Dortmund/München - Dass Marco Reus und Mario Götze, die sich am Samstagabend (18:30 Uhr) beim Klassiker zwischen dem FC Bayern München und Borussia Dortmund als Konkurrenten gegenüberstehen, privat dicke Freunde sind, ist in Deutschland seit Jahren bekannt. Und seit dem 13. Juli 2014 weiß sogar die ganze Welt, dass zwischen diesen zwei herausragenden Fußballer eine ganz besondere Freundschaft besteht.

Damals, Deutschland hat gerade das WM-Finale gegen Argentinien gewonnen, manifestiert sich die enge Verbindung der beiden Edeltechniker in einem Bild mit Gänsehaut-Potenzial. Götze, seit wenigen Minuten WM-Held und Siegtorschütze, hält bei der Übergabe des Pokals ein Trikot mit der Rückennummer 21 und dem Namen "Reus" in die Höhe.

Sofort auf einer Wellenlänge

Damit denkt er an seinen Kumpel in der Heimat, der den historischen Triumph wegen einer im Testspiel gegen Armenien erlittenen Verletzung verpasst hat. "Danke an meinen Bro für die Geste", twittert Reus später.

Kennen lernen sich Götze und Reus, die beide in der Jugend des BVB gespielt haben, sich dort wegen des Altersunterschieds (Reus ist drei Jahre älter) aber nur unbewusst begegnet sind, 2009 bei der Nationalmannschaft. Beide merken sofort, dass sie auf einer Wellenlänge funken, die gleich Musik hören, ähnliche Interessen haben - und sich auch auf dem Platz blendend verstehen.

Von daher ist es ein Glücksfall, dass der BVB 2012 Reus von Borussia Mönchengladbach zurück in die Heimat holt und das Traumduo somit gemeinsam zaubern kann. Mario und Marco - das steht nun für Spielfreude und höchste Fußballkunst bei Borussia Dortmund. Ende 2012 bezeichnet Franz Beckenbauer die beiden in der "Bild-Zeitung" als "das stärkste Fußball-Paar der Welt" und adelt das Zusammenspiel zwischen "dem torgefährlichen Reus und dem Strategen Götze." Tatsächlich harmonieren die beiden, die auch in ihrer Freizeit ständig zusammen sind, auf dem Feld perfekt und führen die Borussia bis ins Champions-League-Finale.

Trennung der "Unzertrennlichen"

Als Reus kurz vor der WM 2014 noch fit ist und ganz Fußball-Deutschland darauf hofft, das Duo könnte im DFB-Dress ähnlich für Furore sorgen, da nennt DFB-Pressesprecher Jens Grittner sie sogar die "beiden Unzertrennlichen." Ein Titel, der angesichts des Wechsel von Götze zum FC Bayern München nur bedingt passt, denn sportlich haben sich ihre Wege auf Vereinsebene einstweilen getrennt.

Nach gerade einmal 48 Spielen, in denen die Offensivkünstler beim BVB zusammen auf dem Feld standen, vollzieht Götze den viel beachteten Wechsel zum Rekordmeister. Während es von den Fans Anfeindungen und Beschimpfungen gibt, bekommt er von Reus Rückendeckung. "Mario hat eine Entscheidung für seine Zukunft getroffen! Dies hat jeder zu respektieren", schreibt er auf seiner Facebook-Seite.

Nach einem guten, aber auch wechselhaften ersten Jahr ist Götze in dieser Saison im System von Pep Guardiola angekommen. In Dortmund wissen sie natürlich, dass man ihm keinen Raum zur Entfaltung geben darf, zumal ein Götze-Tor für den Gegner fast zwangsläufig zur Niederlage führt: In 35 Bundesliga-Spielen traf er, 31 Mal siegte sein Team, vier Partien endeten remis.

Für 90 Minuten ruht die Freundschaft

Die Werte, mit denen Reus aufwarten kann, sind nicht minder beeindruckend. Seit der 25-Jährige 2009 sein Debüt in der Bundesliga feierte, war er in 175 Spielen an 132 Toren beteiligt (73 Treffer, 59 Vorlagen). In diesem Zeitraum sammelte nur Thomas Müller mehr Scorerpunkte (145). Obwohl er in dieser Saison viele Spieler verpasst hat, hat er dennoch 12 Scorerpunkte auf dem Konto (sieben Tore, fünf Vorlagen).

Selbst in ihren mit etlichen Akteuren von Weltklasse-Format besetzten Mannschaften sind Götze und Reus noch diejenigen, von denen immer ein bisschen mehr erwartet wird, deren überragendes Talent möglichst immer Tore und Punkte bringen und die Fans verzücken soll. "Er ist stark, aber ich will mehr", sagt Guardiola unlängst über Götze. Auch BVB-Coach Klopp lässt selten eine Gelegenheit aus, um die Extraklasse von Reus zu loben.

Am Samstag wird die dicke Freundschaft der Ausnahmekönner, die ganz ohne Zweifel eine fürs Leben ist, mal wieder für 90 Minuten ruhen. Dann gibt es im Signal Iduna Park den Kampf der Kumpels. Dann heißt es eben nicht nur Dortmund gegen Bayern, sondern auch Reus gegen Götze. Bis zum Schlusspfiff. Dann wird es wieder Marco und Mario geben.

Stefan Schinken