Freiburg - Der SC Freiburg ist DIE Überraschungsmannschaft der Rückrunde. Als abgeschlagener Tabellenletzter sicherte sich das Team von Trainer Christian Streich 23 Punkte seit der Winterpause. Im Interview mit bundesliga.de erklärt SC-Manager Dirk Dufner das Wunder von der Dreisam.

bundesliga.de: Herr Dufner, im Winter lag der SC Freiburg abgeschlagen auf Rang 18. Hand aufs Herz: Haben Sie selbst noch daran geglaubt, dass der Klassenerhalt möglich ist?

Dirk Dufner: Man verliert auch in so einer Situation den Glauben nicht, das ist klar. Aber es wäre gelogen zu behaupten, dass wir uns da bei 13 Punkten nach 17 Spielen absolut sicher gewesen wären. Man sieht ja auch allein schon an den ganzen Maßnahmen, die wir getroffen haben, dass wir sie als perspektivische Maßnahmen verstanden haben.

bundesliga.de: Wie meinen Sie das?

Dufner: Es wurden junge Spieler geholt und ein Trainer, der für Jugendarbeit und Kontinuität steht. Wir wollten mittelfristig eine Mannschaft mit Perspektive herausbilden, die im Idealfall gleichzeitig auch die Chance auf den Klassenerhalt hat. Dass das alles gute Entscheidungen waren, hat man schon im Trainingslager gemerkt. Man sah, dass die Mannschaft zusammenrückt.

bundesliga.de: Und nach dem ersten Sieg greifen die viel zitierten Mechanismen, weil die Mannschaft merkt, dass sie doch mithalten kann?

Dufner: Dass wir nicht so schlecht sind, haben wir sogar schon im Trainingslager gemerkt. Wo wir übrigens bereits alle Testspiele gewonnen haben. Es war wirklich unfassbar, wie die Jungs Gas gegeben haben. Es war allein schon beim Essen eine ganz andere Stimmung zu spüren.

bundesliga.de: Die Trennung von Trainer Marcus Sorg und von einigen Spielern wurde im Winter scharf kritisiert. Gibt der Erfolg Ihnen Recht?

Dufner: Personell haben wir sicher alles richtig gemacht. Denn nur so konnten wir Platz schaffen für die Neuen, die geholt wurden und die Jungen, die hochgezogen wurden. Die haben uns ja in der Rückrunde sehr viel Freude gemacht.

bundesliga.de: Sie klingen ein wenig zögerlich.

Dufner: Das eine oder andere Vorgehen hätte man in der Form anders erklären können. Aber wir standen auch unter einem enormen Zeitdruck. Wir mussten innerhalb von zwei Tagen handeln und wollten eine leistungsbereite Mannschaft zusammenstellen.

bundesliga.de: Das scheint geklappt zu haben. Zumal vor allem die selbst ausgebildeten Spieler wie Matthias Ginter, Jonathan Schmid, Immanuel Höhn oder Oliver Sorg für Furore sorgen.

Dufner: Stimmt. Wir haben gute Transfers getätigt, und viele junge Leute aus dem Nachwuchs haben ihre Chance in der Bundesliga sofort genutzt - das sind für uns ja immer die erfreulichsten Transfers. Möglich ist das aber nur, weil ein Gerüst von erfahrenen Spielern vorhanden ist, das den Jungen hilft.

bundesliga.de: Ihr Trainer Christian Streich löst einen Medienrummel aus, der für Freiburger Verhältnisse eher ungewöhnlich ist. Macht Ihnen das auch Sorgen?

Dufner: Nein, denn das müsste es ja nur, wenn Christian damit Probleme hätte. Das scheint aber nicht so zu sein. Er löst das ja alles ganz prima. Es freut mich sehr für ihn, dass er als Trainer und außerhalb des Platzes bundesweit so gut ankommt. Aber die Erfahrung zeigt natürlich, dass man ein gewisses Risiko läuft, wenn man den Kopf aus dem Fenster streckt. Ich weiß aber, dass Christian sich dessen bewusst ist.

Das Gespräch führte Chirstoph Ruf