Berlin - Markus Babbel steht vor einer großen Herausforderung. Der Trainer des Hauptstadtclubs Hertha BSC muss die Erwartungshaltung im und um Berlin bestätigen. Lucien Favre, der mit den Berlinern zuletzt in die Bundesliga aufgestiegen ist, konnte das nicht - und musste früh gehen.

Doch Babbel hat sich bei der Hertha etwas aufgebaut. Eindrucksvoll hat die Mannschaft den Wiederaufstieg perfekt gemacht. Doch Babbel seht keinen Grund, sich auf den Lorbeeren auszuruhen.

"Die Aufstiegssaison und die Bundesligasaison sind nicht zu vergleichen. Dort waren wir der große Favorit, jetzt in der Bundesliga sind wir Neuling. Darauf müssen wir uns einstellen, dass es viel, viel schwerer, härter werden wird", sagte Babbel im bundesliga.de-Interview.

bundesliga.de: Herr Babbel, was hat sich für Sie in der täglichen Arbeit seit dem Bundesliga-Aufstieg verändert?

Markus Babbel: Die Euphorie in Berlin ist gestiegen, alle Fans freuen sich wieder auf die Bundesliga. Rein sportlich nicht allzu viel, wir bereiten uns jetzt gewissenhaft vor. Natürlich ist es immer ein bisschen anders, allein schon deshalb, weil wir mit Thomas Kraft, Andreas Ottl, Tunay Torun und Maik Franz vier neue Spieler hinzubekommen haben. Aber der Teamgeist ist groß, die Mannschaft hat die Neuen super aufgenommen.

bundesliga.de: Ist die Euphorie bei den Spielern und Verantwortlichen und vor allem in und um Berlin nach der Rückkehr in die Bundesliga spürbar?

Babbel: Ja, absolut. Zu unserem ersten Training nach dem Urlaub kamen insgesamt 1000 Zuschauer, bei unserem Kiez-Training im Berliner Wedding, dem Gründungsbezirk von Hertha BSC, an einem Freitagnachmittag noch einmal 1500 Menschen. Wir spüren alle, dass man sich in Berlin auf die Bundesliga freut - und das macht dann richtig Spaß bei der Arbeit.

bundesliga.de: Hertha gehörte mit seinem Offensivspiel zu den dominanten Teams in der Aufstiegssaison. Können die Taktik und das Spielsystem für die Bundesliga aufrechterhalten bleiben?

Babbel: Die Aufstiegssaison und die Bundesligasaison sind nicht zu vergleichen. Dort waren wir der große Favorit, jetzt in der ersten Liga sind wir Neuling. Darauf müssen wir uns einstellen, dass es viel, viel schwerer, härter werden wird.

bundesliga.de: Sie haben sich mit Spielern wie Maik Franz und Andreas Ottl namhaft verstärkt. Erwarten Sie von diesen gestandenen Bundesliga-Profis auch gleich, dass sie eine Führungsrolle übernehmen?

Babbel: Auch Thomas Kraft und Tunay Torun sollen uns mit ihrer Erfahrung weiterbringen. Wir haben eine gute Hierarchie im Team, die Neuen gliedern sich perfekt ein. Natürlich sollen sie auch Verantwortung übernehmen, aber das muss jeder im Kader.

bundesliga.de: Von welchen Akteuren erhoffen Sie sich in der Bundesliga einen (weiteren) Leistungsschub?

Babbel: Von allen, von jedem Einzelnen! 2. Bundesliga war das eine, jetzt muss sich jeder in der Bundesliga beweisen. Da weht ein anderer Wind. Insofern muss jeder noch draufsatteln, damit wir da bestehen können.

bundesliga.de: Der Klassenerhalt - das ist in 99,9 Prozent aller Fälle das Saisonziel eines Aufsteigers. Welche Erwartungshaltung haben Sie an die kommende Spielzeit?

Babbel: Bei uns ist das zu 100 Prozent das Saisonziel! Mehr auszugeben, wäre unseriös, ja fast hirnrissig. Wir wollen die Klasse halten. Punkt.

bundesliga.de: Auf was freuen Sie sich 2011/12 ganz besonders?

Babbel: Eigentlich auf alles in der Bundesliga. Auf die Stadien, auf die Teams, die Spieler, auf das Flair. Hertha BSC ist wieder oben, wir gehören da hin. Wir werden das nächste Jahr genießen - und unser Ziel erreichen!

Die Fragen stellte Michael Reis