Für den gemeinen Hotelgast mag es etwas verwunderlich sein, wenn 25 nassgeschwitzte Männer in Sportkleidung und mit Fußballschuhen in der Hand durch die Hotel-Lobby tippeln und allesamt schnurstracks in ein und dasselbe Zimmer laufen.

Dass ein Mann die Profis dort schon sehnsüchtig erwartet, dürften die Gäste auch nicht wissen. Heribert Rüttger, den alle liebevoll "Herbie" nennen, ist Zeugwart beim VfL Wolfsburg und hat während des Trainingslagers der "Wölfe" in Jerez de la Frontera wie immer alles im Griff.

"100 Paar Stutzen"

Rüttger hat in dem ausgeschilderten Materialzimmer für jeden Spieler schon wieder fein säuberlich und wohl geordnet die Montur für die nächste Trainingseinheit bereitgelegt. Da diese wegen des Testspiels gegen den 1. FSV Mainz 05 erst am nächsten Tag stattfinden wird, greifen die Spieler erst gar nicht zu ihrem "Haufen", sondern schnappen sich jeder nur eine Hose und ein paar Stutzen. Die Trikots hat "Herbie" schon in einer extra Box verpackt.

"Für jeden Spieler haben wir vier Trainingsgarnituren, darunter alleine 100 Paar Stutzen, und je zwei Trikots für die Testspiele dabei", erklärt Rüttger im Gespräch mit bundesliga.de die Unmengen an Textilien und ergänzt: "Und eine kleine Reserve habe ich für Notfälle auch noch eingepackt."

Die Vorbereitungen für das Trainingslager im Süden Spaniens begannen schon Tage vorher. 1.400 Kilogramm Ausrüstung wurden in stabile Alu-Truhen verpackt und im Flugzeug nach Spanien transportiert. "Mit dem Bus wäre es logistisch einfacher gewesen", sagt Rüttger trocken.

Männerfreundschaft sorgt für Tapetenwechsel

Heribert Rüttger ist ein waschechter Pfälzer und von Haus aus eigentlich Fan des 1. FC Kaiserslautern. Eine tiefe Freundschaft sorgte dafür, dass er nun schon seit Januar 2000 für eine passende Ausrüstung beim VfL sorgt.

"Wolfgang Wolf hat mich damals zum VfL geholt. Er ist noch heute mein bester Freund und wir kennen uns seit der C-Jugend. In der A-Jugend haben wir sogar zusammen in einer Mannschaft gespielt", blickt "Herbie" auf seine Anfänge und den Wechsel nach Wolfsburg zurück.

Sein erster Einsatz war in Portugal. Und die Arbeit hat ihm so viel Spaß gemacht, dass er seinen Job im Außendienst für eine Druckerei aufgab.

Fehlgriff bei Kryger

An den ersten Saison-Einsatz erinnert er sich mittlerweile mit einem Schmunzeln: "Ich habe bei meinem ersten Einsatz beim Spiel gegen den TSV 1860 München das Trikot mit der Nummer 12 von Waldemar Kryger vergessen, auch das Ausweichtrikot."

Da sich kein Fan mit einem aktuellen Trikot von Kryger auftreiben ließ, gestalte Rüttger kurzerhand mit Tapeverband eines von Frank Greiner um. Die aufgedruckte "2" bekam eine "1" als Nachbarn. Kryger durfte also spielen und der VfL gewann mit 2:1 in München.

Profis greifen zur Bürste

An sein Karriereende möchte der 51-Jährige noch gar keinen Gedanken verschwenden, schließlich "war ich schon immer fußballverrückt und hier bin ich ganz nah am Geschehen dran".

Das Trainingslager im Hotel ist dabei für "Herbie" auch ein Stück weit eine Erholung. Denn die Hotel-Reinigung übernimmt nach jedem Training einen Berg Wäsche und liefert diesen wieder frisch gewaschen ab. Und um die Reinigung und Pflege der Trainingsschuhe muss er sich ebenfalls nicht kümmern - so auch an diesem Tage nicht.

Der gemeine Hotelgast hatte sich bei näherer Betrachtung der Sportler-Karawane durch die Hotel-Lobby vielleicht schon gewundert, dass Zvjezdan Misimovic, Josue und die anderen "Wölfe" mit einer Schuhbürste bewaffnet ihr Arbeitsgerät selber sorgsam säubern und einfetten.

Aus Jerez de la Frontera berichtet Michael Reis