Lucas Hernandez (mitte links) und Benjamin Pavard (mitte rechts) sind ab kommender Saison die Franzosen Nummer acht und neun beim FC Bayern - © DFL Deutsche Fußball Liga
Lucas Hernandez (mitte links) und Benjamin Pavard (mitte rechts) sind ab kommender Saison die Franzosen Nummer acht und neun beim FC Bayern - © DFL Deutsche Fußball Liga
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Franzosen beim FC Bayern München: Eine Erfolgsgeschichte

München - Mit der Verpflichtung von Lucas Hernandez von Atletico Madrid setzt der FC Bayern München eine bewährte Tradition fort: Wieder einmal wechselt ein Franzose an die Säbener Straße. Der Nationalspieler wird als neunter Akteur aus der République francaise für den Rekordmeister zum Einsatz kommen, nachdem bereits einige Wochen zuvor die Verpflichtung von Benjamin Pavard vom VfB Stuttgart zur neuen Saison bekannt gegeben wurde. München und Frankreich bedeuten retrospektiv überwiegend eins: Erfolg.

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Wir schreiben den 30. August 1995: Auf der rechten Seite spielt Markus Babbel im Bundesliga-Spiel der Bayern im Olympiastadion gegen den KFC Uerdingen 05 einen Doppelpass, flankt dann Richtung Elfmeterpunkt. Halblinks kommt Jean-Pierre Papin, der erste Franzose in Diensten der Münchner, zum Abschluss - mit dem rechten Fuß, per Seitfallzieher. Das Rund kracht, mit etwas Effet, zentral oben ins Netz; Bernd Dreher im Kasten der Uerdinger ist chancenlos. Zugegeben, Papin und der FCB haben sich zwischen 1994 und 1996 beide mehr von dem Transfer erhofft als am Ende heraussprang. Immerhin aber schoss der Stürmer am 3. Spieltag der Saison 1995/96 das Tor des Jahres. Der Begriff "Papinade" bezeichnet im Französischen auch heute noch einen Seitfallzieher wie diesen - einen spektakulären Abschluss im Stile Jean-Pierre Papins.

Lizarazu und Sagnol prägen eine Ära

Ein Jahr nach Papins Abgang schloss sich Bixente Lizarazu den Süddeutschen an. Mit 27 Jahren, schon einigen Einsätzen für die Équipe Tricolore und den Stationen Girondins Bordeaux, wo er unter anderem mit Zinédine Zidane spielte, sowie Athletic Bilbao wies der Linksverteidiger bereits einige Erfahrung auf. Damals war kaum absehbar, welche weitere in Rot und Weiß dazukommen sollten. Im Finale des UEFA-Pokals 1996 zog Lizarazu mit Girondins gegen den FC Bayern und Papin noch den Kürzeren. Wichtige Titel jedoch sollte der kämpferische Defensivmann im Dress der Münchner sammeln: Zwischen 1997 und 2006 gewann Lizarazu sechsmal den Bundesliga-Titel, einmal die Champions League, fünfmal den DFB-Pokal, zweimal den Weltpokal und viermal den Ligapokal. Mit Frankreich holte "Liza" auch noch den Sieg bei der Weltmeisterschaft 1998 im eigenen Land und zwei Jahre später bei der Europameisterschaft in Belgien und den Niederlanden.

Bixente Lizarazu und Willy Sagnol prägten eine Ära beim FC Bayern - imago/Sammy Minkoff

2000 ergänzte Willy Sagnol die Münchner Flügelzange in der Defensive auf der rechten Seite. Und er sollte sich wie auch Lizarazu als Glücksgriff erweisen: Sagnol blieb bis zu seinem Karriereende 2009 beim FCB, feierte fünf Deutsche Meisterschaften, einen Triumph in der Champions League, vier im DFB-Pokal, einen im Weltpokal und einen im Ligapokal. 277 Partien absolvierte der zeitweise Kapitän für Bayern insgesamt und damit sogar vier mehr als sein Landsmann auf dem linken Abwehrflügel.

Keiner gewann mehr Meisterschaften als Ribery

Zur Saison 2005/06 kam in Valérien Ismael ein weiterer Franzose an die Isar. Mit Lizarazu, Sagnol und dem Neuzugang, der mit dem SV Werder Bremen zwei Spielzeiten zuvor Bundesliga und DFB-Pokal gewann, standen zeitgleich drei Landsmänner auf dem Platz. Und das funktionierte bestens: Am Ende sprang für Ismael erneut das Double heraus. Bis Januar 2008 blieb der Straßburger schließlich bei den Bayern, absolvierte alles in allem wegen viel Verletzungspech aber nur 46 Pflichtspiele.

Den wahrscheinlich größten Fußabdruck aller Franzosen hinterließ aber Franck Ribery. Der technische feine Linksaußen, der auch im betagten Fußballeralter von 35 noch unheimlich schwer vom Ball zu trennen ist, hatte mit der Nationalmannschaft zwar nicht den großen Erfolg seiner Landsmänner Lizarazu und Sagnol, dafür feierte er aber mit dem FC Bayern Titel wie kein Zweiter. In seiner nunmehr zwölften Spielzeit gewann er fünf Mal den DFB-Pokal, wurde Champions-League-Sieger und konnte ganze acht Mal die Meisterschale in der Bundesliga in den Himmel strecken. Das gelang keinem Spieler öfter. Sollte Bayern auch 2018/19 die Bundesliga gewinnen, wäre Ribery gar der erste Spieler in der Historie mit neun Deutschen Meisterschaften. Chapeau! Oder wie es Karl-Heinz Rummenigge nach dem 100. Pflichtspieltor von Ribery für den FCB sagte: "Ich ziehe meinen Hut und sage Champs-Élysées!"

"Ich ziehe meinen Hut und sage Champs-Élysées!"

Ribery folgte im Jahr 2015 schließlich Kingsley Coman, der zunächst von Juventus Turin ausgeliehen wurde, um später fest verpflichtet zu werden. Coman gilt bereits als Riberys langfristiger Nachfolger aus den eigenen Reihen, teilt er sich die Position auf Linksaußen doch schon regelmäßig mit dem zwölf Jahre älteren Ribery und wurde trotz vieler Verletzungen in den letzten Jahren behutsam an die große Aufgabe herangeführt. In seinen ersten vier Spielzeiten agierte Coman zwar noch nicht allzu torgefährlich, sein Antritt und seine Dynamik suchen aber ihresgleichen in der Bundesliga.

Und schließlich gibt es dann ja noch Corentin Tolisso, den im Sommer 2017, als er von Olympique Lyon an die Säbener Straße kam, nur die wenigsten Experten hierzulande kannten. Der defensive Mittelfeldspieler, der mit sechs Toren in seiner Premierensaison aber auch gleich mal zeigte, dass er unheimlich torgefährlich ist, sollte schon im Sommer 2018 Weltmeister sein.

Drei Weltmeister als Achse für 2019/20

Übrigens gemeinsam mit Benjamin Pavard und Lucas Hernandez, die zur Saison 2019/20 als Franzosen Nummer acht und neun im Dress der Bayern dazukommen. Pavard und Hernandez bildeten beim amtierenden Weltmeister von 2018 das Außenverteidigerpärchen. Beide sind aber sehr flexibel einsetzbar und können genauso gut als Innenverteidiger agieren.

Der FC Bayern wird in der kommenden Saison also gespickt sein mit einem Weltmeister-Trio plus Kingsley Coman, der bei der WM verletzungsbedingt fehlte. Diese Achse könnte eine weitere höchst erfolgreiche Dekade der Bayern einläuten. Ganz in der Tradition ihrer erfolgreichen Ländsmänner in der Vergangenheit.