Der VfB Stuttgart hat endgültig die Wende geschafft. 4:1 gegen Borussia Dortmund gewonnen, der vierte Sieg in Folge unter Trainer Christian Gross - die Schwaben dürfen wieder nach oben blicken.

Einem konnte man die Erleichterung anschließend an der Mimik ablesen. Horst Heldt, vor einigen Wochen noch problembeladener Vorstand Sport des VfB Stuttgart, stand nach dem 4:1-Triumph gegen Borussia Dortmund auf dem Rasen der Mercedes-Benz Arena und blickte glücklich Richtung Fankurve.

Acht Punkte Abstand zu den Abstiegsrängen

Dort ließen sich die VfB-Spieler vom schwäbischen Anhang feiern und wagten nach langer Zeit der Tristesse gar mal wieder ein Tänzchen.

Der VfB Stuttgart ist endgültig zurück, hat die ernüchternde Pleitenserie unter Markus Babbel hinter sich gelassen und hat spätestens nach dem Erfolg gegen die kampfstarken Dortmunder die Fesseln der sportlichen Agonie gelöst.

Vier Siege in Serie unter dem "Retter" Christian Gross, beruhigende acht Punkte vor einem Abstiegsplatz - die Stuttgarter können wohl spätestens seit Sonntagabend das Thema Abstieg ad acta legen.

Gross bremst die Euphorie

Sollte man jedenfalls meinen. VfB-Trainer Gross wäre aber nicht als akribischer Arbeiter bekannt, würde er nicht auch nach dem letztlich überzeugenden Sieg gegen Dortmund ein Haar in der Suppe finden. "Nicht gefallen hat mir, dass wir zu viele Ballverluste hatten, den Elfmeter nicht verwandelt haben und die Abstimmung auf den Außenpositionen nicht passte", sagte Gross und man hörte dabei heraus, wie wichtig es ihm ist, die Schwachstellen seiner Mannschaft immer wieder hervorzuheben.

Gross weiß: Noch ist nicht alles in Butter beim VfB, noch leisten sich seine Spieler unerklärliche Schwächephasen, noch ist das Gebilde über 90 Minuten nicht stabil genug. "Den BVB haben wir gut im Griff gehabt, aber uns selbst das Leben schwer gemacht", wusste auch VfB-Mittelfeldmann Sami Khedira.

Er meinte damit den verschossenen Elfmeter von Ciprian Marica, aber auch die Phase nach dem Dortmunder Ausgleich durch Lucas Barrios (55.), als die Partie zu kippen drohte. Dortmund war eine Zeitlang näher an der Führung, bis der eingewechselte Zdravko Kuzmanovic die Stuttgarter mit einem sehenswerten Freistoß erlöste (77.). Marica (86.) und Christian Träsch (89.) trieben das Ergebnis schließlich in den Schlussminuten in die Höhe.

Hleb mit Luft nach oben

Dennoch: Der VfB unter Babbel und der VfB unter Gross - das sind die gleichen Spieler, aber eine andere Mannschaft. Die noch vor kurzem so enttäuschenden Sturmspitzen Ciprian Marica und Pavel Pogrebnjak gehören derzeit zu den gefährlichsten Angreifern der Liga, Christian Träsch und Sami Khedira lenken und leiten im Mittelfeld und in der Innenverteidigung hat Serdar Tasci wieder zur alten Form gefunden.

Nur einer hat nach wie vor jede Menge Potenzial nach oben: Alexander Hleb. "Ich würde mir wünschen, dass er das Spiel einfach schneller nach vorne bringt", analysierte Gross die Leistung des Weißrussen, nachdem er ihn wie schon in den letzten Spielen nach 60 Minuten vom Feld nahm und damit gegen Dortmund indirekt auch den Umschwung einleitete.

Heldt setzt auf die Jungen

Horst Heldt war es an diesem Abend egal. Gut gelaunt gab er den Journalisten Auskunft und wirkte dabei so gelöst wie lange nicht. Kein Wunder, hat er es in den vergangenen Wochen ganz nebenbei doch geschafft, nicht nur den sportlichen Aufschwung einzuleiten, sondern auch den Kader neu zu strukturieren.

Jan Simak nach Mainz, Yildiray Bastürk nach Blackburn und jetzt auch noch der ehemalige Kapitän und Nationalspieler Thomas Hitzlsperger zu Lazio Rom - Heldt setzt auf die Jungen. Und scheint damit alles richtig zu machen.