
Perfect Match: Kompany und der FC Bayern
Sein Fußball vereint das Beste aus verschiedenen taktischen Welten. Das Team spiegelt sein Arbeitsethos wider. Und der Club versprüht Einigkeit. Warum Trainer Vincent Kompany und der FC Bayern München so gut zueinanderpassen.
Text: Christoph Kneer
Wahrscheinlich wird Vincent Kompany selbst nicht mehr sagen können, ob er sich mit Absicht in Bewegung gesetzt hat oder ob ihn magische Kräfte aufs Spielfeld gelenkt haben. Jedenfalls rannte er raus auf den Rasen und ignorierte dabei den Umstand, dass er als Fußballspieler nie als exzellenter Sprinter bekannt war. Aber es gibt Momente, in denen man auf lästige Fakten keine Rücksicht nehmen sollte, und das war jetzt offenbar so ein Moment. Kompany sprintete.
Als Ersten erwischte er Dayot Upamecano, ein Zufall wahrscheinlich, aber jedenfalls ein glücklicher. Der ehemalige Weltklasse-Abwehrspieler Kompany herzte jetzt also den aktuellen Weltklasse-Abwehrspieler, aber bevor es zum Austausch von Fachvokabular kommen konnte, war Kompany schon wieder verschwunden. Weiter zog es ihn und immer weiter, ganz im Sinne des Vereins, den er da unten repräsentierte. Jetzt hatte Kompany die anderen Spieler erreicht, wie von Zauberhand formte sich ein magischer Kreis, in dessen Zentrum sich der Trainer plötzlich wiederfand.
Als Gruppe erfolgreich
Als die Beteiligten später wieder in der Realität angekommen waren, war immerhin in Erfahrung zu bringen, dass Kompany in diesem Kreis ein paar sehr banale, aber auch sehr schöne Dinge gesagt habe. Zum Beispiel dass man gerade gesehen habe, dass man Fußball nicht nur zusammen "spielen", sondern auch zusammen "kämpfen" könne. Und dass dieses gemeinsame Erlebnis die Gruppe noch enger zusammenbringen könne, als sie ohnehin schon sei.
Dass all das, was bis dahin ganz schön gewesen war in dieser Saison, auf einmal in einem noch helleren Licht leuchtete. Dass es plötzlich nicht nur schön, sondern auch wertvoll wirkte. Denn bis zu diesem Abend, bis zu diesem teils in Unterzahl errungenen 2:1-Sieg in der UEFA Champions League bei Titelverteidiger Paris St. Germain, hatte jede Vorführung des FC Bayern München unter einem gewissen Vorbehalt gestanden. Was macht ihr, wenn auch international die ganz großen Gegner kommen?

Erinnerungen an den Triple-Sieg 2020
Kompany spürte, dass dieses Schlussbild im Kreis seiner Lieben vielleicht noch mal wichtig werden könnte. Sollten die Bayern in dieser Saison noch eine größere Geschichte schreiben, könnte der Abend von Paris ein entscheidendes Kapitel bilden. Es war der Abend, an dem alle Bayern ein Gefühl dafür bekamen, was – vielleicht, unter Umständen, eventuell – am Ende möglich sein könnte.
Um die Bedeutung zu erfassen, die der neulich noch relativ unbekannte Trainer Kompany für den FC Bayern auf einmal zu haben scheint, darf man sich kurz zurückerinnern. Ein paar Monate nach Bayerns Triple-Sieg im Jahr 2020 mit dem
Trainer Hansi Flick hat der Ehrenpräsident Uli Hoeneß einen schönen Satz gesagt: Er habe "in über vier Jahrzehnten noch nie so einen Zusammenhalt in einer Mannschaft erlebt". Und weiter: Er könne sich "nicht erinnern, dass irgendeine Bayern-Mannschaft in der Geschichte jemals so eine Einheit war". Die Bayern hatten am 23. August 2020 die Champions League gewonnen, ein in der Coronapandemie kurioser Wettbewerb war das, in den letzten Runden ausgetragen in Turnierform in Lissabon. Und von Joshua Kimmich ist aus der Finalnacht die Einschätzung überliefert, man fühle sich in dieser Mannschaft "wie unter Brüdern. Da steht eine Familie auf dem Platz, jeder gibt alles für den anderen, und das ist es doch, worum es am Ende geht."
Damit zurück in die Gegenwart und zu Vincent Kompany. Und hin zu einer Frage, die sich unweigerlich aufdrängt: Hat Flicks Harmonierekord nur fünf Jahre gehalten? Hat Vincent Kompany noch mehr Zusammenhalt, noch mehr Brüderlichkeit in die Kabine gebracht?
Und vielleicht sogar: in den ganzen Verein? Eine endgültige Antwort auf diese Frage wird es nicht vor Ende der Saison 2025/26 geben können, wenn feststeht, ob und welche "Preise" die Bayern gewonnen haben, wie Kompany das immer formuliert.
Wie Vincent Kompany den FC Bayern nicht nur sportlich, sondern auch menschlich verändert und warum ausgerechnet seine besondere Art der Führung zum entscheidenden Faktor einer außergewöhnlichen Saison werden könnte, verrät das vollständige Porträt im aktuellen BUNDESLIGA Magazin 4|25. Das Magazin der DFL gibt es auch in der DFL-App für iOS und Android.
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