
Wolfsburgs Sportdirektor Marcel Schäfer im Gespräch: "Ich möchte immer ein Lernender bleiben"
Schon als Spieler des VfL Wolfsburg interessierte sich Marcel Schäfer für die Prozesse in seinem Club. Dass der heute 36-Jährige 2018 Sportdirektor bei den "Wölfen" wurde, war auch das Ergebnis einer gewissenhaften Vorbereitung. Im Interview mit dem DFL MAGAZIN (Ausgabe 4|20) spricht er über seinen Karriereplan, seinen Wissensdurst und die Zusammenarbeit mit Geschäftsführer Jörg Schmadtke.
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Herr Schäfer, würden Sie gern einfach mal wieder für einen Tag Fußballer sein?
Marcel Schäfer: Definitiv. Nicht weil mir mein jetziger Job als Sportdirektor keinen Spaß macht, aber ich habe die Zeit als Fußballprofi wirklich geliebt, habe mir damit meinen Kindheitstraum erfüllt. Eine Rückkehr für einen Tag hätte was. Dieser Wettkampf, das tagtägliche Miteinander in der Kabine, das habe ich immer sehr genossen.
Nun haben Sie in Ihrer Führungsposition beim VfL Wolfsburg sicherlich noch mehr Verpflichtungen.
Schäfer: Keine Frage, dieser Job ist sehr viel zeitintensiver. Wenn die Mannschaft einen Tag freihat, bin ich trotzdem im Büro, widme mich anderen Themen, das ist schon eine Siebentagewoche. Da geht es dann auch nicht nur um Dinge wie die Kaderplanung, sondern auch um Bereiche, mit denen ich mich vorher noch nie auseinandergesetzt habe. Zum Beispiel Compliance und Datenschutz. Dinge, mit denen wir hier sehr verantwortungsbewusst umgehen. Es ist extrem vielfältig und spannend.

Wie viele Stunden hat heute eine Arbeitswoche für Sie?
Schäfer: Schwer zu sagen. Was ist überhaupt Arbeitszeit? Wenn ich am Spieltag von 10 bis 20 Uhr bei der Mannschaft und im Stadion bin, empfinde ich das nicht als Arbeit. Es macht mir einfach unheimlich viel Spaß. So ein Spieltag ist im Gegensatz zu früher für mich sogar der entspannteste Tag, das Highlight der Woche, weniger Stress. Was mir heute außerdem hilft: Ich war schon als Spieler sehr bemüht, immer das große Ganze zu sehen, habe sehr viel rund um das Team herum gemacht. Einfach nur zum Training zu fahren und anschließend möglichst schnell wieder zu Hause zu sein, so war ich nie. Schon zu meiner aktiven Zeit war ich häufig in der Geschäftsstelle unterwegs.
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Und haben bereits gedacht wie ein Manager?
Schäfer: Ich habe zumindest immer versucht, über den Tellerrand hinauszublicken. Ich kam 2007 zum VfL, habe eine große Identifikation aufgebaut. Man kann sicherlich sagen, dass ich mich schon in dieser Zeit über das normale Maß hinaus mit diesem Verein auseinandergesetzt habe.
Haben Sie dabei immer einen Karriereplan verfolgt?
Schäfer: Ja. Schon als Spieler habe ich mir immer Ziele gesetzt. Wenn ich eines erreicht hatte, kam das nächste – bis ich an meine Grenzen gestoßen bin. Wenn ich heute zurückblicke, habe ich das Gefühl, dass ich das Maximale aus meinem Talent herausgeholt habe, auch wenn ich einige Ziele nicht vollends erreichen konnte. Darauf bin ich sehr stolz.
Sie vermittelten bereits als Spieler den Eindruck, dass Sie schon sehr früh sehr genau wussten, wo der Weg auch nach der Karriere hinführen sollte.
Schäfer: Das war auch so. Ein Schlüsselerlebnis hatte ich bereits mit 17 Jahren, als ich mir bei 1860 München einen Totalschaden im Knie zugezogen habe. Bei einem Hallenturnier, ohne Gegnereinwirkung. Der Arzt hat mir damals zu verstehen gegeben, ich solle mich mal lieber auf die Schule konzentrieren. Seit diesem Tag war immer in meinem Kopf, was ich machen könnte, wenn es auf dem Rasen nicht klappt.
Und das war damals schon das Management, nie eine Aufgabe als Trainer?
Schäfer: Ja, das war so. Ich kann nicht genau erklären, warum das so ist. Mich hat immer mehr das Drumherum interessiert und fasziniert. Ich kann mir schon noch vorstellen, auch mal Trainerlizenzen zu machen, aber an der Linie werde ich Stand heute nicht stehen wollen. Einen Verein zu prägen, zu gestalten, zu strukturieren, das war immer das, was mir vorschwebte. Deswegen habe ich mich nebenbei immer schon weitergebildet. Deswegen habe ich ein Sportmanagement-Fernstudium absolviert, am VfL-Campus ging es noch tiefer ins Fußballmanagement rein. Ich glaube, es ist immer wichtig, neue Dinge zu lernen, andere Impulse zu bekommen.
In der aktuellen Ausgabe 4|20 des DFL MAGAZINS spricht Marcel Schäfer auch über den von DFL und DFB initiierten Lehrgang "Management im Profifußball" und darüber, welche Impulse er aus seiner Zeit in den USA mitgebracht hat. Das gesamte Gespräch gibt es in der kostenlosen ePaper-App für iOS und Android.
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