Köln - Der 1. FSV Mainz 05 ist in Köln beim 2:4 ziemlich unter die Räder gekommen. Es war bereits die dritte Niederlage im fünften Rückrundenspiel und vielleicht das schlechtestes Spiel der Elf von Trainer Thomas Tuchel in dieser Saison.

Im Gespräch mit bundesliga.de benennt der Mainzer Keeper Heinz Müller die Probleme, blickt aber dennoch optimistisch in die Zukunft.

bundesliga.de: Herr Müller, Mainz 05 hat beim 1. FC Köln mit 2:4 verloren. Sie haben richtig viel zu tun bekommen. Was ist da schief gelaufen?

Müller: Ich war wirklich gut beschäftigt. Besonders in der zweiten Halbzeit. Die Kölner hatten viele Torchancen und hätten auch 5:2 oder 6:2 gewinnen können. In der ersten Halbzeit haben wir noch ganz anständig gespielt. Wir sind gut ins Spiel gekommen und dann jeweils durch zwei Standardsituationen in Rückstand geraten. Das hat den Spielverlauf ein bisschen auf den Kopf gestellt. Wir waren zwar nicht die ganz klar bessere Mannschaft, aber wir hatten nach dem Ausgleich Oberwasser, haben gut kombiniert und gespielt. Trotzdem sind wir mit 1:2 in die Pause gegangen. In der Pause haben wir uns viel vorgenommen, wir wollten den Ausgleich schaffen. Dann haben wir ein saudummes Gegentor zum 1:3 bekommen. Danach war es schwer.

bundesliga.de: Hat sich die Mainzer Elf zu sehr auf ihre fußballerischen und spielerischen Fertigkeiten konzentriert und zu wenig auf den Kampf gesetzt?

Müller: Das ist ja unsere Stärke. Wir hatten in der ersten Hälfte gute Ballstafetten, haben das Tor gemacht. Bis auf die Standardsituationen hatten die Kölner nicht viele Chancen. Aber wir müssen über die Standardsituationen reden. Wir müssen das Spiel insgesamt aufarbeiten, denn die zweite Halbzeit darf uns so nicht passieren.

bundesliga.de: Die Mainzer Punkteausbeute ist in der Rückrunde nicht sehr befriedigend, vier Punkte aus fünf Spielen stehen lediglich zu Buche. Die Leistung stimmte, der Ertrag nicht. In Köln stimmte beides nicht. Wo liegen die Probleme?

Müller: Wir belohnen uns momentan nicht für den Aufwand, den wir betreiben. In den ersten vier Spielen haben wir die Gegner dominiert. Wir haben gegen Wolfsburg unglücklich in den letzten Minuten verloren. Dann versäumen wir es zuhause gegen Bremen das zweite und dritte Tor zu machen und bekommen ein spätes Gegentor zum 1:1. Im Moment steckt der Wurm drin. Wir müssen jetzt alle zusammen mit viel Fleiß versuchen, das Glück wieder auf unsere Seite zu ziehen. Wir müssen den Kopf frei bekommen für die schwere Aufgabe am Samstag gegen die Bayern.

bundesliga.de: Sie sprechen es an, der nächster Gegner heißt Bayern München. Gegen den Rekordmeister hat Mainz beim 2:1-Hinspielerfolg vielleicht sein bestes Saisonspiel gemacht. Wie stehen die Chancen diesmal?

Müller: Es ist immer schwer, gegen die Bayern zu spielen. Über die Qualität der Mannschaft brauchen wir nicht zu diskutieren. Wir müssen 100 Prozent abrufen und vom Kopf her da sein. Wir müssen handlungsschnell sein und die richtigen Entscheidungen treffen. Dann haben wir auch eine Chance, zuhause gegen die Bayern zu bestehen.

bundesliga.de: Wie beurteilen Sie Ihre persönliche Entwicklung, seit Sie zum Jahreswechsel nach Ihrer Verletzung wieder als Mainzer Nummer 1 ins Tor zurückkehrten?

Müller: Bis auf einen Fehler gegen Wolfsburg war meine Leistung meiner Meinung nach okay.

bundesliga.de: Zwei Drittel der Saison sind gespielt, Mainz steht immer noch auf einem Europa-League-Platz. Auch die Champions League-Qualifikation ist noch in Reichweite. Was ist noch möglich in der Rückrunde?

Müller: Wir haben uns nicht in der Winterpause vorgenommen, dass wir die Champions League-Plätze erreichen wollen. Da hätten uns alle ausgelacht, auch wenn das immer noch drin ist. Wir gucken einfach von Spiel zu Spiel. Wenn wir uns in den letzten Spielen dann tatsächlich unter den Top 5 festsetzen können, wollen wir das mitnehmen. Es wäre aber nicht schlau, wenn Mainz 05 das Ziel herausgibt: Wir wollen in die Champions League oder in die Qualifikation.

bundesliga.de: Mainz mischt zwar noch im oberen Drittel der Tabelle mit, hat aber auch neun der letzten 15 Spiele verloren. Das ist ein relativ hoher Prozentsatz.

Müller: Vielleicht gewinnen wir ja dafür die letzten sieben Spiele. Wenn man sich unsere Jungs anschaut und sich mit dem Fußball von Mainz 05 befasst, sieht man, dass das alles kein Zufallsprodukt ist. Mit dieser Mannschaft ist alles möglich. Warum sollen wir nicht auch in der Rückrunde eine Serie starten?

Das Gespräch führte Tobias Gonscherowski