München - Sie kennen kein Erbarmen, sind eiskalt und schlagen gnadenlos zu, sobald sich die Möglichkeit dazu ergibt. Torjäger begeistern mit ihren Treffern die Fans, lassen Massen jubeln, wenn sie dank ihres scheinbar angeborenen Instinkts wieder einmal richtig standen und einnetzen, dem Gegner einen empfindlichen Stich versetzen.

Die Meisterschaft mag diese Saison bereits entschieden sein, doch das Rennen um die Torjägerkanone ist es noch lange nicht. bundesliga.de hat einen Blick in die Datenbank geworfen und verrät, welche Knipser sich Hoffnungen auf die Trophäe machen dürfen.

Statistik spricht für Lewandowski



Zieht man die Statistik zu Rate, stellt man fest, dass Robert Lewandowski der aussichtsreichste Kandidat ist, denn in bislang 49 Spielzeiten führte der spätere Torschützenkönig die Rangfolge auch am 25. Spieltag an. Dort rangiert der Stürmer von Borussia Dortmund mit 17 Treffern auf dem 1. Platz und hat somit, statistisch, die besten Karten.

Lewandowskis Vorsprung auf die ärgsten Verfolger ist jedoch denkbar knapp. Leverkusens Stefan Kießling hat nur einmal seltener eingenetzt als der polnische Nationalspieler und auch Bayerns Mario Mandzukic liegt mit 15 Toren in Schlagdistanz. (Torjägerliste)

Keine Chance dank Rotation?



Doch nicht nur der aktuelle Spitzenplatz spricht für den Dortmunder Angreifer. Besonders Lewandowskis Verwertung von Großchancen beeindruckt. Mit 85,7 Prozent weist er die mit Abstand beste Quote der drei Stürmer auf. Zum Vergleich: Kießling bringt nur weniger als die Hälfte seiner Hundertprozentigen im gegnerischen Kasten unter (45,5 Prozent), Mandzukic 56,3 Prozent.

Allerdings benötigt der Kroate nur 4,1 Torschüsse für einen Treffer, 0,4 weniger als sein Pendant in Diensten des BVB. Der entscheidende Vorteil des Klopp-Schützlings könnte jedoch sein, dass er gesetzt ist. Mandzukic hingegen musste im Sinne der Rotation zuletzt immer wieder seinen Stammplatz an Mario Gomez abtreten.

Gesetzt ist auch Kießling, der bei Bayer Leverkusen seine Vielseitigkeit unter Beweis stellt. Der 29-Jährige erzielte fünf Tore per Kopf, vier mit Links und traf fünfmal mit dem rechten Fuß. Achtmal war es das wichtige 1:0 für die "Werkself".

Trio in Lauerstellung



Wenn sich drei streiten, freut sich aber auch manchmal der Vierte - oder einer von ihnen. Mit zwölf Treffern liegen nämlich gleich drei Spieler gleichauf in der Torjägerliste. Aktuell haben Mainz' Adam Szalai, Bayerns Thomas Müller und Frankfurts Alexander Meier zwar je fünf Treffer weniger auf dem Konto als Lewandowski, historisch gesehen aber noch alle Chancen auf die Kanone.

Ein Rückstand von fünf Toren auf die Spitzenposition wurde in der Bundesliga bereits fünfmal aufgeholt. Der Topwert sind acht Treffer, aufgestellt von Lothar Koblun. Der Oberhausener hatte nach dem 25. Spieltag der Saison 1970/71 erst zehn Treffer auf dem Konto (Platz 12); an der Spitze lag zu diesem Zeitpunkt Karlheinz Vogt vom 1. FC Kaiserslautern mit 18 Treffern. Doch am Ende stand Kobluhn mit 24 Treffern ganz oben - gefolgt von Vogt und Gerd Müller (jeweils 22 Treffer).

Geheimtipp Szalai?



Blickt man auf die nackten Zahlen, hat Szalai aufgrund des Umstands, dass er nur 4,3 Torschüsse für einen Treffer benötigt, wohl die besten Aussichten des Trios, Lewandowski noch abzufangen (Müller: 5,3, Meier: 6,3). Mit einer Wiederholung seines Dreierpacks aus dem Hinrundenspiel, könnte der 25-Jährige am kommenden Spieltag 1899 Hoffenheim zum Großangriff auf die Torjägerkanone blasen.

Sollte Szalai am Ende der Saison tatsächlich ganz oben stehen, wäre dies ein doppeltes Novum: Noch nie war ein Ungar oder ein Spieler des 1. FSV Mainz 05 Torschützenkönig der Bundesliga.

Gregor Nentwig