Freiburg - Christian Streichs Verbundenheit zum SC Freiburg ist hörbar. Dabei ist es nicht nur der markante badische Dialekt, der den 46-Jährigen bei seiner ersten Einheit als Cheftrainer des Bundesliga-Schlusslichts verriet.

Auch das Understatement und die Bescheidenheit, die der Club über Jahre vorgelebt hat, klingen in Streichs Worten durch, wenn er über seinen Posten spricht. Streich scheint die Philosophie der Breisgauer verinnerlicht zu haben - und passt dennoch nicht so recht ins beschauliche Bild.

"Emotionalität gehört dazu"

"Ich bin ein anderer Typ. Ich versuche, gewisse Dinge so zu machen, wie sie mir entsprechen", sagt Streich, der im Gegensatz zu Vorgänger Marcus Sorg als Heißsporn gilt. Zuletzt hatte Streich als Co-Trainer unter Sorg im Heimspiel gegen Hertha BSC im November sein Temperament nicht unter Kontrolle gehabt und wurde von Schiedsrichter Markus Wingenbach auf die Tribüne geschickt, später zudem zu einer Geldstrafe in Höhe von 1.000 Euro verdonnert.

"Ich bin manchmal emotional. Wir müssen schauen, dass wir das gut hinkriegen. Aber das gehört auch dazu", so Streich, der weitere lebhafte Auftritte an der Seitenlinie nicht ausschließt: "Manchmal ist es ja so, dass die vierten Offiziellen einem schon sehr eng auf die Pelle rücken. Emotionen gehören dazu. Ich kriege das geregelt. Meistens."

Erfolg im Nachwuchsbereich

Mit seiner betriebsamen Art, einem straffen Führungsstil und deutlichen Ansprachen hatte der Hoffnungsträger der Freiburger bislang Erfolg. Unter seiner Regie holte der Club 2008 die deutsche A-Jugendmeisterschaft und gewann drei Mal den DFB-Junioren-Vereinspokal (2006, 2009, 2011). Als der SCF den jüngsten Erfolg einfuhr, widmeten seine Spieler ihm den Triumph: "Drei mit einem Streich", hieß es auf dem Sieger-T-Shirt.

Ohnehin hat der gelernte Industriekaufmann und studierte Deutsch-, Sport- und Geschichtslehrer ein Händchen für den Nachwuchs. Unter dem zweifachen Vater blühte die seit 1995 von ihm betreute Freiburger Fußball-Schule auf und brachte unter anderem die Bundesliga-Profis Dennis Aogo (Hamburger SV), Sascha Riether (1. FC Köln) und Ömer Toprak (Bayer Leverkusen) hervor. Sein Erfolgsrezept? Seine Emotionalität. "Man muss sie zeigen, damit die Spieler wissen, dass man lebt."

Schon als Spieler beim Sport-Club

Seine eigene Profi-Karriere hatte Streich nach einem Mittelfußbruch im Jahr 1995 beenden müssen. Neben dem Lokalrivalen Freiburger FC hatte der gebürtige Weiler für die Stuttgarter Kickers, den FC Homburg und den SC Freiburg die Schuhe geschnürt. Für den Sport-Club kam der frühere Mittelfeldspieler in der Saison 1987/1988 zu 22 Zweitliga-Einsätzen und zwei Toren.

"Ich bin lange im Verein und mit ihm verwoben", sagt Streich, der seit Amtsantritt von Robin Dutt 2007 zum Trainerstab des Freiburger Profiteams gehört. "Dass ich einmal Cheftrainer werden würde, daran habe ich nie gedacht", erklärt er und lässt bei aller Emotionalität doch wieder die Freiburger Tugenden zum Vorschein kommen: Understatement und Bescheidenheit.