Die Stimmung ist gelöst, das Selbstvertrauen enorm und die Perspektive verlockend: Die deutsche U21 will gegen England in doppelter Hinsicht deutsche Fußball-Geschichte schreiben.

Ein Sieg im Finale gegen die "Three Lions" (20:45 Uhr/live im ZDF) würde den ersten EM-Triumph einer deutschen U21 bedeuten und den DFB nach dem Gewinn der EM-Titel bei der U17 und der U19 als ersten Verband in den Besitz aller drei Kontinental-Titel im Junioren-Fußball bringen.

Auf Sieg getrimmt

"Wir wollen Gewinner sein, das ist uns eingeimpft", sagt Außenverteidiger Andreas Beck, Siegtorschütze im Halbfinale gegen Italien (1:0): "Wir sind Deutschland, und so werden wir auch auftreten und das Spiel gewinnen."

Das Endspiel in Malmö werden Christian Seifert, Vorsitzender der DFL-Geschäftsführung und Harald Strutz, Vize-Präsident des Ligaverbandes, live im Stadion verfolgen. Auch DFB-Präsident Theo Zwanziger, Bundestrainer Joachim Löw, Generalsekretär Wolfgang Niersbach, Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff und Sportdirektor Matthias Sammer sind vor Ort.

Wieder in roten Trikots

"Ich gehe davon aus, dass unsere Jungs jetzt auch den Titel holen", sagt Löw. Niersbach attestiert den Junioren, die auf eigenen Wunsch in roten Trikots statt in Schwarz und Weiß antreten werden, schon einmal: "Egal, wie dieses Turnier ausgeht, es war auf jeden Fall ein Erfolg."

Doch damit wollen sich die Youngster nicht begnügen. "Ich will diesen Titel holen, an so etwas erinnert man sich sein Leben lang", meint der Leverkusener Gonzalo Castro.

Nochmal auf die Zähne beißen

Auch Trainer Horst Hrubesch will seinen vierten europäischen Titel als Spieler und Trainer. "Du bereitest dich zweieinhalb Jahre vor, gehst durch die Qualifikation, entbehrst vieles, dann willst du auch mit vollen Händen nach Hause kommen", sagt der Europameister von 1980 vor seinem letzten Spiel als U-21-Coach. Nach dem Turnier wird er die Mannschaft an Rainer Adrion übergeben.

Nach einer für die meisten jungen Spieler ungewohnt langen Saison sollen für das fünfte Turnierspiel innerhalb von 15 Tagen noch einmal alle Kräfte mobilisiert werden. "Das Halbfinale hat Körner gekostet. Aber jetzt kommt die Euphorie dazu, da verkraftet man das leichter", meint Hrubesch.

So sieht es auch Kapitän Sami Khedira, der nach seiner verletzungsbedingten Zwangspause wieder dabei sein wird. "Ein Finale ist reine Kopfsache", erklärt er: "Das geht jetzt nur noch über den Willen. Und wir haben den Willen und die Überzeugung, dass wir die großen Spiele für uns entscheiden können."

Heiß aufs Finale

Benedikt Höwedes, der mit dem Hamburger Jerome Boateng und seinem Schalker Clubkollegen Manuel Neuer im Tor ein bisher fast unüberwindbares Defensiv-Bollwerk bildet, bestätigt das: "Wir sind heiß auf dieses Spiel", meint er: "Wir wollen jetzt den ganzen großen Coup landen, und ich bin sicher, dass wir es schaffen werden." Dass die Engländer im Halbfinale ihr Elfmeter-Trauma überwanden, betrachtet Höwedes schmunzelnd als "neue Qualität. Aber wir wollen es ohnehin gar nicht zum Elfmeterschießen kommen lassen."

Die Titelprämie von 12.000 Euro dient dabei als zusätzliche Motivation. "Aber das Geld interessiert uns überhaupt nicht. Uns interessiert nur der Titel", erklärt der Bremer Mesut Özil, der nach den Finals im UEFA-Cup und DFB-Pokal sein drittes Finale in knapp sechs Wochen bestreiten wird.

Wagner könnte von Beginn an stürmen

Gegen die Engländer wird der etatmäßige Mittelfeldspieler einen neuen Sturmpartner erhalten, wahrscheinlich den Duisburger Sandro Wagner. Der Wolfsburger Ashkan Dejagah ist wegen zweier Gelber Karten gesperrt. Ansonsten wird es gegenüber dem Italien-Spiel nur eine Änderung geben.

Ob für Khedira Fabian Johnson, Dennis Aogo oder Castro weichen müssen, ist aber noch offen. Den Engländern fehlen wegen Sperren Torhüter Joe Hart sowie die Stürmer Frazier Campbell und Gabriel Agbonlahor.


Die voraussichtliche deutsche Aufstellung:

Neuer (Schalke 04) - Beck (1899 Hoffenheim), Boateng (Hamburger SV), Höwedes (Schalke 04), Boenisch (Werder Bremen) - Khedira (VfB Stuttgart), Aogo (Hamburger SV) oder Johnson (1860 München) - Castro (Bayer Leverkusen), Marin (Borussia Mönchengladbach) - Özil (Werder Bremen), Wagner (MSV Duisburg)