München - Die Samstagnachmittagspartien des 19. Bundesligaspieltags versprechen einige Brisanz. Tabellenprimus Borussia Dortmund empfängt in einem scheinbar klaren Duell den Vorletzten aus Stuttgart. In München stehen sich im zeitlosen Klassiker der FC Bayern und der 1. FC Kaiserslautern gegenüber. Außerdem steht der FC Schalke beim Tabellenzweiten Hannover 96 unter Druck (alle Partien ab 15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio).

Borussia Dortmund - VfB Stuttgart

Der BVB begeistert Fans und Kritiker. Nach dem Sieg über Verfolger Leverkusen zweifelt kaum noch jemand in Fußballdeutschland daran, dass Dortmund auch am Ende ganz oben stehen wird. Nach der erneuten Machtdemonstation des BVB folgt jetzt das Duell Erster gegen Vorletzter. Eine klare Angelegenheit, gerade mit einem ausverkauften Stadion voll euphorischer Dortmunder Fans im Rücken - so scheint es zumindest. Wie immer bleibt Jürgen Klopp aber am Boden. "Stuttgart wird mit allen Mitteln, mit hart geführten Zweikämpfen und hoher Disziplin versuchen, zum Erfolg zu kommen", ahnt der BVB-Coach. Und wenn man die im Kader des VfB fraglos vorhandene Qualität hinzu addiere, komme man zu dem Ergebnis, "dass ein ganz schweres Spiel auf uns wartet."

Personell stehen in Dortmunds Startelf zwei Änderungen bevor. Für den verletzen Sven Bender wird aller Voraussicht nach Toni da Silva neben Nuri Sahin im defensiven Mittelfeld spielen, wenn er rechtzeitig fit wird. Im Sturm kehrt Lucas Barrios wohl auf seinen Stammplatz zurück, Robert Lewandowski muss dann wieder auf die Bank.

Beim VfB ist die Lage nach dem Befreiungsschlag gegen Mainz wieder etwas entspannter, dennoch steht das Team von Bruno Labbadia immer noch auf einem Abstiegsplatz. Der Trainer sieht das Spiel als Chance für das Team, sich zu beweisen: "Die Dinge, die wir gegen Mainz gut gemacht haben, wollen wir fortsetzen. Wir hatten eine gute Grundordnung und haben nur sehr wenige Chancen zugelassen. Jetzt müssen wir noch dahin kommen, in Ballbesitz mutiger nach vorne zu spielen. Wir fahren nicht mit dem Selbstverständnis nach Dortmund, dort gewinnen zu müssen, aber es ist möglich, und diese Chance wollen wir nutzen." Verzichten muss Labbadia auf Cacau, der mit Adduktoren-Problemen ausfällt. Entwarnung gab es dagegen bei Ciprian Marica und Martin Harnik, die im Kader stehen.




FC Bayern München - 1. FC Kaiserslautern

Die Aufholjagd der Bayern ist zumindest verbal erst einmal beendet. Das neu erklärte Ziel des Rekordmeisters ist nach dem 1:1 zum Rückrundenauftakt in Wolfsburg nun Rang 2."Wir müssen jetzt voll auf Platz 2 gehen und in den Pokalwettbewerben erfolgreich sein", forderte Sportdirektor Christian Nerlinger nach dem späten Ausgleichstor des VfL. Positiv wurde gegen die "Wölfe" vor allem das Bundesligadebüt von Thomas Kraft aufgenommen. Der junge Keeper, der durch eine überraschende Maßnahme von Trainer Louis van Gaal in die Mannschaft gekommen war, hielt einen Elfmeter und leitete den einzigen Bayern-Treffer mit einem Abschlag ein.

Die erneute Verletzung von Offensivkünstler Franck Ribery steht symbolisch für die verkorkste Saison des FCB; zum Glück ist seine Blessur nicht so schwerwiegend wie zunächst angenommen. Arjen Robben feiert daher wohl sein Startelfcomeback, während sich auch in der Verteidigung ein Wechsel andeutet: Neuzugang Luiz Gustavo steht in den Startlöchern und könnte Danijel Pranjic auf der Linksverteidigerposition ersetzen.

Srdjan Lakic, der dreifache Torschütze für den 1. FC Kaiserslautern aus dem Pokal-Derby bei der TuS Koblenz, muss in München wegen seines Platzverweises gegen Köln zuschauen, ansonsten sind voraussichtlich alle Akteure aus dem erfolgreichen Pokal-Kader einsatzbereit. Gleichwohl ist die Elf von Cheftrainer Marco Kurz in München klarer Außenseiter - eine Rolle, mit der sie in der Vorrunde zum Teil aber bestens zurecht kam. Nicht zuletzt auch gegen die Bayern, die auf dem Betzenberg in einem begeisternden Spiel mit 2:0 besiegt wurden. Ein weiterer Erfolg der Pfälzer hätte jedenfalls fast schon historische Ausmaße. Der letzte Bundesliga-Sieg in München gelang dem FCK vor über 13 Jahren - im August 1997 siegte Lautern 1:0 bei Bayern und wurde am Saisonende Deutscher Meister.




Hannover 96 - FC Schalke 04

Das 2:1 von Hannover gegen die "Knappen" im Hinspiel wurde noch als Sensation gefeiert - die Zeiten haben sich geändert. "Schalke war damals am 2. Spieltag eine ganz große Hausnummer", sagt 96-Profi Konstantin Rausch, "aber in unserer jetzigen Verfassung wäre ein Sieg für mich keine Überraschung mehr." Das Selbstvertrauen des Tabellenzweiten kennt keine Grenzen und der Punktestand gibt den Niedersachsen recht. Mit 34 Punkten hat man jetzt schon einen Zähler mehr als in der gesamten Vorsaison. Sechs der letzten sieben Spiele gewann Hannover, jetzt trifft Mirko Slomka mit dem FC Schalke auf seinen Ex-Verein, gegen den er mit 96 bisher beide Duelle für sich entscheiden konnte. Seine Erfolgself aus dem Frankfurt-Spiel wird er dabei kaum verändern, Youngster Ron-Robert Zieler wird wieder das 96-Tor hüten.

Obwohl es beim FC Schalke 04 alles andere als glatt läuft, zeigt sich Coach Felix Magath dennoch guter Dinge: "Wir haben gut trainiert, deshalb bin ich vor unserem Gastspiel bei Hannover 96 optimistisch." Dass die Niedersachsen auf Rang 2 liegen, sei für Magath zwar nicht unbedingt zu erwarten gewesen, letztlich aber verdient. "Hannover hat sich nach den Schwierigkeiten in der vergangenen Saison gefunden und harmoniert als funktionierendes Team", sagt Magath: "Zudem haben sie mit Didier Ya Konan einen starken Stürmer, der stets gefährlich ist."

In Bezug auf die Startformation lässt sich Trainerfuchs Magath nicht in die Karten schauen. "Ich möchte noch die letzten Trainingseindrücke abwarten. Veränderungen im Gegensatz zur Anfangself gegen den Hamburger SV schließe ich aber nicht aus", sagte der S04-Coach. Möglich scheint aber, dass Youngster Julian Draxler zu seinem Startelfdebüt kommt.




1. FSV Mainz 05 - VfL Wolfsburg

Das Hinspiel dieser Partie war ein fast schon legendäres Torfestival. Nach 3:0-Führung des VfL schafften die Rheinhessen noch ein sensationelles 4:3. "Dieses Hinspiel hat sowohl den VfL als auch uns beeinflusst. Das hat uns damals im Selbstvertrauen enorm bestärkt und im Team-Building geholfen. Es schweißt zusammen, wenn man ein solches Spiel erlebt und eine solche Wende leistet," sagt Mainz-Trainer Thomas Tuchel.

Der Übungsleiter weiß die Lage einzuschätzen. "Wir gehen definitiv nicht als Favorit in dieses Match, auch wenn die Tabelle derzeit anderes glauben lässt. Wir bilden uns nichts ein auf unseren 3. Platz - wer überlegt, ob er Mark van Bommel oder Patrick Helmes nachverpflichtet, der ist einfach eine andere Größenordnung." In der Mainzer Startelf scheint möglich, dass Adam Szalai Marcel Risse im Angriff ersetzen wird.

Der VfL Wolfsburg sieht sich nach dem Auftritt gegen Rekordmeister Bayern München im Aufwind, will sich nach dem Abgang von Edin Dzeko als Team präsentieren und endlich in die Tabellenregionen vorstoßen, die sich die Verantwortlichen zu Saisonbeginn vorgestellt hatten. Trainer Steve McClaren weiß aber, dass es Wolfsburg vor allem an Konstanz fehlt. "Ein gutes Spiel ist nicht genug. Für die richtigen Ergebnisse braucht es Kontinuität und im ersten Schritt eine entsprechende Einstellung, so wie in der letzten Stunde gegen Bayern. Da hat die Mannschaft gekämpft und als Team funktioniert. Wenn wir es wieder so machen, haben wir in Mainz eine Chance", sagte der Engländer, der personell aus dem Vollen schöpfen kann. Zurückgreifen kann er auch wieder auf Fabian Johnson, der seine Innenbandverletzung auskuriert hat.




SC Freiburg - 1. FC Nürnberg

Der SC Freiburg startete mit einem Unentschieden in die Rückrunde, erkämpfte sich dank zweier Tore von Papiss Demba Cisse ein 2:2 am Millerntor bei St. Pauli. Mehr denn je ist das Team von Trainer Robin Dutt vor der Partie von Personalsorgen gebeutelt. Neun Spieler, darunter Torjäger Cisse (Muskelfaserriss) und Julian Schuster (Zehenbruch) fallen für die Partie definitiv verletzt aus, weitere sechs sind angeschlagen oder fraglich. Zu allem Überfluss plagt die Freiburger eine Grippewelle. Maximilian Nicu, Yacine Abdessadki, Heiko Butscher, Nicolas Höfler und Kisho Yano konnten nur eingeschränkt am Mannschaftstraining teilnehmen.

So oder so muss Dutt seinen Kader angesichts von insgesamt 15 verletzten oder kranken Spielern mit Akteuren aus der zweiten Mannschaft oder der A-Jugend auffüllen, um die Bank zu besetzen. Zumindest eine positive Nachricht gab es beim SCF aber unter der Woche: Stürmer Erik Jendrisek vom FC Schalke 04 wurde verpflichtet und steht vor seinem Debüt für die Breisgauer, wird wohl als einzige Spitze beginnen.

Der "Club" aus Nürnberg sicherte sich nach der Auftaktniederlage gegen Gladbach einen Platz im Viertelfinale des DFB-Pokals. Die Truppe von Trainer Dieter Hecking siegte beim Drittligisten Kickers Offenbach mit 2:0. Mit dem Auftritt seiner Elf gegen den Außenseiter war Hecking vollauf zufrieden: "Das war ein souveräner Auftritt in heißer Atmosphäre. Wir haben sehr konzentriert und konsequent gespielt, waren tonangebend." Nun wolle Nürnberg den Schwung aus dem Pokal nach Freiburg mitnehmen. An der personellen Lage beim "Club" hat sich wenig geändert. Weiterhin fehlen wird Albert Bunjaku (Reha) und Per Nilsson (Trainingsrückstand).




Christoph Gschoßmann