
Harry Kane schreibt englische WM-Geschichte
Ein Auftakt nach Maß für das Mutterland des Fußballs: Die "Three Lions" bezwingen in einem packenden Spiel Kroatien mit 4:2. Matchwinner Englands: Kapitän Harry Kane, der mit seinem Doppelpack zwei WM-Bestwerte für sein Land egalisiert.
Zum einen ist Harry Kane seit Mittwochabend erst der zweite Engländer, der bei drei WM-Turnieren treffen konnte: Dies gelang zuvor nur David Beckham (1998, 2002 und 2006). Und: Nach seinem Doppelpack gegen die Kroaten kommt der Ausnahme-Angreifer des FC Bayern München nun auf zehn WM-Treffer – damit zog er mit Englands Sturmlegende Gary Lineker gleich, der bis zum Mittwoch der alleinige englische WM-Rekordtorschütze gewesen ist.
"Kompliment an unseren Trainer. Er hat uns mit seiner Halbzeitansprache Mut gemacht. Man hat gesehen, wie wir dann aus der Kabine gekommen sind: mit Vollgas", stellte Kane nach der Partie heraus, dass für ihn Coach Thomas Tuchel der Matchwinner war – und nicht er, der Doppelpacker.

Kane bringt Lineker zum Strahlen
"Kroatien konnte mit unserer Tempoerhöhung nicht umgehen", stellte Kane fest und meinte, dass sein Team in Zukunft weiter das Niveau der zweiten Hälfte bieten muss: "Das ist das Level. Großes Lob an alle. Es war das erste Spiel des Turniers, es ist ein großartiges Ergebnis gegen einen richtig starken Gegner."
Kane, dem das 1:0 per Elfmeter – im zweiten Versuch – gelang, und das 2:1 per wuchtigem Kopfball besorgte, bereitete Englands bisherigen WM-Rekordtorschützen große Freude: Lineker verfolgte das Duell im roten Auswärtsdress auf einer Leinwand und hob beide Hände mit zehn abgespreizten Fingern feiernd in die Höhe. "Ten, ten!", rief der einstige Angreifer des FC Liverpool freudestrahlend, als der WM-Torschützenkönig von 2018 diesen englischen Meilenstein erreichte.
Tuchel adelt Kane
Doch nicht nur die beiden Treffer des 32-Jährigen beeindruckten Nationalcoach Tuchel, der nach dem Sieg gegen Kroatien zu einer Lobeshymne ausholte: "Wenn man die Bereitschaft unserer Nummer 9, unseres Kapitäns sieht, einen Ball in der 90. Minute mit dem Körper zu blocken, dann sagt das alles über seine Leistung. Er ist ein absoluter Leader, körperlich voll dabei. Harry ist in einer exzellenten Verfassung."
Vor drei Jahren, als Tuchel in München als Trainer das Sagen hatte, wechselte Kane an die Isar. Unter dem bayerischen Schwaben und dessen Nachfolger Vincent Kompany entwickelte sich der Neuner immer mehr zu einem Spielmacher, der nicht nur vorne auf seine Abschlüsse wartet, sondern vom Mittelfeld aus das Spiel seiner Teams ankurbelt und gestaltet.
Seit Tuchel die "Three Lions" als Coach betreut, darf Kane diese Rolle nun auch mehr und mehr in England ausfüllen. Diese Freiheiten, nicht nur die Spitze besetzen zu müssen, ließen den Knipser in den vergangenen Jahren aufblühen: "Das ist das höchste Level, das ich in meiner Karriere je hatte", sagte Kane vor wenigen Tagen – und hat damit vollkommen recht.

Der 61-Tore-Mann macht seine Mitspieler besser
In 51 Pflichtspielen für die Bayern netzte der Engländer 61 Mal ein. Mit 36 Treffern sicherte sich Kane zudem zum dritten Mal in Folge die Torjägerkanone der Bundesliga. Und mit seiner gestalterischen Spielweise macht er auch seine Mitspieler um ihn herum besser.
"Es wird Spiele wie heute geben, in denen ich mich fallen lasse, das Mittelfeld überlade, das Pressing starte. Und dem Team auf jede mögliche Art und Weise helfe. Ich weiß und ihr wisst: Meine Stärke ist nicht nur das Toreschießen. Ich muss passen, laufen. Am Ende versuchen wir, bestmöglich für das Team zu spielen. Das hat heute ziemlich gut funktioniert", sagte der Matchwinner nach dem 4:2.
Macht Kane so weiter, können die "Three Lions" weiter drauf hoffen, dass der WM-Pokal endlich mal wieder nach Hause, ins Mutterland des Fußballs kommt. 1966, also vor 60 Jahren, gewann England zum ersten und einzigen Mal den Titel im eigenen Land. Ob die Engländer seitdem beziehungsweise je einen so kompletten Spieler wie Kane 2026 im Team hatten, darf jedoch angezweifelt werden.
