München - Angeführt vom überragenden Arjen Robben hat der FC Bayern München nach langem Zittern seinen Traum von der Triple-Verteidigung am Leben erhalten. Die Mannschaft von Trainer Pep Guardiola kämpfte sich im Viertelfinal-Rückspiel gegen Manchester United mit Glück und Geschick zu einem 3:1 (0:0) und erreichte nach dem 1:1 beim englischen Rekordmeister zum dritten Mal hintereinander die Runde der besten vier Teams Europas.

Patrice Evra hatte die mutigen Gäste in Führung gebracht (57.) und ließ United auf die erste Halbfinal-Teilnahme seit 2011 hoffen. Doch nach dem Ausgleich von Mario Mandzukic nur 70 Sekunden nach dem 0:1 (59.) schossen Thomas Müller (68.) und Robben (76.) den fünfmaligen Champions-League-Sieger zum 16. Mal in die Vorschlussrunde der Königsklasse. Der Gegner dort wird am Freitag ermittelt, mit im Lostopf sind der FC Chelsea, Real und Atletico Madrid.

Guardiola "sehr, sehr stolz"

"Ich wusste, dass es schwer werden würde. Das ist Champions League, das ist Viertelfinale und Manchester hat mit dem Torwart und acht Spielern im Strafraum gestanden. Aber wir waren geduldig und hatten etwas Glück im Abschluss", sagte Guardiola und schob nach: "Jetzt sind wir im Halbfinale, deshalb bin ich sehr, sehr stolz auf meine Mannschaft." 

"Die ersten zehn Minuten nach der Halbzeit waren eine Katastrophe, das war Wahnsinn, das darf man sich in der Champions League nicht erlauben", sagte Matchwinner Robben im "ZDF": "Es war wichtig, dass uns schnell der Ausgleich gelungen ist. Jetzt haben wir nur noch einen Gegner bis nach Lissabon". In der portugiesischen Hauptstadt steigt am 24. Mai das Finale. 

Bayern tut sich schwer

Vor 67.300 Zuschauern in der ausverkauften Allianz Arena hatten die Bayern wie auf der Insel mehr Spielanteile. Gegen das beste Auswärtsteam der Premier League taten sie sich aber erneut lange sehr schwer, im Strafraum zum Abschluss zu kommen - und das trotz zunächst angriffslustiger Ausrichtung.

Guardiola setzte mit seiner auch aufgrund der Sperren von Bastian Schweinsteiger und Javi Martinez auf drei Positionen veränderten Mannschaft voll auf Offensive: Vor Toni Kroos im defensiven Mittelfeld sollten Mario Götze und Müller in der Zentrale Betrieb machen. Dazu kam die etatmäßige Flügelzange mit Robben und Franck Ribery sowie Mandzukic im Sturmzentrum - und das, obwohl die Münchner gar nicht kommen mussten.

Torchancen sind selten

Weil die Außenverteidiger Philipp Lahm und David Alaba bei eigenem Ballbesitz zudem immer wieder in die Mitte rückten, glich das System phasenweise einem 2-3-4-1. United verstand es in seinem 200. Champions-League-Spiel dennoch lange gut, die Hausherren vom eigenen Tor fern zu halten. Die hohen Bälle auf Mandzukic, die acht Tage zuvor das Remis brachten, erwiesen sich zunächst nicht als geeignetes Mittel, um das britische Bollwerk zu knacken. Doch der erste Kopfball des Kroaten aufs Tor brachte das 1:1.

Der englische Meister versteckte sich trotz seiner grundsätzlich defensiven Marschroute nicht. Der auffällige Wayne Rooney, der nach überstandener Zehenblessur wie erwartet mitwirkte, initiierte die beste Chance zur Führung. Anstatt auf Shinji Kagawa zu passen, vertändelte er aber (8.). Die Bayern kamen durch den agilen Robben zu ersten Möglichkeiten, richtig zwingend waren sie bis zum 1:1 aber nicht.

Evra weckt die Münchner auf

In der zweiten Halbzeit schien es, als würde den Bayern bewusst werden, was sie zu verlieren hatten. Guardiola sah sich mehrfach genötigt, seine zaghafte Elf nach vorne zu treiben. Dann schockte Evra den FCB mit seinem Gewaltschuss aus 17 Metern zum 0:1 ins rechte Tordreieick. Die Bayern schienen diesen Weckruf gebraucht zu haben: Von Evra nicht eng genug bewacht, köpfte Mandzukic nach Riberys Flanke umgehend den Ausgleich.

Erst jetzt entwickelte sich ein packender Schlagabtausch. Ribery traf das Außennetz (61.), Rooney verzog freistehend (62.). Nach Robbens flacher Hereingabe hielt Müller dann in Mittelstürmer-Position den Fuß hin - 2:1, die Vorentscheidung. Robben erhöhte nach einem tollen Solo. 

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