Noch schippert die "Hertha" auf der Kyritzer Seenkette, aber im Frühjahr soll das Schiff auf die Spree zurückkehren - © imago / Koch
Noch schippert die "Hertha" auf der Kyritzer Seenkette, aber im Frühjahr soll das Schiff auf die Spree zurückkehren - © imago / Koch
Bundesliga

Die "alte Dame" Hertha schwimmt nach Hause

Köln - Es muss eine faszinierende Fahrt über die Oberspree gewesen sein, die Fritz Lindner gemeinsam mit seinem Vater auf dem Dampfschiff "Hertha" im Frühjahr 1892 unternommen hat. Denn wenige Monate später, genauer am 25.Juli 1892, gründen er, sein Bruder Max sowie das Brüderpaar Otto und Willi Lorenz den "Berliner Fußball Club Hertha 92". Doch nicht nur der Name geht auf die Bootsfahrt zurück: Die Vereinsfarben blau und weiß finden sich auf dem Schornstein des Spreedampfers wieder.

Umzug nach dem 2. Weltkrieg

>>> Holt Euch die Hertha-Stars im Bundesliga Manager

Das Schiff, welches am 17. April 1886 von Stapel lief, wurde auf den Namen "Hertha" getauft, da just an diesem Tag die Tochter des Reeders, die den Namen "Hertha" trug, Geburtstag hatte. Wer weiß, wie Hertha BSC heute heißen würde, wenn der Reeder seine Tochter Gertrud oder Hannelore genannt hätte.

Bis zum Beginn des 2. Weltkriegs fuhr die "Hertha" nur auf der Spree oder Havel. Dies änderte sich nach dem Krieg mit der Teilung Deutschlands. Da sich die "Hertha" zu dieser Zeit im Osten Berlins aufhielt, ging sie in den Besitz des "Volkseigenen Betriebs Fahrgastschifffahr" über und erhielt den Namen "Seid Bereit". Seitdem ist sie ein Ausflugsdampfer auf der Kyritzer Seenkette. 1976 identifizierte der Schiffshistoriker Kurt Groggert den Dampfer, der mittlerweile "Seebär" hieß,  als das alte Hertha-Gründungsschiff. 2002 wurde der Dampfer anlässlich der 110-Jahrfeier von Hertha BSC wieder auf den Namen "Hertha" zurückgetauft.

Die Rückführung des Dampfers soll so gestaltet werden, dass der Dampfer bis Anfang April von der Kyritzer Seenkette zurück auf die Spree oder Havel transportiert werden soll. Von dort an soll es den Fans ermöglicht werden, etappenweise auf dem Schiff Richtung Berlin mitzufahren, um "die Hertha gemeinsam zurückzuholen", so Christian Wolter. Darüber hinaus ist geplant, die "Hertha" so zu restaurieren, dass sie in der Region Berlin als schwimmendes Fanlokal dienen und auch zu der ein oder anderen Vergnügungsfahrt aufbrechen kann. So können alle Fans einmal dasselbe "Hertha"-Gefühl erleben, das Fritz Lindner einst bei der Gründung des Clubs inspirierte.

Cedrik Kaiser