Auch 2019/20 überragend in der VBL: Michael "Magabit" Bittner vom SV Werder Bremen - © Sebastian Widmann/Bundesliga/Bundesliga Collection via Getty
Auch 2019/20 überragend in der VBL: Michael "Magabit" Bittner vom SV Werder Bremen - © Sebastian Widmann/Bundesliga/Bundesliga Collection via Getty
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Michael "Megabit" Bittner im Interview: "Meinen Torinstinkt konnte ich in FIFA übertragen"

Der SV Werder Bremen geht als möglicher Kandidat auf den Titel in den entscheidenden Spieltag der VBL Club Championship. Im Interview spricht Titelverteidiger "Megabit" über den heißen Schlussspurt und blickt auf die Saison zurück.

Michael Bittner, herzlichen Glückwunsch zum 9:0 gegen Kiel und Ihrem höchsten Saisonsieg. Die VBL Club Championship geht in die heiße Phase. Hätten Sie gedacht, dass es am Ende so spannend wird?

Michael „Megabit“ Bittner: Ich hatte anfangs schon das Gefühl, dass es enger zugeht, da in FIFA 20 grundsätzlich weniger Tore fallen. Dadurch kommt es auch zu vielen Punkteteilungen. Für Mannschaften, die vorne mitspielen, wird es dadurch schwerer, an neun oder sieben Punkte zu kommen. Letztes Jahr sind wir mit 131 Punkten Meister geworden, dieses Jahr benötigt man deutlich weniger. Das steht jetzt schon fest. Das Feld ist deutlich enger zusammengerückt. Dass bis zum letzten Spieltag vier Mannschaften realistische Chancen auf den Titel haben, ist wirklich überraschend, aber auch gut für die Liga und bringt die Intensität für die Spieler bis zum Schluss mit.

Mit dem Sieg gegen Kiel haben Sie im Titelrennen gut vorgelegt, worauf wird es im letzten Spiel nächste Woche gegen Hertha BSC ankommen?

Bittner: Wir haben alles in der eigenen Hand und wollen die Tabellenführung nicht mehr abgeben. Darauf müssen wir uns fokussieren. Wir werden uns voll auf unsere Stärken besinnen und vor allem im Doppel auf unsere Fähigkeiten beruhen. Wir müssen mit dem nötigen Selbstvertrauen auftreten, werden aber definitiv nichts auf die leichte Schulter nehmen.

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Bereiten Sie sich vor dem letzten Spiel besonders vor, oder bleiben die Routinen gleich?

Bittner: Die grundsätzliche Spielidee wird sich nicht ändern. Wir gehen in jedes Spiel, um drei Punkte zu holen, müssen uns aber auch darauf einstellen, dass je nach Spielverlauf auch mal ein Unentschieden für uns reichen könnte. Wir dürfen nicht zu fahrlässig in die Spiele gehen und müssen eine gute Mischung aus Defensive und Offensive finden. Das 9:0 gegen Kiel war eine gute Motivation für uns, das gibt uns Selbstvertrauen für den letzten Spieltag.

Sie sind nach Ihrem Titel 2019 in der Club Championship und im Grand Final auch in dieser Saison das Maß aller Dinge. Hätten Sie damit gerechnet?

Bittner: Es war natürlich ein Ziel, an die Leistung der letzten Saison anzuknüpfen. Mir war aber auch klar, dass ich an die 19 Siege aus 21 Einzelspielen nur sehr schwer herankommen werde. Meine jetzige Bilanz mit 14 Einzelsiegen stimmt mich aber auch zufrieden. Ich bin einfach froh, dass ich das Niveau halten konnte und auch dazugelernt habe, enge Spiele für mich entscheiden zu können. Jetzt wollen wir uns aber am Ende noch krönen, denn mir bringen die Top-Statistiken nichts, wenn ich die Meisterschaft mit Erhan "DrErhano" Kayman und für den SV Werder Bremen nicht hole.

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Auch im Doppel stehen Sie ganz vorne. Dabei hat Weltmeister „MoAuba“ ja den SV Werder Bremen verlassen. Wie lief die Zusammenarbeit mit Erhan Kayman?

Bittner: Es ist von Anfang an freundschaftlich und professionell abgelaufen. Ich wusste schon vor der Saison, dass es mit Erhan gut funktionieren wird. Im Trainingslager haben wir gemerkt, dass wir offensiv eine sehr gute Abstimmung haben und konnten uns im Laufe der Saison immer wieder auf unsere Fähigkeiten in wichtigen 2vs2-Spielen berufen. Wir unterstützen uns gegenseitig sehr gut und haben nun die Chance, den Rekord im Doppel (Anm. d. Red., letztes Jahr 15 Siege) nächste Woche sogar toppen. Das spornt uns an.

"DrErhano" und "Megabit" könnten den Rekord mit 16 Doppelsiegen knacken - Sebastian Widmann/Bundesliga/Bundesliga Collection via Getty

Wie schwer war die Umstellung von FIFA 19 auf FIFA 20?

Bittner: Aus meiner Sicht war es eine sehr große Umstellung. In den letzten Jahren hatte man in der Offensive mehr Möglichkeiten als in der Defensive. In diesem Jahr ist die Defensive einfach stärker, man kommt leichter in den Zweikampf und kann nicht einfach so zwei Gegenspieler ausdribbeln. Letzte Saison hatte ich 113 Tore in der VBL und konnte viele Spiele früh entscheiden. In FIFA 20 ist es bis zum Abpfiff spannend und man muss hoffen, dass die letzten Angriffe des Gegners gut verteidigt werden. Als Profi muss man sich aber dementsprechend anpassen und ich denke, dass mir das gut gelungen ist.

Haben sich dadurch auch die taktischen Aufstellungen geändert?

Bittner: Im letzten Jahr habe ich im Einzel immer 4-2-3-1 gespielt, in dieser Saison hingegen war ich sehr variabel unterwegs. Ich habe immer auf die Formation vertraut, die mir das beste Gefühl gab, denn ich hatte immer wieder damit zu kämpfen, mich auf dieses Spiel umzustellen. Ich habe auch zu diesem Zeitpunkt noch nicht die eine Taktik gefunden, mit der ich den Rest des Jahres spielen würde, denn die Dynamik des Spiels verschiebt sich von Tor zu Tor doch zu sehr.

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Wer waren die härtesten Gegenspieler in dieser Saison?

Bittner: Das Duell mit Gladbachs Richard „Der_Gaucho10“ Hormes war in diesem Jahr sehr interessant. Überraschenderweise war das 3:0 aber auch einer meiner höchsten Siege der ganzen Saison. Wolfsburgs Bene „BeneCR7x“ Bauer hat extrem stark gegen mich gespielt, das Spiel konnte ich aber auch knapp für mich entscheiden. Vor allem Fabian „B04_Dubzje“ De Cae von Bayer 04 Leverkusen hat sehr gut gegen mich gespielt und verdient gewonnen. Er hat in dieser Saison sogar mehr Einzelsiege als ich, was viel über ihn aussagt.

Und welche Mannschaften haben überrascht?

Bittner: Für mich hat Bayer 04 Leverkusen die stärkste Entwicklung gemacht. Letztes Jahr haben sie die Playoffs verpasst, jetzt haben sie es in die oberen Ränge geschafft. In der Form überraschend ist, dass wir, Borussia Mönchengladbach und die SpVgg Greuther Fürth es wieder in die Top Sechs der Liga geschafft haben. Das zeigt, dass in diesen Teams die nötige Konstanz und Qualität vorhanden ist und die Vereine jeweils voll hinter dem E-Sports-Engagement stehen.

Haben Sie auch Kontakt zu Ihren Konkurrenten bei den anderen Teams?

Bittner: Der Kontakt zu den anderen Spielern wird vor allem größer, wenn das Ligaspiel schon bestritten ist. Ab diesem Moment trainiert man auch sehr gerne untereinander, denn es gibt natürlich nicht viele Profis, die sich auf den 85er Modus spezialisiert haben. Dadurch ist der Spieler-Pool für uns auch begrenzt, wo das Training Sinn machen würde. In den letzten Tagen habe ich viel mit Teilnehmern der Playoffs trainiert, was mir sehr weitergeholfen hat.

Häufiger Gast im Pro Sieben Studio: Der deutsche Meister vom SV Werder Bremen - Sebastian Widmann/Bundesliga/Bundesliga Collection via Getty

Sie waren oft bei Featured Matches im ProSieben-Studio. Wie unterscheidet sich das Zocken live im TV zu den normalen Spielen, die man eher auf dem Sofa macht?

Bittner: Natürlich ist es ein Unterschied, ob man im gewohnten Umfeld bei sich zu Hause sitzt oder im Studio bei einer TV-Übertragung ist. Erhan und ich sind aber mittlerweile so erfahren, dass wir die Situation kennen und nicht davon überrascht werden, was auf uns zukommt. Wir sind darauf vorbereitet und nicht nervös, dementsprechend münzen wir das in Selbstvertrauen um. Wir haben mit dem 9:0 gegen Augsburg und dem 7:1 gegen Leipzig gezeigt, dass wir auch im Studio gute Leistungen abliefern können. Nächste Woche wird es aber natürlich besonders, denn live im TV um den Meistertitel zu spielen gab es in dieser Form noch nicht. Darauf freuen wir uns besonders.

Wie sieht eigentlich Ihr Alltag als VBL-Profi aus?

Bittner: Es läuft immer sehr unterschiedlich ab. Wir schauen immer wann wir spielen und gegen wen wir trainieren können. Grundsätzlich kann man natürlich immer in FIFA Ultimate spielen. Wenn Erhan bei mir ist, trainieren wir zwei gegen eins, um das Spielgefühl zu verbessern. Dann gehen wir in die Analyse und schauen uns noch mal Streams an und setzen uns mit unseren Fehlern auseinander. Nur so können wir uns verbessern.

Wie gelingt es Ihnen, so viele Tore zu schießen? Haben Sie ein Erfolgsrezept?

Bittner: Ich denke, das kommt wirklich aus dem realen Fußball. Ich war früher Stürmer, hatte einen gewissen Torinstinkt und wusste immer, wohin ich schießen musste. Das konnte ich tatsächlich in FIFA übertragen. Wenn es um Torschüsse geht, bin ich immer eiskalt und kenne meine Spots, von denen ich abziehen kann.

>>> Zu den Spieler-Statistiken der VBL Club Championship

Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Startaufstellung im 85er Modus?

Bittner: Grundsätzlich schaut man natürlich auf die Positionen. Dieses Jahr war bei uns ganz interessant, dass die Bremer Außenverteidiger schneller sind als die Innenverteidiger. Dadurch haben wir im Laufe der Saison die Außenverteidiger nach innen gezogen, was super lief. Im Mittelfeld sind die Allrounder ein fester Bestandteil und am wichtigsten ist es, so viele Spieler wie möglich im Sturm zu haben. Ein Kriterium für den besten Stürmer ist die Körpergröße, deshalb spielen wir auch immer in den letzten 30 Minuten mit Nick Woltemade, der mit 1,98 Meter für Gefahr sorgen kann. Ansonsten schauen wir auf den schwachen Fuß der Spieler. Luc Ihorst kommt zum Beispiel sehr oft bei uns zum Einsatz, da er unser einziger Linksfuß als Stürmer ist und vier Sterne auf seinem schwachen Fuß hat.

Und welche drei Tipps haben Sie für den Hobby-Zocker zu Hause?

Bittner: Man sollte auf jeden Fall selbstkritisch sein, denn nur so kann man auch nachhaltig sein Spiel verbessern. Dann sollte man gegen Spieler antreten, die tendenziell genauso gut sind wie man selbst, oder sogar besser. Ein Spieler wächst nicht daran, wenn er den kleinen Bruder 10:0 abschießt. Es sollten Gegner sein, die einen sowohl defensiv als auch offensiv fordern und die Bestleistung abverlangen. Außerdem ist es wichtig, mit der Zeit Turniererfahrung zu sammeln, denn das hat noch mal ein ganz anderes Flair. Als Profi kann ich sagen, dass ich durch die ganzen Online-Turniere gewachsen bin. In FIFA kann man sich nur Schritt für Schritt verbessern und durch Konstanz gut werden. Deshalb sollte man geduldig sein und auch bei Rückschlägen weitermachen.