Erst zehn Minuten Party, dann sieben Tage volle Konzentration: Schon kurz nach der 6:1 (4:0)-Gala gegen Borussia Mönchengladbach und dem ausgelassenen Jubel mit den Fans hatte man bei Hannover 96 den höchsten Bundesliga-Sieg seit 45 Jahren abgehakt.

Freude über drei ganz wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt: Ja! Überschwang vor dem großen "Abstiegsfinale" am kommenden Samstag beim Mitkonkurrenten VfL Bochum: Fehlanzeige! "Erleichterung spüre ich nicht", sagte 96-Sportdirektor Jörg Schmadtke: "In Bochum wird es ein heißer Tanz."

"Es geht immer noch um alles"

Immerhin kletterten die Niedersachsen durch das Schützenfest gegen desolate Gladbacher erstmals seit Rückrundenbeginn auf einen Nichtabstiegsplatz und können nun sogar noch aus eigener Kraft den Relegationsspielen aus dem Weg gehen. "Unsere Ausgangsposition ist jetzt natürlich deutlich besser. Aber wir müssen uns sofort wieder auf den Punkt konzentrieren, damit wir in Bochum genauso stabil auftreten", forderte 96-Trainer Mirko Slomka, und Schmadtke fügte hinzu: "Noch sind wir nicht durch. Es geht immer noch um alles."

Die Profis, die vor ihrem Triumph nacheinander 0:7 bei Bayern München und 0:3 bei Bayer Leverkusen verloren hatten, scheinen auf der Zielgerade der Saison den Ernst der Lage erkannt zu haben. Von der ersten Sekunde an wurde die Borussia unter Druck gesetzt und nach der Führung von Karim Haggui (16.), der bei Hannovers 3: 5-Niederlage im Hinspiel noch zweimal ins eigene Netz getroffen hatte, regelrecht überrollt. Fast nach Belieben durften sich die 96-Spieler in die Torschützenliste eintragen.

"Besser spät als nie"

So nahmen auch Sergio Pinto (23.), Didier Ya Konan (27.), Mike Hanke (38.), Sofian Chahed (53.) und Arnold Bruggink (74.) die Einladungen dankend an. Für Gladbach traf einzig Patrick Herrmann zum zwischenzeitlichen 1:5 (69.). "Das war unser stärkstes Spiel der Saison - besser jetzt als nie. Noch ist es ja nicht zu spät", meinte Haggui.

Hanke ergänzte: "Wir haben gezeigt, dass wir mit aller Macht in der 1. Liga bleiben wollen. Auch auf den anderen Plätzen ist es gut für uns gelaufen. Wenn wir aber in Bochum verlieren, bringt das alles nichts."

Hannoveraner halten den Ball flach

Einen psychologischen Vorteil gegenüber dem VfL, der 1:3 bei den Bayern unterlag und nun zwei Punkte Rückstand auf Hannover hat, wollte Schmadtke allerdings nicht ausmachen: "Das wird keine Rolle spielen. Wir müssen zeigen, dass wir von der ersten Sekunde an bereit sind." Bruggink: "Wir haben noch gar nichts erreicht. Zumal am kommenden Wochenende eine andere Mannschaft als Gladbach auf dem Platz stehen wird."

Die in der Tabelle im Niemandsland rangierenden Rheinländer erwiesen sich für Hannover als dankbarer Gegner und bäumten sich kaum gegen das drohende Debakel auf. Trainer Michael Frontzeck wollte von einer vermeintlichen Wettbewerbsverzerrung zu Ungunsten der Bochumer oder des 1. FC Nürnberg jedoch nichts wissen. "So etwas zu behaupten, wäre ein Witz", sagte der Coach: "Wir sind halt noch nicht so weit wie viele denken. Die Niederlage ist auch in dieser Höhe verdient."

Die meisten der Zuschauer in Hannovers WM-Arena dürften dies ähnlich gesehen haben. Bis zu 10.000 Fans der Niedersachsen wollen nun auch mit nach Bochum fahren. "Natürlich möchten wir unseren Anhängern auch etwas zurückgeben", sagte Hanke.