Es kommt ja nicht oft vor, dass Christoph Daum sprachlos ist. Aber als jemand dem Kölner Trainer steckte, der FC würde nach dem verdienten 2:1-Sieg im Derby bei Borussia Mönchengladbach in der Tabelle vor Bayern München rangieren, rang er nach Worten.

Schließlich sagte er dann: "Ich halte es nicht für möglich, dass wir vor Bayern München stehen. Das geht eigentlich nicht. Aber es geht doch. Das ist aber nicht aussagekräftig, sondern eine Momentaufnahme."

Vom Problemkind zur Spaßkanone

Eine Momentaufnahme, die den ganzen Verein und seine zahlreiche Anhängerschaft aber in einen kollektiven Freudentaumel versetzte. "Wir haben jetzt zwei Wochen Pause. Da können wir den Sieg genießen und auch ein bisschen feiern", jubelte Kölns Mittelfeldstratege Rodar Antar. "Es macht einfach Spaß gegen und in Gladbach zu gewinnen."

Der Wandel Rodar Antars vom FC-Problemkind zur Spaßkanone ist stellvertretend dafür, wie sich die Kölner, wie Daum immer so schön sagt, "in die Bundesliga reingearbeitet" haben. Antar machte im Derby sein bestes Saisonspiel und dankte dem Trainer auf seine Weise für dessen Vertrauen. Denn Daum hatte stets an seinem bulligen, formschwachen Mittelfeldspieler festgehalten und dafür viel Kritik eingesteckt.

Personelle Umstellungen greifen

"Ich habe mir dank meiner Erfolge eine Situation erarbeitet, in der ich es mir erlauben kann, einen Spieler durch eine Durststrecke durchzuziehen", dozierte Daum nach dem Derbysieg. "Vertrauen ist keine Einbahnstraße. Es muss immer wieder etwas zurückkommen. Und Rodar gibt es doppelt und dreifach zurück. Das war mir aber auch klar."

Die Kölner sind jetzt angekommen in der Bundesliga. Zehn Punkte nach sieben Spielen, ein Mittelfeldplatz weit weg von Abstiegssorgen. In Mönchengladbach ließen sie sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Die personellen Umstellungen von Daum vor dem Schalke-Spiel (Nemanja Vucicevic, Fabrice Ehret und Kevin Pezzoni in der Startelf) haben sich erneut bewährt.

Den Sieg über Schalke bestätigt

"Wir haben heute stark gespielt und verdienen da zu stehen, wo wir stehen", sagte Antar. Und Kapitän und Siegtorschütze Milivoje Novakovic bestätigte: "Wir waren über die 90 Minuten die bessere Mannschaft. Wir haben einige Chancen herausgespielt, zwei Tore gemacht und verdient gewonnen. Wir haben den Sieg gegen Schalke bestätigt."

Das war auch für Christoph Daum die wichtigste Erkenntnis: "Der Sieg gegen Schalke kann mal Zufall sein. Der gegen Gladbach kann mal Glück sein. Aber wenn man jedes Mal gewinnt, dann steckt da knallharte Arbeit dahinter. Ein Mal ist Zufall, zwei Mal ist Glück, drei Mal ist knallharte Arbeit. Die will ich jetzt eigentlich mit der Mannschaft absolvieren. Leider habe ich die Mannschaft wegen der Länderspielpause jetzt nicht zur Verfügung."

In zwei Wochen kommt Energie Cottbus ins Kölner RheinEnergieStadion. Dann können die FC-Profis den Dreisatz ihres Trainer bestätigen. Bis dahin können sie sich über die Tabelle und ihre gute Ausgangsposition freuen.

Tobias Gonscherowski