Mönchengladbach - Nur noch ein Spiel ungeschlagen bleiben, dann hat die "Fohlenelf 2014" den am Sonntag beim 3:1-Sieg gegen Hoffenheim bereits eingestellten Uralt-Rekord für sich alleine. Die Bestmarke von 17 Pflichtspielen in Folge ohne Niederlage aus der Saison 1970/71 könnte am Donnerstag im Europa-League-Spiel bei Apollon Limassol (ab 18:45 Uhr im Live-Ticker) fallen.

"Es wird der Tag kommen, an dem wir wieder ein Spiel verlieren werden", hatte Manager Max Eberl bereits vor der Partie gegen den FC Bayern am 9. Spieltag gesagt. Doch auch gegen das Star-Ensemble von der Isar behielt die Elf vom Niederrhein beim 0:0 ihre weiße Weste und hatte den großen Favoriten sogar am Rande einer Niederlage. Auch in der Folgezeit kam der ominöse Tag bislang nicht. Weder im DFB-Pokal in Frankfurt (2:1) noch in der Liga gegen den bis dato ungeschlagenen Tabellennachbarn aus Hoffenheim.

Verkehrte Fußball-Welt in Mönchengladbach?

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Die fast schon unheimliche Serie soll nun in der Europa League ihre Fortsetzung finden, bevor es am Sonntag zum Showdown beim BVB kommt. Ein Spiel, das vor nur vier Jahren (Ende November 2010) unter komplett umgekehrten Vorzeichen stattgefunden hatte. Damals fertigte Tabellenführer Borussia Dortmund das Schlusslicht aus Mönchengladbach mit 4:1 ab. Diesmal trifft Gladbach mit 13 Punkten Vorsprung als Tabellendritter auf den Vorletzten. Verkehrte Fußball-Welt? Zumindest nicht für Mönchengladbach, das nach dem knappen Klassenerhalt im Jahr 2011 eine rasante Entwicklung genommen hat und sich inzwischen auf hohem Niveau stabilisiert hat. Ein gutes Händchen der Verantwortlichen um Manager Eberl, welche die  Reus-, Dante- oder ter-Stegen-Millionen klug in neue, entwicklungsfähige Spieler investiert haben, ein außergewöhnlicher Trainer und aktuell eine Mannschaft, die sich trotz diverser personeller Veränderungen in kürzester Zeit eingespielt hat, bilden hierfür die Erfolgsformel. 

"Momentan läuft es wirklich perfekt. So darf es natürlich weitergehen", hatte Patrick Herrmann nach dem Erfolg gegen Hoffenheim gesagt. Gemeinsam mit Andre Hahn bildet er momentan eine der gefährlichsten Flügelzangen der Liga. Beide haben jeweils drei Tore und zwei Assists auf dem Konto. Gegen die Kraichgauer legte zunächst Herrmann seinem Kollegen das 1:0 auf, Hahn revanchierte sich mit einer Vorlage zum 2:1. Auch Christoph Kramer, seit dem WM-Triumph förmlich aufgeblüht, bringt aktuell eine enorme Präsenz auf den Platz. Insgesamt geht es bei den Fohlen trotz des breiteren Kaders sehr harmonisch zu - die gesunde Konkurrenz um die Stammplätze wirkt sich positiv aus. Eine Stärke der Borussia: praktisch jeder Spieler (wie Ibrahima Traore, Branimir Hrgota, Thorgan Hazard), der in die Startelf rutscht oder von der Bank kommt, bringt sich voll ein, ohne Qualitätsverlust. Auf Zypern wird Favre aller Wahrscheinlichkeit wieder rotieren und Max Kruse, Martin Stranzl und Patrick Herrmann eine Pause gönnen.

Breiter und fitter Kader zur Verfügung

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Viele Spieler können zudem mehrere Positionen bekleiden, was die Variabilität erhöht. Hinzu kommt, dass Gladbach im Gegensatz zu anderen Teams relativ wenig Verletzungssorgen hat. Viele Rädchen greifen derzeit also perfekt ineinander, wie bei einem Schweizer Uhrwerk. Die Spieler setzen genau das um, was Perfektionist Favre fordert. Technisch hochwertiger Ballbesitzfußball und schnelles Umschalten aus einer kompakten Defensive.

Mit der Qualität des Spiels steigen natürlich auch die Ansprüche rund um den Borussia Park. "Wir haben immer gesagt, wenn einer der Großen in der Liga schwächelt, wollen wir da sein. Wir stehen derzeit zu Recht da oben und genießen es. Aber es ist noch ein langer Weg, den wir zu gehen haben", versucht Manager Eberl die Wogen ein wenig zu glätten.

Klar ist, wenn demnächst der Tag kommen sollte, an dem Gladbach mal wieder ein Spiel verliert, wird man dies durchaus verschmerzen können. "Es ist wohl unmöglich, eine ganze Saison unbesiegt zu bleiben. Aber wir denken positiv. Wir müssen es einfach weiter so machen wie jetzt." Dann geht laut Alvaro Dominguez der Ritt auf der Erfolgswelle noch lange weiter. Doch zumindest den Rekord wollen sie sich unbedingt noch holen.

Aus Mönchengladbach berichtet Markus Hoffmann