München - Sie sind die Spielgestalter, die Ballverteiler, die Abräumer: die Bundesliga hat auch im zentralen Mittelfeld hochklassiges Personal zu bieten - gemeinhin gelten diese Spieler als "Sechser".

Aber wer sind die besten Mittelfeldakteure der vergangenen Saison gewesen? bundesliga.de hat die Datenbank angeschmissen und präsentiert die Liste der fünf besten Sechser der abgelaufenen Spielzeit, die auch für eine Überraschung sorgt.

Große Auswahl in Leverkusen

Wenn man die Top-Spieler der Saison zusammenstellt, dann geht natürlich der Blick erstmal zu den Akteuren der Top-Teams der Spielzeit. Da ist es auch nicht verwunderlich, dass der beste "Sechser" des letzten Jahres vom Vizemeister Bayer Leverkusen kommt. Bei der "Werkself" gibt es auch eine große Auswahl an potenziellen Kandidaten: Mannschaftskapitän Simon Rolfes, Michael Ballack oder Lars Bender. Den besten Eindruck hinterließ aber Arturo Vidal.

Der Chilene war mit zehn Toren der beste Torschütze bei Bayer, er erzielte damit exakt doppelt so viele Tore wie in den drei Jahren zuvor zusammen (5) und verwandelte alle seiner sechs Elfmeter. Insgesamt kommt Vidal auf 21 Scorerpunkte, nur drei Spieler hatten ligaweit in dieser Saison mehr Punkte auf ihrem Konto.

Die meisten Zweikämpfe

Der 24-Jährige war mit seinen elf Assists (wie drei weitere Spieler) der zweitbeste Vorbereiter der Bundesliga - nur Lauterns Tiffert hatte mehr (17). Knapp jede sechste Torschussvorlage des Leverkuseners wurde zudem in ein Tor umgemünzt.

Doch nicht nur in der Offensive zeichnete sich Vidal aus. Hinter Bayern Münchens Philipp Lahm hatte der Leverkusener die zweitmeisten Ballkontakte aller Bundesliga-Spieler. 2810 Ballkontakte hatte der Chilene, das sind im Schnitt 85 pro Spiel. Zudem bestritt Vidal ligaweit die meisten Zweikämpfe (590) - davon konnte er knapp 57 Prozent für sich entscheiden.

Platz 2 kommt vom Meister

Auf Platz 2 im Ranking liegt Nuri Sahin vom Deutschen Meister Borussia Dortmund. Der türkische Nationalspieler zeigte eine eindrucksvolle Saisonleistung und wurde nur kurz vor Schluss durch eine Verletzung ausgebremst. Vier Spiele verpasste der Dortmunder, dessen Team mit ihm im Schnitt 2,3 Punkte pro Partie ergatterte, ohne ihn nur 1,5 Zähler.

Sahin fiel vor allem durch seinen vielen Ballkontakte auf. Kein anderer Bundesliga-Spieler brachte es durchschnittlich auf so viele Kontakte wie der türkische Nationalspieler (88 pro Partie). Und obwohl er vier Partien verpasste, hatte Sahin die meisten Ballkontakte bei der Borussia (2625, ligaweit Rang 5).

Zwei Rekorde für Sahin

Der Mittelfeldmann gab ligaweit die meisten Torschussvorlagen (104, wie Tiffert). Acht davon führten direkt zu Toren des Meisters. Dazu stellte der Borusse mit sechs Toren einen neuen persönlichen Rekord innerhalb einer Saison auf.

Auf einen anderen Rekord hätte Sahin aber sicher lieber verzichtet. Der türkische Nationalspieler, der nun für Real Madrid spielen wird, verschoss seine letzten vier Elfmeter und stellte damit einen neuen Bundesliga-Rekord auf.

Immer am Ball

Nach dem überragenden Vorjahr und einer starken WM schaffte Bastian Schweinsteiger auch in dieser Saison den Sprung unter die besten drei "Sechser". Der Mittelfeldmann des FC Bayern erzielte vier Saisontore und hatte sieben Assists. Außerdem hatten nur zwei Spieler ligaweit mehr Ballkontakte (2759, 86 pro Spiel).

Schweinsteiger ist ein wahrer Ballverteiler. Der 26-Jährige spielte ligaweit die meisten Pässe (gut 66 pro Spiel). Der Bayern-Akteur überzeugte dabei mit einer Quote von 85 Prozent erfolgreicher Pässe.

Ein Brasilianer auf Rekordjagd

Auf dem 4. Platz reiht sich Schweinsteigers ehemaliger Teamkollege Ze Roberto vom Hamburger SV ein. Der Brasilianer ist mit 336 Bundesliga-Spielen nicht nur der Ausländer mit den meisten Einsätzen in der Bundesliga-Historie, er war mit neun Assists der beste Vorlagengeber des HSV. Rund jede sechste Torschussvorlage wurde in ein Tor umgemünzt.

Nur Abwehrmann Heiko Westermann hatte bei den Hanseaten mehr Ballkontakte (2495) als Ze Roberto (2337, 75 pro Spiel).
Gute 86 Prozent seiner Zuspiele kamen beim eigenen Mann an.

Überraschung auf Platz 5

Da 1899 Hoffenheim mit dem 11. Tabellenplatz ein eher durchwachsenes Saisonergebnis vorzuweisen hat, kommt Platz 5 in der Liste etwas überraschend. Aber Sejad Salihovic hat sich auch in der abgelaufenen Spielzeit als echter Leistungsträger bei den Kraichgauern erwiesen.

Mit Salihovic holten die Hoffenheimer 1,38 Punkte pro Spiel - ohne ihn nur 0,88. Mit dem Bosnier lief es auch in der Offensive besser, 1,50 Treffer hatte 1899 mit dem Mittelfeldmann erzielt - ohne ihn nur 1,38. Der Standardspezialist schlug die meisten Flanken und Ecken bei der TSG (154) - 26 Prozent fanden einen Abnehmer, hinzu kommen noch fünf Saisontore.

Auch bei Vorlagen ist auf Salihovic Verlass, mit sechs Assists war er der beste Vorlagengeber bei den Kraichgauern. Die Gegner versuchten dies zu unterbinden und foulten den Bosnier 58 Mal. Kein anderer Hoffenheimer musste so oft einstecken. Auch aufgrund seines Einsatzes gehört Salihovic zu den besten "Sechsern" der letzten Saison.

Jessica Pulter