Am Freitag kommt es zum Topspiel der Hinrunde, auf das die Fans seit Wochen warten: Die Bayern empfangen Hoffenheim. Vor der Saison hatte allerdings keiner ernsthaft damit gerechnet, dass beim Aufeinandertreffen dieser Clubs der Zweite gegen den Ersten spielen wird.

Dass der Aufsteiger 1899 Hoffenheim als Tabellenführer zum amtierenden Meister reist, hatte niemand geahnt.

Bayern-Coach Klinsmann lobt die Entwicklung der Hoffenheimer und sieht in ihnen einen Kontrahenten im Titelkampf für die nächsten Jahre: "Hoffenheim kann langfristig eine Rolle einnehmen, wie es Leverkusen über Jahre hinweg geschafft hat."

Medienauflauf in Hoffenheim

Nach 15 absolvierten Spieltagen sind sich Fans und Experten einig, dass in der Allianz Arena die momentan besten Mannschaften der Bundesliga aufeinander treffen. Klinsmann verspricht eine packende Begegnung: "Für die Fans ist es ein Moment, auf den sie einige Wochen gewartet haben. Die Zuschauer können sich auf ein geladenes Spiel freuen."

Dieses Duell interessiert aber nicht nur in Fußball-Deutschland. Auf dem Hoffenheimer Trainingsplatz wurden in den letzten Tagen sogar Journalisten aus England, Frankreich und Belgien gesichtet. "Die Engländer sind fußballverrückt. Sie lieben große Storys. Und Hoffenheim, das ist eine ganz große Story", so ein Korrespondent der BBC. Zur Pressekonferenz haben sich gleich zehn TV-Teams angekündigt.

Demba Ba tritt kürzer

Seit Mittwoch konzentrierte sich der Aufsteiger voll auf das Topspiel. Bevor die Mannschaft am Donnerstag mit dem Flieger von Mannheim nach München düst, gibt es zwei nichtöffentliche Trainingseinheiten.

Bei den Übungen am Dienstag fehlte Stürmer Demba Ba. "Eine reine Vorsichtsmaßnahme. Nur etwas am Knöchel", beruhigte Co-Trainer Peter Zeidler die Zaungäste.

In München ist man so einen Medienrummel gewohnt und freut sich über die entspannte Personalsituation. Zwar musste Angreifer Miroslav Klose am Mittwoch nach dem Training wegen Rückenproblemen zum Arzt, aber Trainer Jürgen Klinsmann gab bereits Entwarnung: "Das war eine Vorsichtsmaßnahme. Es dürfte am Freitag kein Problem sein."

Geballte Offensive

Der Bayern-Coach rechnet auch fest mit Tim Borowski, der seine Knieprobleme überwunden hat. Eher unwahrscheinlich ist dagegen der Einsatz von Lukas Podolski, der nach Rückenproblemen am Mittwoch erst das Aufbautraining begonnen hat. Auf einen Platz unter den ersten Elf hofft Abwehrmann Daniel van Buyten: "Mit mir haben wir in zweieinhalb Spielen kein Gegentor bekommen. Ich hoffe, dass ich als Belohnung weiter drin bleibe."

Die 69.000 Zuschauer können sich am Freitag auf ein temporeiches Spiel, exzellente Spielzüge und immer nach vorne orientiere Mannschaften ohne Angst vor dem Risiko freuen. Normalerweise kennt man so etwas aus der englischen Premier League nur von Arsenal, Manchester United oder dem FC Chelsea, aber sowohl die Bayern als auch Hoffenheim haben dieses Potenzial.

"Wir haben die besten Spieler"

In beiden Lagern ist man von den eigenen Qualitäten überzeugt. "So wie wir zurzeit spielen, kommt das dem perfekten Fußball, wie ihn sich jeder Fan wünscht, schon sehr nahe", schwärmt Hoffenheim-Macher Dietmar Hopp. Bayerns Manager Uli Hoeneß hält in gewohnter Manier dagegen: "Natürlich haben wir die besseren Spieler als Hoffenheim. Wir haben die Besten."

Der beste Torjäger der Saison spielt allerdings in Hoffenheim. Vedad Ibisevic traf bereits 17 Mal und hat an den FC Bayern nur gute Erinnerungen: "Ich habe mit Aachen dreimal gegen die Bayern gespielt, zweimal in der Bundesliga, einmal im Pokal. Ein Spiel haben wir verloren und zwei Mal gewonnen. Die Bayern sind groß, aber schlagbar. Wir wollen auch dort gewinnen! Wir fahren nicht dorthin, um ein schönes Spiel zu zeigen und das Stadion anzuschauen!"

Auch sein Teamkollege Tobias Weis zeigt sich optimistisch: "Wir verlassen uns auf unsere Stärke. Wir spielen zwar auswärts, aber Bayern ist schlagbar und wenn sie gerade jemand schlagen kann, dann wir."

Hopp hofft auf Remis

Das bisher einzige Duell der beiden Vereine ging aber an den FC Bayern München. Am 17. August 1999 war der Rekordmeister zur Eröffnung des Dietmar-Hopp-Stadions zu Besuch und siegte mit 4:1. Mit harten Bandagen wurde schon damals gekämpft. Kristian Baumgärtner, der jetzt Vize-Präsident in Hoffenheim ist, erlitt einen Nasenbeinbruch.

Hoffenheim ist dem FC Bayern aber schon näher als es den Münchenern lieb sein könnte. Hopps Firma SAP lieferte dem Rekordmeister die Computer-Software. Torwart-Trainer Philipp Laux wechselte als Psychologe von der Elsenz an die Isar. Und Jürgen Klinsmann und Bernhard Peters sind Freunde.

Zudem ähneln sich das Spielsystem von Rangnick und das von Klinsmann sehr. Doch noch ist in Hoffenheim nicht alles wie bei den Bayern. "Ich glaube gar nicht an einen Sieg, sondern an ein 2:2-Unentschieden. Wir wollen ein Club werden, der immer um einen einstelligen Tabellenplatz spielt", gibt sich Dietmar Hopp bescheiden.