Frankfurt am Main - Ralph Hasenhüttl wollte nach dem 2:2 bei Eintracht Frankfurt nicht zu kritisch mit seiner Mannschaft sein. Warum auch? Als Aufsteiger katapultierte sich RB Leipzig als Vizemeister und mit spektakulärem Fußball direkt in die Champions-League-Gruppenphase. Dass seine Elf nach einer 2:0-Führung in der Schlussphase in Frankfurt zum Saisonabschluss noch den Sieg aus der Hand gab, ärgerte RB-Trainer Hasenhüttl dann auch nur ein bisschen, er sagte: „Wir sind noch nicht die abgezockte Mannschaft, die wir werden wollen.“

>>> Hol dir jetzt die offizielle Bundesliga-App

Dabei ging die Entwicklung dieser jungen Mannschaft zu einer stabilen Spitzenmannschaft in dieser Saison rasant. Fast alle Spieler sind besser geworden, Stürmer Timo Werner gab bereits sein Nationalmannschaftsdebüt und wird zusammen mit Mittelfeld-Rackerer Diego Demme im Kader von Nationaltrainer Joachim Löw für den Confed-Cup im Juni in Russland stehen. Und Spieler wie Naby Keita und Emil Forsberg avancierten mit zu den besten Spielern der Saison. Demme, der in Frankfurt erneut eine starke Leistung zeigte, glaubt: "Wir sind noch nicht am Ende der Entwicklung mit der jungen Mannschaft.“

Dass die Leipziger fast über die ganze Saison konstant stark spielten, hatte mit zwei frühen Aha-Erlebnissen zu tun. Nach den ersten beiden Spielen in Hoffenheim (2:2), einem der spektakulärsten Spiele der gesamten Saison, sowie dem darauffolgenden 1:0-Sieg gegen Dortmund wussten die Leipziger, dass sie auf höchstem Niveau mithalten konnten. Das erklärten Stürmer Yussuf Poulsen und auch Trainer Hasenhüttl. 

>>> RB gegen Bayern - Das torreichste Spiel der Saison

Das Selbstvertrauen erhielt gleich zu Beginn der Runde einen Schub und trug die Mannschaft mit immer mehr Erfolgserlebnissen immer weiter durch die Saison. "Wir haben während der Saison gemerkt, dass wir unser Spiel auch in der ersten Liga durchbringen können“, sagte etwa Torwart Peter Gulacsi und fügte hinzu: "Wir sind während der Saison gewachsen.“

Video: Leipzigs Weg zum Erfolg

Dabei fügten die auf Gegenpressing gepolten Leipziger im Lauf der Runde ihrer rasanten Spielweise immer neue Facetten hinzu. "Wir sind mit Ball immer besser geworden und haben bei Ballbesitz immer mehr Lösungen gefunden“, analysierte Hasenhüttl. Der Trainer aus Österreich freute sich besonders über die Aufnahmefähigkeit und Offenheit seiner Spieler. "Es macht riesigen Spaß mit dieser Mannschaft, ich bin manchmal selbst überrascht, wie erschreckend schnell sie Dinge lernt und umsetzt.“ 

Junge, hungrige Spieler

Torwart Gulasci schaut wie alle Leipziger denn auch frohen Mutes in die Zukunft. "Wir haben junge Spieler, die hungrig sind und immer besser werden wollen.“ Für den Erfolg hatte Hasenhüttl dann auch eine eher unspektakuläre Erklärung: "Harte Arbeit“. Und genau die will er auch in der nächsten Saison fortsetzen. Tabellarisch aber sei eine Saison wie die gerade abgelaufene ja kaum zu toppen, scherzte Hasenhüttl. 

Das kommende Jahr werde nicht einfach, weiß der Trainer. Die Dreifachbelastung mit Liga, Champions-League und DFB-Pokal sei für alle neu, auch für das Trainerteam, sagte Hasenhüttl. Angst hat der ehemalige Mittelstürmer vor der Herausforderung natürlich nicht, lässig erklärte er mit einem Augenzwinkern: "Es gibt schlimmere Schicksale, als drei Mal die Woche Fußball spielen zu dürfen.“

Tobias Schächter