Zusammenfassung

  • Frankfurt spielt die beste Saison seit 25 Jahren

  • Leistungsträger Kevin-Prince Boateng ist zum Gesicht der Mannschaft geworden

  • Sportvorstand Fredi Bobic: "Wir wollen uns da oben festbeißen"

Köln - Nach dem überzeugenden 3:0-Sieg gegen den 1. FSV Mainz 05 sagte Kevin Prince Boateng: "Träumen ist immer gut, das treibt uns an." Nach 27 Spieltagen darf Eintracht Frankfurt träumen: Schon jetzt sammelten die Frankfurter mit 45 Punkten drei mehr als in der gesamten vergangenen Saison. Vor den letzten sieben Begegnungen steht die Eintracht auf Rang vier, dem Qualifikationsplatz für die Champions-League und hat sechs Zähler Vorsprung auf den Tabellensiebten aus Hoffenheim. Und: Die Eintracht kann weiter auch vom Pokalsieg träumen, im Halbfinale tritt sie beim FC Schalke an. Die Frankfurter spielen ihre beste Saison seit knapp 25 Jahren und stehen kurz davor, diese zu krönen.

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Die Mannschaft macht nicht den Eindruck, den Faden zu verlieren: Immer, wenn sie ein Spiel verliert, schlägt sie im darauf folgenden zurück. Die Fokussierung auf das Wesentliche lebt Trainer Niko Kovac vor, er ist der Antreiber dieser Mannschaft und setzt ihre Grenzen immer weiter nach oben. Auf dem Platz gibt Kevin Prince Boateng den Anführer, kraft seiner Persönlichkeit, aber auch dank seiner fußballerischen Klasse ist er zum Gesicht dieser Eintracht geworden.

Boateng ist zum Gesicht der Eintracht geworden

Dabei wurde die Verpflichtung des 31-Jährigen auch intern nicht nur mit Jubel begleitet. Aber Boateng hat die Skeptiker längst überzeugt - durch Leistung und Auftreten. "Er ist kein Problem- oder Pflegefall, sondern eine absolute Persönlichkeit", lobt Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic. Am letzten Spieltag war der Halbbruder von Nationalspieler Jerome Boateng das Gesicht einer Kampagne gegen Rassismus. Seit Jahren engagiert sich der in Berlin geborene, ehemalige ghanaische Nationalspieler gegen Rassismus und Ausgrenzung. In den TV-Spots zum Spieltag unter dem Motto "Strich durch Vorurteile" war Boateng die Hauptfigur. So wie beim Sieg gegen die Mainzer im Derby auf dem Platz, wo ihm zum sechsten Mal der Führungstreffer für die Eintracht gelang. In den Spielen, in denen er seine sechs Saisontreffer erzielte, holte die Eintracht 16 Punkte.

Video: Strich durch Vorurteile - Interview mit Boateng

Wie selbstverständlich übernahm Boateng seit seiner Ankunft letzten Sommer die Führungsrolle in der Mannschaft. Vielleicht klappt es auch deswegen so gut, weil Boateng zu Beginn seiner schillernden Karriere, die ihn unter anderem zum AC Milan und Tottenham Hotspur führte, bei Hertha BSC noch mit Niko Kovac zusammengespielt hat. Über seinen ehemaligen Mitspieler und heutigen Trainer sagt Boateng: Ein fordernder Trainer wie Kovac sei genau der richtige für einen Spieler wie ihn im fortgeschrittenen Fußballeralter: "Er puscht mich."

Kovac beherrscht das Rotationsprinzip und hält so einen ganzen Kader bei Laune, alle fühlen sich als Teil der Mannschaft. Boateng analysiert: "Das Wichtigste ist, dass wir ein Wir-Gefühl haben. Man sieht das daran, wie alle von der Bank aufspringen, wenn wir ein Tor machen und ein Spiel gewinnen. So gehört sich das, wir haben keinen Stinkstiefel in der Mannschaft, jeder probiert, dem anderen zu helfen.

Video: Frankfurts 3:0-Sieg gegen Mainz

Kovac fordert in der Saisonendphase natürlich weiter harte Arbeit und Fokussierung auf das Wesentliche von seinen Spielern, aber künstlich auf die Euphoriebremse will er auch nicht treten. Der ehemalige kroatische Nationaltrainer sagt: "Wir können die Tabelle lesen. Wir sind froh, da oben zu sein und wir stehen zu Recht da oben. Ab sofort wollen wir jedes Spiel als Endspiel betrachten. Wir wollen in diesen Sphären bleiben."

Diese Sichtweise teilen alle im Club, Sportvorstand Fredi Bobic sagt: "Wenn man da oben steht, ist es etwas ganz Besonderes – vor allem für Eintracht Frankfurt. Da darf man auch träumen, das ist verdient. Wir wollen uns da oben festbeißen." Der Club befinde sich in einer "super, super, super Lage": "Wir haben nix mehr zu verlieren, wir können nur noch gewinnen." Und selbst wenn man schon längst das Saisonziel übererfüllt habe: "Wir wollen immer mehr". Und Kevin Prince Boateng findet: "Wenn wir am Ende immer noch so weit oben stehen, sind wir alle glücklich."

Tobias Schächter