Laut Statistik ist es das inzwischen 134. Revierderby. Etwa 50 Mal hat Rolf-Arnd Marewski das Duell zwischen Borussia Dortmund und dem FC Schalke bereits erlebt. Nicht als Fan, aber als Mitarbeiter des Fan-Projekts Dortmund e.V., für das der heute 52-Jährige seit 1988 tätig ist.

Und so treibt Derby Nr. 134 dem erfahrenen Fan-Projektler nicht mehr den Puls in ungesunde Höhen. "Das ist zuallererst nur ein Fußballspiel, das am Samstag stattfindet", will Marewski all denen den Wind aus den Segeln nehmen, die viel mehr in diese Bundesliga-Partie hinein interpretieren wollen.

"Mit professioneller Distanz"

Aber blauäugig ist Marewski keineswegs. Mit mehr als 20 Jahren Erfahrung an der Fan-Basis weiß der Diplom-Sozialarbeiter und pädagogische Leiter in Dortmund, wie hoch die Emotionen beim Derby kochen können.

"Zusammen mit den Kollegen vom Schalker Fan-Projekt und allen anderen Beteiligten versuchen wir für ein Stück Normalität zu sorgen. Wir stehen in dieser Woche in ständigem Kontakt. Wir sehen das Derby mit professioneller Distanz, wir haben da überhaupt keine Berührungsängste."

Gesunkene Hemmschwellen

Waren zu Anfangszeiten die Hooligans "das Klientel" von Marewski und seinen Kollegen, so sind es heute zumeist die Ultras. Eigentlich eine sehr kreative Fan-Gruppe, die den Bogen aber auch mal überspanne.

"Ich habe jetzt mehrere Generationen von Fans erlebt und ich muss sagen, dass heutzutage einige junge Leute gewaltbereiter sind und dass die Hemmschwelle gesunken ist. Das betrifft aber Jugendliche allgemein."

Ständiger Dialog

Zu den wichtigen Aufgaben des Fan-Projektes gehört der ständige Dialog mit den überwiegend jugendlichen Fans. Über die Jahre sei dadurch eine vertrauensvollere Beziehung entstanden.

"Wichtig ist, dass wir da sind, wenn wir gebraucht werden", erklärt Marewski, dessen Sozialarbeit in den Anfangsjahren zumeist auf der Straße stattfand. In Zeiten modernerer Kommunikationsmittel habe sich auch die Vernetzung mit dem "Klientel" geändert. "Man trifft sich", sagt Marewski, "auch manchmal online".

"Können nicht sagen, was nicht passiert ist"

Der Dialog mit den Fans ist auch für die DFL von großer Bedeutung. Dementsprechend beteiligt sich die DFL gemeinsam mit dem DFB sowie den Bundesländern und Kommunen an der Finanzierung der Fan-Projekte in der Bundesliga und 2. Bundesliga mit jeweils einem Drittel der Gesamtsumme.

Die Beurteilung des Einflusses des Dortmunder Fan-Projekts will Marewski "lieber anderen überlassen. Das ist nicht so messbar, dafür gibt es keine Statistik. Die Polizei kann nach jedem Spiel sagen, was passiert ist. Aber wir können nicht sagen, was nicht passiert ist, weil wir da waren."

Eine zuverlässige Messgröße kennt Marewski aber doch, ob das Revierderby aus Sicht der Fan-Projektler erfolgreich verlaufen ist: "Wenn wir Samstag um 19 Uhr Feierabend haben, war es ein Erfolg. Und wenn wir Sonntag keine großen Polizeimeldungen lesen müssen, dann haben wir alles richtig gemacht."

Stefan Kusche