
"Sky is the Limit": Aufsteiger Elversberg mischt weiter die Liga auf
Ein kleines Dorf aus dem Saarland stemmt sich weiter gegen das Establishment. Was ein bisschen nach "Asterix und Obelix" klingt, ist bei der SV Elversberg Bundesliga-Realität. Beim deutlichen 4:1- Heimerfolg gegen Mainz 05 überzeugte der Aufsteiger einmal mehr mit attraktivem Offensivfußball und klettert in der Tabelle vorübergehend auf einen Europapokal-Platz. Auch wenn der Klassenerhalt das übergeordnete Ziel bleibt, regt die sportliche Situation zum Träumen an.
Nach zwei Pflichtspielniederlagen ohne eigenes Tor ist die SV Elversberg zurück in der Erfolgsspur. Eine Mischung aus offensiver Spielfreude und purer Effizienz sorgten für den bereits vierten Sieg im erst achten Bundesligaspiel der Vereinsgeschichte. "Wir haben inhaltlich genau so gut gearbeitet, wie in den letzten beiden Spielen, nur diesmal ist das Ergebnis deutlich auf unsere Seite gekippt", ordnete Trainer Vincent Wagner den Erfolg gegen Mainz auch im Kontext der letzten Niederlagen in Leipzig und im Pokal gegen Darmstadt ein.
Gegen den etablierten Bundesligisten aus Rheinhessen zeigte seine Mannschaft einmal mehr die Tugenden, die sie zu einem der unangenehmsten Gegner der Liga machen. Die "Elv" benötigt im Schnitt nur fünf Torschüsse für einen Treffer und hat damit die beste Quote der Liga. Gleichzeitig stehen schon 16 eigene Treffer zu Buche – sechs Treffer mehr als die Mitaufsteiger Paderborn und Schalke zusammen. Mehr Tore nach acht Spieltagen hatte ein Bundesliga-Neuling zuletzt mit der TSG Hoffenheim in der Saison 2008/2009. Werte, die auch Wagner gefallen. "Das war heute ein Erfolg der Spielkultur, So wollen wir Fußball spielen, eine tolle Teamleistung", so der Trainer, der seiner Mannschaft obendrein einen äußerst "erwachsenen" Auftritt bescheinigte.

Mit Umschaltspiel zum Erfolg
Dabei war die Partie gegen Mainz bereits zur Halbzeit mehr oder minder entschieden. Den Torreigen eröffnete der zuletzt erstmals von Bundestrainer Jürgen Klopp berufene Felix Keidel mit einem sehenswerten Freistoß-Tor. In der Folge agierten die Saarländer etwas zurückhaltender und nutzten Ballverluste der 05er mit ihrem schnellen Umschaltspiel eiskalt aus. Bereits drei klassische Kontertore erzielte der Aufsteiger, das ist Ligaspitze. Gleichzeitig führt man die drittmeisten Zweikämpfe der Liga und erzwingt gegnerische Ballverluste regelrecht.
"Es war ein sehr gutes Spiel von uns, so haben wir sehr viel Spaß". freute sich Keidel, der zudem zum "Man of the Match" gekürt wurde. "Wir haben eine gewisse Lockerheit, haben Spaß am Spiel und keine Angst vor den Gegnern", so Keidel weiter. Dass Angriff in Elverberg die beste Verteidigung zu sein scheint, mussten zuvor auch schon die Europapokal-Teilnehmer aus Leverkusen und Hoffenheim erfahren und auch die Bayern hatten beim knappen 2:1-Erfolg an der Kaiserlinde ihre liebe Mühe. "Wir schauen immer noch auf den Klassenerhalt – aber was wir mitnehmen können, nehmen wir mit", verliert Keidel das übergeordnete Ziel dennoch nicht aus den Augen.

Onyeka: "Alles ist möglich"
Dass der derzeitige sportliche Erfolg auch zum Träumen anregen kann, zeigte Francis Onyeka. Die Leihgabe von Bayer 04 Leverkusen holte den Freistoß vor dem 1:0 heraus, leitete immer wieder gefährliche Angriffe ein und erzielte mit dem 2:0 seinen ersten Bundesliga-Treffer. Entsprechend glücklich war der 19-Jährige nach dem Spiel. "Das fühlt sich natürlich sehr gut an. Alles ist möglich. The Sky is the Limit", erklärte er nach dem Spiel mit einem Augenzwinkern. "Wir arbeiten Tag für Tag - und sehen am Ende, wofür es dann gereicht hat", ordnete Onyeka seine Worte anschließend ein.
Auch wenn der Weg für die SV Elversberg noch weit ist und der Klassenerhalt über allem steht, wirken die Saarländer auf dem Feld schon längst wie ein gestandener Bundesligist. "Wir spielen klar und einfach. Das ist vielleicht das Schwere in der Bundesliga - es einfach zu machen", gibt Keidel eines der Elversberger Erfolgsgeheimnisse preis. Dazu kommen ein direkter Spielstil, gepaart mit Zweikampfstärke, Unbekümmertheit und schnellem Zug zum Tor. Und wer weiß, vielleicht ist für den sympathischen Aufsteiger ja tatsächlich lediglich "the Sky the Limit."