Bremen - Lange Zeit hielt Werder Bremen am Samstag dem Anrennen des FC Bayern stand. Erst in der 81. Minute überwand der Rekordmeister die kompakt stehende Hintermannschaft der Hausherren und stellte zwei Minuten später mit einem mutergültigen Konter den 2:0-Endstand her. Die "Grün-Weißen" konnten sich danach über die Glückwünsche für den tollen Auftritt so gar nicht freuen.

"Uns hat ein wenig der Mut gefehlt, um in Führung zu gehen. Wir hatten zwar zwei, drei Chancen, aber die müssen wir mit mehr Willen, Nachdruck und Entschlossenheit ausspielen. Daran sind wir gescheitert", analysierte Mittelfeldrenner Zlatko Junuzovic gegenüber bundesliga.de.

Junuzovic' österreichischer Nationalmannschaftskollege Sebastian Prödl war dessen Gefühlslage nach dem im Gesicht anzusehen. "Ich hatte das Gefühl, dass wir diejenigen waren, die sich einen Punkt verdient gehabt hätten und mit Glück etwas mehr. Der allgemeine Zustand: Keine Belohnung, große Enttäuschung", so Prödl nach dem Schlusspfiff.

"Sieben Punkte sind zu wenig"



Die Bremer liegen nach sechs Spieltagen auf Rang acht zwar immer noch auf Schlagdistanz zu den Plätzen fürs europäische Geschäft, näher dran ist aber der Relegationsplatz 16 - da hat Wolfsburg mit fünf Punkten nur zwei Zähler weniger als der Rivale aus dem Norden auf dem Konto.

"Die sieben Punkte sind zu wenig. Das hätten aufgrund unserer Leistung schon zwei, drei Zähler mehr sein können", ärgerte sich Junuzovic vor allem über den vergebenen Sieg gegen Stuttgart am 4. Spieltag nach einer Zwei-Tore-Führung.

Sportdirektor Klaus Allofs fand für die Situation an der Weser wie immer deutliche, aber auch konstruktive Worte: "Wir haben ein junges Team, das sich noch weiterentwickeln muss. Wir müssen weiter lernen. Damit müssen wir jetzt anfangen. Wir müssen uns zügig und schrittweise verbessern. Wir haben diesen Druck, machen uns diesen auch selbst. Insgesamt dürfen wir aber nicht die Geduld verlieren."

Sieg gegen Schlusslicht eingeplant



Schon am Freitag geht es für Werder in die nächste Runde, wenn die Bremer beim FC Augsburg zu Gast sind. Alles andere als ein Erfolg gegen das Tabellenschlusslicht wäre zumindest für die Hanseaten eine weitere herbe Enttäuschung.

Dementsprechend selbstbewusst treten die Spieler und Verantwortlichen des SVW vor der Reise nach Schwaben auch auf. "Augsburg wird sicherlich ein ähnliches Spiel wie in Freiburg. Die Hausherren werden alles versuchen, um vor heimischem Publikum die drei Punkte einzufahren. Aber da müssen wir dann dagegenhalten und unbedingt gewinnen, um den Anschluss nach oben nicht zu verlieren", so Junuzovic.

Trainer Thomas Schaaf warnte aber vor einem Selbstläufer. "Es ist ein Irrglaube, die Bundesligavereine in Kataloge einzuteilen. Alle 18 Teams sind gut, wir müssen in Augsburg topp drauf sein, um dort etwas zu holen."

Aus Bremen berichtet Michael Reis