Im Quality Center wird jede Szene genau unter die Lupe genommen, damit alle Informationen zu entscheidenden Szenen stimmen
Im Quality Center wird jede Szene genau unter die Lupe genommen, damit alle Informationen zu entscheidenden Szenen stimmen
Bundesliga

Tracking: Ein Blick hinter die Kulissen der Datenerhebung

Köln - Keiner läuft so viel wie Vladimir Darida. Der Freiburger Mittelfeldspieler spult pro Spiel im Durschnitt 13 Kilometer ab - mehr als jeder andere Bundesliga-Profi in der laufenden Saison. Aber wie wird dieser Wert eigentlich ermittelt? Ein Blick hinter die Kulissen.

Jede Bewegung wird dokumentiert

Wir befinden uns im sechsten Stock eines Kölner Hochhauses. Hier bei Alexander Schneider und seinem Team von der DFL Digital Sports laufen an jedem Spieltag Millionen von Rohdaten aus den Bundesliga-Stadien ein, die in der sogenannten Data Library, der Offiziellen Bundesliga Datenbank, gebündelt - und schließlich im Auftrag der DFL Medien wie Sky oder bundesliga.de, aber auch den Vereinen selbst zur Verfügung gestellt werden.

Internationale Einheitlichkeit als Ziel?

In Köln werden die Daten am Spieltag dann aber noch einmal im "Quality Center" von Mitarbeitern der DFL Digital Sports überwacht und einer Art TÜV-Siegel unterzogen. Erst danach werden sie zum Beispiel in Form der Matrix (siehe Bild unten), die auf bundesliga.de zu jedem Spiel zu finden ist, veröffentlicht. Die Trackingdaten müssen auf Grund der Menge (mehr als 3 Millionen Positionspunkte) durch automatische Prüfroutinen verifiziert  werden. Die Bundesliga ist übrigens weltweit die einzige Liga, bei der es einen offiziellen Definitionskatalog für Spieldaten gibt. Dort ist haargenau beschrieben, was eine Ballbesitzphase ist, wie ein Pass definiert wird oder wo ein intensiver Lauf aufhört und ein Sprint anfängt.

In anderen Ligen werden zwar auch Daten erhoben, sie werden aber von verschiedenen Datenanbietern übernommen und somit nicht in einen einheitlichen Standard gebracht. "Deshalb lassen sich die Leistungsdaten der Spieler auch nicht 1 zu 1 international vergleichen", sagt Schneider. Die Anzahl der Pässe eines Spielers könnte sich zum Beispiel unterscheiden, weil in dem einen Fall ein Freistoß als Pass gewertet wird und in dem anderen Fall eben nicht. Eine internationale Einheitlichkeit nach dem Vorbild  des Bundesliga-Definitionskatalogs könnte der nächste Schritt in die Zukunft sein. "So wäre es auch möglich, die Daten eines Spielers in der Bundesliga mit denen seines Champions-League-Auftritts zu vergleichen", so Schneider.

Dass das Fußball-Spiel im Profi-Bereich in den letzten Jahren schneller und intensiver geworden ist, scheint jedem Betrachter klar. Es wird aber noch einige Zeit dauern, bis man wegweisende Veränderungen des Sports auch aus den Trackingdaten ablesen kann. Vor 20 Jahren, so sagt eine Studie, soll ein Bundesliga-Profi etwa achteinhalb Kilometer im Schnitt zurückgelegt haben. Heute laufen Spieler mit Spitzenwerten wie Vladimir Darida oder Mönchengladbachs Christoph Kramer über die Hälfte mehr.

"Die Trainer", sagt Alexander Schneider, "interessieren sich aber sowieso viel mehr für die Sprintwerte als für die zurückgelegten Kilometer." Die beste Laufleistung ist am Ende nämlich wertlos, wenn das entscheidende Duell verloren wird.

Karol Herrmann