Lwiw/Dortmund - Jürgen Klopp herzte, küsste und umarmte seine Europacup-Helden, doch schon wenige Minuten nach dem Abpfiff waren die Glücksgefühle Vergangenheit. Für den Trainer von Borussia Dortmund zählte nur noch das Revierderby.

"Für unser nächstes Spiel braucht man eigentlich niemand zu motivieren. Aber ein Sieg ist immer der beste Weg ins Derby", sagte Klopp mit Blick auf das insgesamt 136. Duell mit dem Nachbarn Schalke 04 am Sonntag (ab 17 Uhr im live-Ticker/Liga-Radio).

Kehl: "Wir sind gerüstet für das Derby"

Mit dem Rückenwind des 4:3 (2:1)-Sieges bei Karpaty Lwiw in der Ukraine zum Auftakt der Europa League nach einer 2:0-Führung und zwischenzeitlichem 2:3-Rückstand fahren die Borussen nach Gelsenkirchen. Sechs Siege in den bisherigen sieben Spielen der Saison sprechen für den BVB, vier Niederlagen in fünf Spielen gegen Schalke, das am Mittwoch seinen Start in die Gruppenphase der Champions League bei Olympique Lyon (0:2) verpatzte.

"Die Mannschaft hat in Lwiw Großes gezeigt und Großes geleistet. Schon die letzten Spiele haben bewiesen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir sind gerüstet für das Derby. Die Schalker werden unser Spiel ganz genau beobachtet und gesehen haben, wie stark die Dortmunder Mannschaft im Moment ist. Am Wochenende gibt's einen heißen Tanz", meinte Kapitän Sebastian Kehl, der sich beim Aufwärmen in Lwiw eine Muskelverletzung im Hüftbeuger zuzog und am Sonntag aller Voraussicht nach nur auf der Tribüne sitzen wird.

Jungspunde bestehen im Hexenkessel

Die Euphorie in und um die Mannschaft ist nach dem Last-Minute-Sieg durch Mario Götze (90.+2) riesig. Lucas Barrios, der mit seinem Treffer (87.) zum 3:3 traf, versprach den Fans auch im Derby alles zu geben: "Denn wir schulden den Fans noch einen Sieg auf Schalke." Und Abwehrroutinier Patrick Owomoyela ergänzte: "Wir nehmen aus diesem Spiel eine Menge fürs Derby mit."

Wohl auch die Erfahrung aus einer Phase, als aus der komfortablen Führung durch Nuri Sahin (12., Foulelfmeter) und des erst 18 Jahre alten Götze (27.) ein Rückstand wurde. Doch bei allen Fehlern, "die wie uns selbst eingebrockt haben" (Klopp), versöhnte die Erkenntnis, wie sich das jüngste BVB-Team seit elf Jahren mit acht Spielern, die 22 Jahre alt oder jünger waren (Durchschnittsalter 23,5 Jahre), im Hexenkessel des Ukrajina-Stadions gegen die drohende Niederlage stemmte.

Derby-Statistik spricht gegen den BVB

"Unser Wille hat heute den Ausschlag gegeben, das schafft nicht jede Mannschaft. Wir sind stolz auf unsere Leistung", sagte Torschütze Sahin und Coach Klopp meinte: "Wir haben heute Lehrgeld bezahlt. Die Reaktion der Mannschaft nach dem 2:3 war überragend."

Doch auf Schalke erwartet den BVB eine arg angeschlagene Mannschaft, die mit einem Sieg im Prestigeduell eine sportliche Krise beenden verhindern will. Aber auch die Borussen wollen die Gunst der Stunde nutzen und ihre Statistik gegen "Königsblau" korrigieren. Denn von den letzten zehn Derbys in Gelsenkirchen konnten die "Schwarz-Gelben" nur eines gewinnen - am 14. Mai 2005 mit 2:1 auf Schalke durch Treffer von Kehl und Lars Ricken. Und alle Dortmunder sind sich einig: Es wird wieder Zeit für einen Auswärtssieg im Derby.