Günter Netzer war schon immer ein Verfechter von Angriffsfußball. Insofern ist die derzeitige Entwicklung in der Bundesliga so recht nach seinem Geschmack.

"Wir sind auf einem sehr, sehr guten Weg in der Bundesliga. Die Trainer haben die Anforderungen des europäischen Fußballs verinnerlicht und soweit es geht, spielen sie das auch mit ihren Mannschaften", lobt Netzer im Exklusiv-Interview.

Gespannt ist er in der Rückrunde vor allem auf Hoffenheim. Und auch zu den Aussichten seiner Ex-Vereine Mönchengladbach und Hamburg äußert er sich.

bundesliga.de: Günter Netzer, an der Spitze der Bundesliga geht es so spannend wie schon lange nicht mehr zu. Bleibt es so oder erwarten Sie, dass sich ein Team absetzen wird?

Günter Netzer: Nein, nein, ich bin ziemlich sicher, dass es sehr, sehr spannend bleibt. Es gibt Nachholbedarf bei einigen Vereinen der Bundesliga, die bisher unter ihrem Wert gespielt haben. Da erwarte ich noch einen Schub, dass diese Vereine vielleicht auch noch oben an- und eingreifen werden.

bundesliga.de: Wird sich Hoffenheim oben halten können?

Netzer: Das wird man sehen. Es ist hochinteressant, wie sich diese Mannschaft weiter zeigen wird. Die Leistung bisher ist einzigartig, da kann man alle Beteiligten nur loben. Aber jetzt gilt es unter erschwerten Bedingungen, diesen Platz zu verteidigen.

bundesliga.de: In der Hinrunde fiel auf, dass es sehr offensiv zuging. Glauben Sie, dass das so weitergeht?

Netzer: Wir sind auf einem sehr, sehr guten Weg in der Bundesliga. Die Trainer haben die Anforderungen des europäischen Fußballs verinnerlicht und soweit es geht, spielen sie das auch mit ihren Mannschaften. Natürlich hängt das auch vom Kader ab. Wenn man nicht den Kader für offensiven Fußball hat, kann man das auch nicht spielen lassen. Aber ich bin sehr optimistisch, dass auf diesem Weg weitergemacht wird und wir genau denselben schönen Fußball zu sehen bekommen wie in der Hinrunde.

bundesliga.de: In der Hinrunde war Hoffenheim die große Überraschung. Welches Team könnte in der Rückrunde zur Überraschungsmannschaft werden?

Netzer: Wenn sie mich vor der Hinrunde gefragt hätten, ob es Hoffenheim werden würde, hätte ich gesagt: unmöglich! Wer kann an so etwas glauben? Und deshalb ist das umso faszinierender, was da passiert ist. Deswegen fällt mir auch für die Rückrunde nichts ein. Mich würde es ähnlich faszinieren, wenn Hoffenheim bis zum Schluss durchhalten würde. Ich wage nicht daran zu glauben, dass sie Meister werden. Das wäre eine ganz schlechte Leistung von Bayern München - aber wenn sie unter die ersten drei kommen, wäre das eine faszinierende Leistung.

bundesliga.de: Zu zwei Vereinen haben sie nach wie vor eine besondere Beziehung: zu Borussia Mönchengladbach und dem Hamburger SV. Beide stehen sehr unterschiedlich da. Mönchengladbach versucht händeringend den Abstieg zu verhindern. Gelingt das mit den Veränderungen der Winterpause?

Netzer: Zur Winterpause kann man immer nur Feinjustierungen machen, da ist meistens nichts auf dem Markt, was man sich eigentlich wünscht oder was man zu Beginn der Saison als Verstärkung ansieht. Akzentuell haben sie sich wahrscheinlich verstärkt, aber ob es reichen wird, die Klasse zu halten? Ich habe kein gutes Gefühl.

bundesliga.de: Haben Sie denn in Bezug auf den HSV ein gutes Gefühl?

Netzer: Ja, das habe ich. Sie haben einen erstklassigen Trainer, der europäisches Niveau lehrt und Fußball so spielen lässt, wie er es erlebt hat. Er hat die Holländer erlebt, er hat in England gearbeitet, und er überträgt sein Wissen und seine Erfahrung auf die Bundesliga. Wenn die Hamburger mitziehen, sind sie einer der Kandidaten für die Champions-League-Qualifikation.