zudem reichen ihnen ihre 37 Punkte bereits auf alle Fälle für die Relegation. Denn Stuttgart kann maximal noch 36 Punkte erreichen, Freiburg und Hannover spielen am 34. Spieltag gegeneinander, weshalb nur einer von beiden auf 37 Punkte kommen kann, der andere Club nur auf 34.

Direkt absteigen kann Mainz also schon jetzt nicht mehr. Sollten der Hamburger SV und/oder der SC Paderborn am 33. Spieltag nicht gewinnen, kann in Mainz unabhängig vom eigenen Ergebnis gegen den 1. FC Köln der sichere Klassenerhalt gefeiert werden.

  • Hertha ist gerettet: Bei einem Sieg - wenn Paderborn nicht gewinnt.

Drei Punkte beträgt der Vorsprung von Hertha BSC auf die Abstiegszone. Sollten die Berliner gegen Eintracht Frankfurt gewinnen, ist bei dann 37 Punkten mindestens die Relgation schon sicher, der direkte Klassenerhalt sehr wahrscheinlich.

Wie für alle Clubs gilt auch für die Hertha: 36 Punkte langen für den Klassenerhalt, wenn Paderborn nicht gewinnt – da nur Stuttgart oder der HSV (spielen am 33. Spieltag gegeneinander) und nur Freiburg oder Hannover (spielen am 34. Spieltag gegeneinander) zumindest 36 Punkte erreichen können. Somit hätten auf jeden Fall drei Mannschaften weniger als 36 Zähler.

35 Punkte langen dann für den Klassenerhalt, wenn drei der letzten vier der Tabelle verlieren. Die 34 Punkte, die die Hertha jetzt hat, reichen auf keinen Fall, um nach dem 33. Spieltag schon gerettet zu sein. Bei einer Niederlage müssen die Berliner, die zuletzt fünf Mal in Folge ohne Sieg blieben, also bis zum Schluss zittern.

Hamburger SV

  • Der HSV ist gerettet: Bei einem Sieg - wenn mindestens zwei der drei Konkurrenten (Freiburg, Hannover, Paderborn) verlieren
  • Der HSV erreicht mindestens die Relegation: Bei einem Sieg - wenn einer der drei Konkurrenten (Freiburg, Hannover, Paderborn) verliert

Der Hamburger SV verlor keines der jüngsten drei Spiele und holte sieben der neun möglichen Punkte aus diesen Partien. Setzen die Norddeutschen ihre Siegesserie in Stuttgart fort, könnten sie unter Umständen am Samstag bereits den Klassenerhalt feiern – wenn parallel zwei der Teams auf den Plätzen 15 bis 17 (Freiburg, Hannover, Paderborn) verlieren.

Im Falle einer Niederlage in Stuttgart ist die Lage aber wieder mehr als bedrohlich, dann gäbe es ein Zitterspiel am 34. Spieltag gegen den FC Schalke 04. Zudem wären die Hamburger der große Verlierer des Spieltags, da sie als 14. vom Tabellenletzten überholt würden. In den jüngsten drei Duellen gegen die Schwaben holte der Bundesliga-Dino nur einen Punkt (erst 3:3, zuletzt zweimal 0:1).

Sport-Club Freiburg

  • Der SC Freiburg kann sich am 33. Spieltag nicht vorzeitig retten

Der SC Freiburg stellt die beste Defensive aller Abstiegskandidaten, kassierte erst 44 Gegentreffer und damit weniger als etwa Hoffenheim – mit -11 Toren haben die Breisgauer deutlich die beste Tordifferenz im Tabellenkeller. Als einziges Team muss sich der SC daher nicht vor Punktgleichheit fürchten.

Allerdings haben die Breisgauer große Schwierigkeiten, eine Führung über die Zeit zu bringen. 15 Mal lag der SC in der laufenden Saison in Front, nur sechs Spiele davon konnten sie auch gewinnen. Allein sechs Mal kassierten sie nach der 87. Minute noch den Ausgleich – und verspielten so zwölf Punkte. Mit diesen Zählern hätte Freiburg 43 Punkte und würde nicht gegen den Abstieg, sondern um die Europapokal-Teilnahme spielen.

Gegen die Bayern und im Abstiegsendspiel bei Hannover 96 müssen dringend noch Punkte her, um das sechste Bundesliga-Jahr in Folge zu sichern.

Hannover 96

  • Hannover 96 kann sich am 33. Spieltag nicht vorzeitig retten

Noch nie in der Bundesliga-Geschichte gelang einer Mannschaft der Klassenerhalt, die nach 15 Rückrundenspieltagen noch sieglos war. Zuletzt durchlief Fortuna Düsseldorf vor 23 Jahren in der Saison 1991/92 eine solche Durststrecke. Sollte auch in Augsburg kein Sieg gelingen, hätte Hannover 96 einen Vereinsnegativrekord egalisiert: Innerhalb einer Saison blieben die 96er bisher nur einmal 17 Spiele in Folge sieglos – in der Abstiegssaison 1985/86.

Hoffnung macht aber ein Blick in die jüngere Vergangenheit: vor fünf Jahren belegte 96 nach 32 Spieltagen sogar Rang 17 und rettete sich an den letzten beiden Spieltagen mit zwei Siegen. Die sollen nun beim FCA und anschließend gegen Freiburg auch eingefahren werden.

SC Paderborn

  • Der SC Paderborn kann sich am 33. Spieltag nicht vorzeitig retten

Paderborn verlor neun der 15 Rückrundenspiele, kein anderes Team kassierte 2015 so viele Niederlagen. In der Rückrunde sammelte nur Hannover weniger Punkte als die Ostwestfalen. Und am 32. Spieltag hat von den letzten Fünf der Tabelle einzig der SC Paderborn nicht gepunktet, rutschte auf Rang 17.

Alles kein Grund zur Panik: Denn egal wie das Spiel auf Schalke ausgeht, der Aufsteiger wird am letzten Spieltag auf alle Fälle noch theoretische Chancen auf den Klassenerhalt haben. Am 34. Spieltag empfängt der SCP selbst den VfB Stuttgart, und Hannover und Freiburg nehmen sich gegenseitig die Punkte weg.

VfB Stuttgart

  • Der VfB Stuttgart kann sich am 33. Spieltag nicht vorzeitig retten
  • Der VfB Stuttgart steigt bereits am 33. Spieltag ab: Bei einer eigenen Niederlage und gleichzeitigem Sieg von mindestens zwei Konkurrenten (Freiburg, Hannover, Paderborn)

Die Stuttgarter haben den Abstiegskampf komplett in der eigenen Hand, spielen gegen die direkten Konkurrenten HSV und Paderborn. Zwei Siege würden definitiv den Klassenerhalt bedeuten. Und in den direkten Duellen war der VfB bisher sehr stark: Stuttgart hat gegen den HSV, Paderborn, Freiburg und Hannover in dieser Saison kein einziges Spiel verloren (drei Siege, drei Unentschieden).

Der VfB spielt zudem derzeit den besten Offensiv-Fußball in der Bundesliga. An den jüngsten fünf Spieltagen schoss kein Team mehr Tore als der VfB (zehn). Stuttgart ist zwar immer noch die schlechteste Heimmannschaft der Liga, aber zu Hause holten die Schwaben zuletzt die Punkte, die die Hoffnung auf den Klassenerhalt am Leben erhielten. Die Stevens-Elf ist seit fünf Heimspielen ohne Niederlage (drei Siege, zwei Remis), die letzten elf Punkte holte der VfB alle in der Mercedes-Benz Arena.

Von Tobias Schild und Tobias Anding (Statistiken)