
Irvine geht voran: St. Pauli lebt wieder!
Der 2:1-Heimsieg gegen den formstarken VfB Stuttgart könnte sich für den FC St. Pauli als richtungsweisend erweisen. Sportlich wie mental haben die "Kiezkicker" gezeigt, dass sie im Abstiegskampf weiterhin ein ernstzunehmender Faktor sind.
Der FC St. Pauli hat im Abstiegskampf ein wichtiges Ausrufezeichen gesetzt und den VfB Stuttgart mit 2:1 besiegt. Nach einer starken ersten Halbzeit gingen die "Kiezkicker" verdient in Führung, legten nach der Pause per Elfmeter nach und brachten den knappen Vorsprung trotz späten Anschlusstreffers über die Zeit. Gegen einen in der Bundesliga 2026 bislang ungeschlagenen Gegner war es ein Sieg der Effizienz, der Disziplin – und der Mentalität.
Es war mehr als nur ein Erfolg gegen ein Topteam. Der Heimsieg stand sinnbildlich für etwas, das St. Pauli zuletzt gefehlt hatte: Glaube, Widerstandsfähigkeit und Führung auf dem Platz. Cheftrainer Alexander Blessin sprach nach Abpfiff von einer "top Performance" und davon, dass sich seine Mannschaft "endlich für ein gutes Spiel belohnt" habe.

Irvine statt 45 am Ende 96 Minuten
Besonders hob Blessin einen Spieler hervor, der diesen Abend verkörperte wie kein anderer: Kapitän Jackson Irvine. Eigentlich war für ihn nur eine Halbzeit vorgesehen. Nach Verletzungssorgen und einer schwierigen Trainingswoche wollten die Verantwortlichen kein Risiko eingehen. Doch aus geplanten 45 Minuten wurden erst 60 – und am Ende 96.
"Er hat es durchgezogen, unter großen Schmerzen", sagte Blessin: "Das muss man einfach mal würdigen." Irvine selbst machte keinen Hehl daraus, wie sehr ihn dieses Spiel forderte. "Es war vielleicht eines der härtesten Spiele meiner Karriere", erklärte der Kapitän. Ans Aufhören dachte er dennoch nicht. "Ich würde mich niemals selbst auswechseln. Wenn ich meine Rückennummer nicht auf der Auswechseltafel sehe, werde ich auch nicht runtergehen."
Saliakas mit einer starken Leistung
Jackson Irvines Haltung übertrug sich auf die gesamte Mannschaft. St. Pauli trat mutig, aggressiv und geschlossen auf, gewann Bälle in den richtigen Räumen und überspielte das Stuttgarter Pressing immer wieder sauber. "Jeder, der heute gespielt hat, hat überzeugt", betonte Irvine – auch vor dem Hintergrund der zahlreichen Ausfälle unter der Woche.
Symbolisch für diesen Abend stand auch Manolis Saliakas, der nicht nur ein sehenswertes Tor erzielte, sondern später auch zum Man of the Match gewählt wurde. "Heute haben wir Charakter und Mentalität gezeigt. Wir sind zurück", sagte der Grieche. Der Treffer hatte für ihn zudem eine persönliche Bedeutung: Beim Jubel dachte er an seine schwangere Frau – im Juni erwartet das Paar einen Sohn.
St. Paul sendet ein klares Signal
Für Blessin war der Abend ein Beweis dafür, wozu seine Mannschaft fähig ist. "Nach den Ausfällen konnte man nicht unbedingt daran denken, dass wir heute etwas holen", sagte der Trainer. Umso größer fiel sein Lob aus: "Die Jungs haben es super gemacht, ihnen gebührt ein ganz großes Lob."
Der Sieg bringt St. Pauli nicht nur drei Punkte, sondern neue Überzeugung im Tabellenkeller. Die Mannschaft steht weiterhin unter Druck, doch der Auftritt gegen einen der formstärksten Gegner der Liga sendet ein klares Signal: Diese Mannschaft ist bereit zu leiden – und wird angeführt von einem Kapitän, der selbst dann nicht rausgeht, wenn der Körper eigentlich Stopp sagt.
