Zusammenfassung

  • So offensivstark war Eintracht Frankfurt zuletzt in der Saison 1993/94

  • Großen Anteil daran hat das Sturmtrio Ante Rebic, Luka Jovic und Sebastien Haller

  • An 21 von 23 Treffern der Hessen sind die drei Angreifer beteiligt gewesen

Frankfurt – Ante Rebic, Sebastien Haller, Luka Jovic: Kaum ein Angriffstrio in der Bundesliga sorgt in den Abwehrreihen der Gegner für mehr Schrecken als die Offensive von Eintracht Frankfurt. Letztmals waren die Hessen vor einem Vierteljahrhundert derart treffsicher.

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Manchmal muss auch ein erfolgreicher Trainer etwas in eine entsprechende Richtung geschoben werden. Schon länger hatten die Eintracht-Fans davon geträumt, dass ihr formstarkes Sturm-Dreigestirns, bestehend aus den Serben Rebic und Jovic sowie dem Franzosen Haller, gemeinsam zum Einsatz kommt. Doch erst die Verletzung von Mittelfeldmotor Mijat Gacinovic, der für das Auswärtsspiel beim VfB Stuttgart passen musste, ermöglichte das Debüt des "Trio Infernale" im Angriff der Hessen. Und das verlief enorm erfolgreich: Haller erzielte die Führung, Rebic erhöhte auf 2:0 – an beiden Toren war Jovic entscheidend beteiligt.

"Der Trainer hatte ja mal signalisiert, dass er alle drei Stürmer zusammen von der Leine lässt. Es hat wunderbar funktioniert" Bruno Hübner (Sportdirektor Eintracht Frankfurt)

Der Applaus der Fans war der "Frankfurter Büffelherde", wie die Angreifer auch in Anspielung an ihre körperliche Präsenz genannt werden, gewiss. Und auch Sportdirektor Bruno Hübner sparte nicht mit Lob: "Der Plan des Trainers ist aufgegangen. Er hatte ja mal signalisiert, dass er alle drei Stürmer zusammen von der Leine lässt. Durch die Verletzung von Mijat Gacinovic war es jetzt soweit, und es hat wunderbar funktioniert", zeigte sich der Eintracht-Macher nach dem souveränen Auswärtssieg im Schwabenland sichtlich zufrieden. Auch Frankfurts Trainer Adi Hütter sparte nicht mit warmen Worten für seine Stürmer: "Insgesamt haben wir eine sehr gute Leistung gezeigt – speziell auch die drei Angreifer, die gut harmoniert haben."

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Auf diese leistungssteigernde Harmonie in der Eintracht-Offensive musste der hessische Traditionsverein lange warten. Vor exakt 25 Jahren zeigten sich die Frankfurter zuletzt derart treffsicher in der Bundesliga. Nach zehn Spielen thronten die "Adler", angeführt von den Offensivkünstlern Uwe Bein, Maurizio Gaudino, Jay-Jay Okocha und Anthony Yeboah, souverän an der Tabellenspitze (acht Siege, 28:9 Tore) – auch damals gewann die Eintracht am 10. Spieltag in Stuttgart. Insgesamt war dies eine Phase des Höhenflugs bei den Hessen, die unter den Trainern Dragoslav Stepanovic und Klaus Toppmöller Anfang der neunziger Jahre einen herzerfrischenden Offensivfußball spielten und zu den absoluten Topteams zählten.

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Lob von Eintracht-Legende Fjörtoft

Damals war vom "Fußball 2000" die Rede, den die Eintracht auf den Rasen zauberte. Kaum verwunderlich, dass in der aktuellen Phase Erinnerungen daran wach werden. Mit viel Offensivpower begeistert das Team des österreichischen Trainers Hütter die eigenen Fans und sorgt auch innerhalb der Bundesliga für Erstaunen. Ganz vorne dabei beim "Fussball 2000 reloaded": Das Angriffstriumvirat Rebic, Haller und Jovic. Das erfreut selbst die Eintracht-Legende Jan-Aage Fjörtoft, der mittlerweile als TV-Experte sein Geld verdient: "Das Tolle ist, dass alle drei an den Toren beteiligt sind und sich füreinander freuen. Jovic ist der klassische Torjäger, der Killer. Haller ein spielender Mittelstürmer. Und Rebic will jeder in seiner Mannschaft haben. Der sorgt echt für Stress bei den Gegnern", schwärmte der Norweger in der "Bild"-Zeitung über seine Nachfolger im Eintracht-Dress.

"Rebic will jeder in seiner Mannschaft haben. Der sorgt echt für Stress bei den Gegnern" Jan-Aage Fjörtoft (Ex-Profi von Eintracht Frankfurt) über Ante Rebic

Die Bilanz des Frankfurter Höhenflugs lässt sich durchaus sehen: Die "Adler" schossen zuletzt 1993/94 mehr Tore in den ersten zehn Spielen, auch die Torbilanz war nur vor 25 Jahren besser. Dazu besitzt die Eintracht eine eingebaute Torgarantie, traf als eines von vier Teams in allen zehn Saisonspielen. Mehr Erfolgserlebnisse als die Hessen (23 Tore) verbucht in der Bundesliga nur Spitzenreiter Dortmund. Vor allem die Eintracht-Angreifer liefern im Dauertakt: 17 Stürmertore sind Bundesliga-Bestwert und für Frankfurt historisch gut. Seit Erhebung der spezifischeren Daten ab 1993/94 hatten die Hessen zu diesem Zeitpunkt nie zuvor so viele Stürmertore zu Buche stehen wie aktuell. Selbst zu den Zeiten eines Anthony Yeboah waren die SGE-Angreifer nicht so gefährlich wie der Jahrgang 2018/19.

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Das liegt vor allem daran, dass sich das Trio um Jovic, Haller (beide sieben Saisontore) und Rebic (vier), das insgesamt an 21 der 23 Frankfurter Treffer direkt beteiligt ist, in ihren Qualitäten perfekt ergänzen. Haller als Wandspieler schmeißt sich in jeden Zweikampf (niemand führt und gewinnt mehr direkte Duelle als der Franzose), ist als Anspielstation und Ballverteiler in vorderster Front für das Offensivspiel der Eintracht enorm wichtig. Kaum verwunderlich: Neben seinen sieben Saisontreffern legte der kopfballstarke Stoßstürmer auch noch fünf Tore seiner Kollegen auf und ist damit Topscorer der Bundesliga. Dass Haller dazu noch über elf Kilometer pro Partie abspult, sorgt nicht nur für gefährliche Szenen, sondern ist für die Stabilität der Frankfurter Mannschaft auch im Spiel gegen den Ball unabdingbar.

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Haller Wandspieler, Jovic flexibel

Und er sorgt durch seine Präsenz für die nötigen Freiräume, die seine Mannschaftskameraden auszunutzen wissen. Luka Jovic ballerte sich durch seinen Fünferpack beim 7:1-Kantersieg über Fortuna Düsseldorf in die Geschichtsbücher, war insgesamt in den letzten fünf Partie gleich siebenmal erfolgreich: Gemeinsam mit Haller sowie Paco Alcacer (Borussia Dortmund) und Thorgan Hazard (Borussia Mönchengladbach) führt der junge Serbe damit die Torjägerliste in der Bundesliga an. Der 20-Jährige, von Benfica Lissabon an die Hessen ausgeliehen, ist eher der Prototyp des Abschlussstürmers. Trotz weniger Einsatzzeit hat Jovic mehr Torschüsse (22) abgesetzt als beispielsweise sein Mannschaftskollege Haller (18). Immer wieder weicht der flexible Angreifer dabei auf die Außen aus, bereitete bereits zwei Tore durch Flanken vor.

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Liebling der Fans ist dagegen ein anderer: Ante Rebic hat sich durch seine robuste und willensstarke Spielweise in die Herzen der Eintracht-Anhänger gespielt. "No Rebic, No Party" heißt es sogar auf Fanshirts bei den Hessen – der kroatische Angreifer, im Sommer Vizeweltmeister mit seinem Heimatland, gilt als unersetzlich bei der SGE. Eine Statistik unterstreicht den Einfluss des "Kampfschweins" in Frankfurter Diensten: Rebic stand seit Beginn der letzten Saison 25-mal in der Startelf, 15 dieser Spiele hat die Eintracht gewonnen (60 Prozent).  In 19 Partien ohne den Angreifer von Beginn an gab es ganze vier Siege (21 Prozent). Auch der Aufschwung der Eintracht in dieser Spielzeit hängt eng mit Rebic zusammen: Nach seiner Verletzung zu Saisonbeginn kam der 25-Jährige schnell wieder in Schwung – vier Tore und eine Vorlage sprechen eine deutliche Sprache.

"Ich bin froh, dass ich sie habe" Eintracht-Trainer Adi Hütter über sein Sturmtrio

"Ich bin froh, dass ich sie habe", ließ nicht nur aufgrund der beeindruckenden Zahlen Eintracht-Coach Hütter nach dem 3:0 in Stuttgart wissen. Das dürften die Frankfurter Fans blind unterschreiben, denn dank der "Büffelherde" in vorderster Front träumen die Anhänger des amtierenden DFB-Pokalsiegers wieder von glorreichen Zeiten. Nicht nur auf dem Papier wirkt vieles wie einst Anfang der neunziger Jahre. "Fußball 2000 reloaded" eben – die Protagonisten heißen nun Rebic, Jovic, Haller und Hütter.

Thomas Reinscheid