Traurig und mit hängenden Köpfen saßen die Bremer Spieler nach Abpfiff des UEFA-Pokal-Finales gegen Schachtjor Donezk in der Kabine. 120 Minuten hatten sie ihr Bestes gegeben, um den Pott an die Weser zu holen.

Doch das 2:1-Siegtor durch den Brasilianer Jadson in der siebten Minute der Verlängerung beendete die Titelträume der Norddeutschen.

bundesliga.de hat die 120 Minuten aufgearbeitet und zieht die Lehren des Spiels.

Fehlende Torgefahr - auf beiden Seiten

Die Finalisten neutralisierten waren vor allem bemüht, keine Fehler zu machen. Beiden war die mangelnde Endspiel-Erfahrung anzumerken (kein Spieler hatte bisher ein Europacup-Finale bestritten). So war wenig Tempo im Spiel und es gab auch relativ wenige Torraumszenen.

Werder kehrte von der gewohnten Raute ab, um das Zentrum mit zwei defensiven Mittelfeldspielern zu verdichten. Eine Taktik, die defensiv über weite Strecken aufging. Das Offensivspiel jedoch litt, Frings und Özil setzten offensiv auf dem Flügel nicht die erwünschten Akzente. Diego wurde schmerzlich vermisst. Trotz fast 20 Torschüssen: Gute Torchancen für Werder waren eher Mangelware.

Donezk trat zwar erstmals mit allen fünf Brasilianern von Beginn an auf und hatte insgesamt mehr Ballbesitz, kam aber nur acht Mal im Strafraum von Werder zum Torschuss.

Werder bekam Schlüsselspieler Srna nicht in den Griff

Die Tore erzielten zwei Brasilianer, bester Spieler von Donezk war aber Rechtsverteidiger Dario Srna: Der Kroate hatte mit Abstand die meisten Ballkontakte und bereitete nicht von Ungefähr das entscheidende 2:1 vor.

Der junge Mesut Özil war mit der Rolle, für Kreativität im Offensivspiel zu sorgen und defensiv auf der linken Seite gegen Srna mitzuarbeiten, noch überfordert; Özil gewann nur 25 Prozent seiner Zweikämpfe, der Kroate konnte schalten und walten.

In der Rangliste der Spieler mit den meisten Ballkontakten tauchen auf den ersten vier Plätzen nur Profis von Schachtjor auf, das zeigt, dass Werder insgesamt zu passiv war.

Kein guter Abend für Torhüter

Schachtjors Schlussmann Andriy Pyatov brachte Werder mit seinem Patzer beim einzigen Schuss, den er in der ersten Spielhälfte auf sein Tor bekam, wieder in die Partie.

Schade für Tim Wiese: Der Keeper, der Werder mit tollen Paraden gegen den HSV ins Finale gebracht hatte und auch im Endspiel einen früheren Rückstand verhinderte, sah beim Treffer zum 1:2 unglücklich aus. Insgesamt kann er aber auf eine überragende Europapokalsaison zurückblicken, umso bitterer diese Gegentor.

Die deutschen Vereine haben damit fünf der letzten sechs Europacup-Endspiele verloren, nur die Bayern triumphierten in den letzten zwölf Jahren (2001 im Elfmeterschießen gegen Valencia im Finale der Champions League).


(Datenquelle: Impire)