Ungeschlagen in allen Wettbewerben bei aktuell lediglich vier Gegentoren in der Liga – Borussia Mönchengladbach spielt zurzeit wie aus einem Guss.  Im Interview mit bundesliga.de nennt Flügelflitzer Patrick Herrmann die Gründe für den bisherigen Erfolg, er erinnert sich daran, wie er vor einigen Jahren Bayern-Keeper Manuel Neuer schon einmal einen Abend verdarb …

bundesliga.de: Patrick Herrmann, das 5:0 gegen Limassol war gestern, jetzt kommen die Bayern; haben Sie sich das 7:1 der Münchner gegen den AS Rom angeschaut?

Herrmann: Ich habe zuhause die Champions League-Konferenz geschaut, und ich glaube, dass man nicht extra betonen, dass die Bayern an einem sehr guten Tag zu solch außergewöhnlichen Leistungen fähig sind.

bundesliga.de: Ist man ob einer solchen Leistung beeindruckt, oder sagt sich der Profi "Die kochen auch nur mit Wasser"?

Herrmann: Wenn ich mir ein solches Spiel ganz privat anschaue, dann bin ich – wie wohl jeder Fußballfan – begeistert von diesen Spielzügen und Toren. Für mich ist der FC Bayern die beste Mannschaft der Welt. Und wenn die Münchner alles abrufen, kann auch gegen eine gute Mannschaft, wie es der AS Rom eigentlich ist, schon mal ein solches 7:1 zustande kommen. Die meisten von uns haben in den vergangenen Jahren schon ein paar Mal gegen die Bayern gespielt, und wir wissen, dass das immer eine ganz schwierige Kiste ist.

bundesliga.de: Bayern-Keeper Manuel Neuer hat allerdings gerade an Sie wenig gute Erinnerungen. Vor knapp drei Jahren konnten Sie ihn beim 3:1 zweimal bezwingen (Gladbachs Sieg gegen Bayern im Video); schauen Sie sich diese Bilder zur Motivation noch einmal an?

Herrmann: An solche Momente erinnert man sich natürlich gerne. Und wenn man die Bilder in einem Rückblick zufällig einmal sieht, ist das ein schönes Gefühl. Dass ich mir die Tore aber jetzt extra noch einmal anschauen würde, das ist nicht der Fall. Die Motivation ist auch so riesengroß (lacht).

bundesliga.de: Ganz besonders motiviert sind auch viele ältere Borussen-Fans, die angesichts der Tabellenkonstellation – Bayern Erster, Borussia Zweiter – von den 70er Jahren träumen, als beide Klubs die Liga dominierten; beschäftigt man sich als Spieler auch schon mal mit dieser Zeit oder sagt man "Das ist Vergangenheit und hat mit uns nichts zu tun"?

"Die Borussia der 70er Jahre war eine andere Hausnummer"

Herrmann: Nein, auf keinen Fall! Bei mir ist das Interesse an dieser Zeit sehr groß. Den Film über die Borussia und ihre Fans, "Die Raute im Herzen", habe ich zum Beispiel mit großem Genuss angeschaut. Selbstverständlich habe ich über diese ruhmreichen Zeiten für den Verein auch einiges gelesen. Und wir sind stolz, dass wir uns in den vergangenen Jahren wieder ein wenig näher an die Spitze heran kämpfen konnten. Aber vergleichen lassen sich unsere Leistungen mit denen der Stars von damals nicht, das war doch noch einmal eine andere Hausnummer.

bundesliga.de: Gibt es einen Spieler aus der damaligen Zeit, bei dem Sie Ihre Spielweise wiederentdecken?

Herrmann: Ich weiß nur, dass man mich und meine Spielweise einmal mit der von Karl "Calle" Del’Haye verglichen hat. ich weiß allerdings zu wenig über ihn, als dass ich das bestätigen könnte.

bundesliga.de: Das ist sicher kein schlechter Vergleich, aber Del’Haye wechselte später zum FC Bayern...

Herrmann: Daran denke ich nun wirklich nicht (lacht)...

bundesliga.de: Wenn Sie aber an Sonntagabend denken, wie wird um 19.15 Uhr Ihr Gemütszustand sein?

Herrmann: Gute Frage. Fakt ist, dass die Aussicht, zuhause gegen die Bayern spielen zu dürfen, zunächst einmal fantastisch und elektrisierend ist. Es gibt für einen Sportler nichts Schöneres als sich mit den Besten der Welt zu messen. Dass wir im Borussia-Park gerade gegen die Bayern noch einmal mehr eine ganz besondere Stimmung haben als gegen andere Gegner, macht die Sache rund. Und wir alle wollen jetzt ein sehr, sehr gutes Spiel abliefern. Das müssen wir allerdings auch, wenn wir gegen diese Bayern bestehen wollen.

Das Gespräch führte Andreas Kötter