München - Respektvoll und hochkonzentriert blickt der FC Bayern München auf Benfica Lissabon. Bereits im Viertelfinal-Hinspiel am Dienstag wollen die Bayern den Grundstein für den Einzug ins Halbfinale der Champions League legen. Der Gegner ist ein gutes Omen für mehr.

Wenn Pep Guardiola eines nicht leiden kann, dann ist das verfrühte Euphorie. "Es wäre ein großer Fehler, wenn wir nur daran denken würden, wie viele Tore wir schießen", warnte der Bayern-Trainer diejenigen, für die das Spiel am Dienstag einzig eine Frage der Höhe des Sieges ist. Und Karl-Heinz Rummenigge schickte hinterher: "Das wird ein schwereres Spiels als der eine oder andere annimmt. Wir werden zwei konzentrierte Auftritte haben müssen, um ins Halbfinale einzuziehen. Aber das wird kein Selbstläufer."

Porto als Warnung

Als zusätzliche Warnung vor zu großer Sorglosigkeit führte der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern das Viertelfinale in der Vorsaison gegen Benficas Ligarivalen FC Porto an. Nach einer 1:3-Niederlage im Hinspiel konnten die Bayern mit einer 6:1-Gala zuhause im Rückspiel das drohende Aus gerade noch abwenden und zum vierten Mal in Folge in die Vorschlussrunde der Königsklasse einziehen.

Die Gefahr, dass den Bayern beim erhofften Ausbau ihrer Halbfinal-Serie gegen den portugiesischen Rekordmeister ähnliches widerfährt, schätzt Philipp Lahm jedoch als gering ein. "Die Mannschaft ist erfahren genug und hat schon vieles erlebt in der Champions League, deswegen glaube ich nicht, dass einer den Gegner unterschätzt", sagte der Bayern-Kapitän.

Bilanz macht Mut: Über Benfica ins Finale

Die bisherige Bilanz gegen Benfica spricht klar für den Deutschen Rekordmeister. Bislang standen sich beide Vereine drei Mal in einer K.o.-Phase im Europapokal gegenüber, jedes Mal setzte sich der FC Bayern durch. Und in allen drei Fällen führte der Weg der Münchner anschließend bis ins Finale. Den Traum vom Endspiel in Mailand würden die Bayern auch in dieser Saison nur allzu gerne realisieren. Doch dazu müssen sie zunächst gegen den Tabellenführer aus Portugal, der 19 seiner letzten 20 Ligaspiele gewonnen hat, bestehen.

"Ich bin wirklich beeindruckt von Benfica", sagte Guardiola. "Sie haben eine super Organisation, sind sehr kompakt und bieten wenig Raum zwischen den Linien. Natürlich müssen wir versuchen Tore zu schießen und so wenig wie möglich zu kassieren."

Die Hoffnungen der Bayern verteilen sich dabei auf viele Schultern. In der Offensive lasten sie vor allem auf Top-Torjäger Robert Lewandowski oder Franck Ribéry, der vor Spiellaune sprüht und sich nach langer Verletzungspause immer weiter seiner Topform annähert (Zum Artikel: Harter Kampf für große Momente). "Wir müssen unser Spiel spielen, egal wie Benfica spielt", sagte Lewandowski.

Robbens Ausfall einziger Wermutstropfen

Doch bei der Umsetzung des charakteristischen, temporeichen Flügelspiels müssen die Bayern einen kleinen Wermutstropfen verkraften, denn Arjen Robben wird aufgrund von Adduktorenproblemen am Dienstag noch nicht mit von der Partie sein. "Bei Arjen muss man leider noch ein bisschen Geduld haben", räumte Rummenigge ein. Der gegen Eintracht Frankfurt wegen muskulären Problemen geschonte Kingsley Coman gehörte bereits am Sonntag beim Auslaufen an der Säbener Straße wieder zum Kreis der Mannschaft und könnte mit seinem französischen Landsmann Ribery die Flügelzange bilden. "Ich denke, Coman wird spielen können", gab sich Rummenigge schon am Samstag optimistisch.

Egal, in welcher Formation die Bayern auflaufen werden, eine Leistungssteigerung im Vergleich zum Arbeitssieg gegen Eintracht Frankfurt wäre in jedem Fall angebracht. Dessen war sich auch Kapitän Lahm bewusst: "Am Dienstag brauchen wir natürlich eine bessere Leistung, aber da mache ich mir keine Sorgen."

Aus München berichtet Maximilian Lotz