Es tut sich einiges beim FC Bayern, seitdem Jürgen Klinsmann als neuer Chef-Coach das Zepter schwingt. Das Trainingsgelände ähnelt nun eher einer Wohlfühloase, der Trainer- und Betreuerstab aufgestockt und der Acht-Stunden-Tag wurde eingeführt.

Doch trotz schon fast paradiesischer Zustände darf sich keiner der Bayern-Profis lange ausruhen. Denn trotz der allgegenwärtigen Buddha-Statuen und einer für den Rekordmeister fast ungewöhnlichen Harmonie ist an der Säbener Straße der Kampf um die Stammplätze entbrannt.

Mit Tim Borowski und Ersatz-Keeper Hans-Jörg Butt wurden nur zwei neue Spieler verpflichtet. Jürgen Klinsmann setzt auf die Mannschaft, die in der abgelaufenen Saison die Meisterschale und den DFB-Pokal zurück an die Isar geholt hat.

Keine Stammplatz-Garantie für EURO-Teilnehmer

Eines Stammplatzes darf sich kein Bayern-Akteur sicher sein - auch nicht die EURO-Teilnehmer. Denn es deutet sich eine weitere Revolution beim Rekordmeister an. Die "Zweite Garde" der Bayern begehrt auf und will alsbald den Platz auf der Ersatzbank mit einem Platz in der Stammelf eintauschen. Dabei kristallisiert sich schon in den ersten Trainingstagen ein Quartett heraus, das in der neuen Spielzeit seinen Durchbruch beim FC Bayern schaffen möchte: Andreas Ottl, Toni Kroos, José Ernesto Sosa und Breno. Die jungen Wilden des FCB im bundesliga.de-Porträt:

Andreas Ottl

Andreas Ottl kommt aus der Nachwuchsschmiede des FC Bayern. Im Juli 2005 schaffte der Mittelfeldspieler den Sprung in die Profi-Mannschaft. Am 13. August 2005, am 2. Spieltag der Saison 2005/06, kam Ottl zu seinem ersten Profieinsatz. Im Auswärtsspiel gegen Bayer Leverkusen (5:2) ersetzte er in der 46. Minute Hasan Salihamidzic. Es sollten sieben weitere Saisoneinsätze folgen. Nur acht Tage später, am 21. August 2005, erzielte Ottl in der DFB-Pokal-Begegnung beim 4:0-Sieg gegen den MSV 1919 Neuruppin sein erstes Tor als Bayern-Profi. Noch wichtiger war sein erster Bundesligatreffer. Am vorletzten Spieltag der Saison 2005/06 gelang Ottl der 1:1-Ausgleichstreffer gegen den 1. FC Kaiserslautern. Durch diesen Punktgewinn sicherten sich die Bayern den Meistertitel. In der nachfolgenden Spielzeit kam der 23-Jährige auf 24 Einsätze. 2007/08 musste Ottl dem Transfer von Superstar Franck Ribery Tribut zollen und wurde nur noch 19 Mal eingesetzt, davon sieben Mal über die 90 Minuten. Das soll sich nun ändern. Für die neue Saison zeigt sich der Youngster trotz der Verpflichtung von Tim Borowski kämpferisch: "Ich will mich nicht mit der Rolle des Einwechselspielers zufrieden geben. Ich werde im Training hart arbeiten und alles geben."

Toni Kroos

Der 18-jährige Toni Kroos gilt als das "Kronjuwel" der Bayern. Im Juli 2006 wurde Kroos von der U19 des FC Hansa Rostock zur Jugendauswahl der Münchener gelotst. Er ließ sein Riesentalent als Spielmacher aufblitzen und so beorderte Trainer Ottmar Hitzfeld den Teenager 2007 in den Profikader. Davon beflügelt, sorgte Kroos international für Furore. Bei der U17-WM wurde er mit dem "Goldenen Ball" als bester Spieler und dem "Bronzenen Schuh" als drittbester Torschütze ausgezeichnet. Am 7. Spieltag der Saison 2007/08 war es dann mit seinem Bundesliga-Debüt soweit. Beim 5:0-Sieg gegen Energie Cottbus am 26. September 2007 wurde Kroos in der 72. Minute eingewechselt. Nur drei Minuten später bediente er Miroslav Klose mit seiner ersten Torvorlage, in der 89. Minute sollte die zweite folgen. Was für ein Einstand für den mit 17 Jahren, acht Monaten und 22 Tagen jüngsten je eingesetzten Bayern-Spieler. Nur einen Monat später ließ Kroos auch im UEFA-Pokal sein Talent aufblitzen. Im Spiel gegen Roter Stern Belgrad wurde Kroos in der 81. Minute beim Stand von 1:2 für Belgrad eingewechselt. Eine Torvorlage (86.) und ein direktes Freistoßtor (90.) später ging der FCB als Sieger vom Platz. Trotz eines Überangebots an Mittelfeldstars wie Mark van Bommel, Franck Ribery, Ze Roberto, Hamit Altintop oder Bastian Schweinsteiger kam Kroos, der seit 1. Januar 2008 Profi ist, in seiner ersten Saison zu zwölf Bundesliga-Einsätzen. Das macht Appetit auf mehr. "Das Ziel kann natürlich nur lauten, immer mehr zu spielen. Ich möchte in naher Zukunft Stammspieler beim FC Bayern werden. Das wird sicher nicht einfach bei der großen Konkurrenz, aber ich bin mir sicher, dass ich es vom rein Fußballerischen her schaffen kann, viele Spiele zu bestreiten", sagte Kroos selbstbewusst.

José Ernesto Sosa

José Ernesto Sosa war Teil der großen Bayern-Transfer-Offensive zur Saison 2007/08. Der 23-jährige argentinische Nationalspieler wechselte von Estudiantes de la Plata nach München. Manager Uli Hoeneß vergleicht ihn mit dem früheren Bayern-Star Sebastian Deisler, dessen Posten auf der rechten Seite Sosa übernehmen sollte. Der Durchbruch gelang dem "kleinen Prinzen" - so Sosas Spitzname - in seiner ersten Bundesliga-Saison nicht, auch wenn er in den 25 Pflichtspiel-Einsätzen sein Können hin und wieder aufblitzen ließ. In Erinnerung blieb das Viertelfinal-Rückspiel in UEFA-Pokal gegen Getafe, als Sosa in der letzten Minute der Verlängerung Luca Toni mit einem Pass mustergültig bediente und der Italiener in allerletzter Sekunde zum 3:3 einköpfte und den Einzug ins Halbfinale perfekt machte. 15 Mal stand Sosa in der Bundesliga auf dem Platz, fünf Mal davon über die volle Distanz. In seiner zweiten Saison beim deutschen Rekordmeister will der Gewinner der argentinischen Apertura 2006 nun endgültig durchstarten. Zum Saisonauftakt der Bayern am 15. August gegen den HSV wird der junge Argentinier Chefcoach Jürgen Klinsmann jedoch nicht zur Verfügung stehen. Sosa wurde in die argentische Olympiaauswahl berufen und bekam von den Bayern die Freistellung für die Olympischen Spiele in Peking.

Breno

Breno Vinicius Rodrigues Borges oder kurz "Breno" kam in der Winterpause 2007/08 als frischgebackener brasilianischer Meister vom FC Sao Paulo zu Bayern München. Von der brasilianischen Fachzeitschrift "Placar" wurde Breno mit dem "Bola de Prata" (Silbernen Ball) als bester Spieler auf seiner Position ausgezeichnet. "Er ist kopfballstark, robust, schnell, beidfüßig", beschrieb ihn Ex-Bayern-Stürmer Giovane Elber, der als Spielbeobachter seinen ehemaligen Verein auf Breno aufmerksam machte. Für die Bayern absolvierte Breno bisher zwei Pflichtspieleinsätze. Sein Debüt gab er am 13. März 2008 in UEFA-Pokal-Rückspiel gegen RSC Anderlecht. Seinen bisher einzigen Auftritt in der Bundesliga hatte er am 31. Spieltag beim 0:0 gegen Wolfsburg, als er in der 73. Minute für Daniel van Buyten eingewechselt wurde und 17 Minuten später die Deutsche Meisterschaft feiern durfte. Dass Breno seinen Weg machen wird, dessen ist sich der ehemalige FCB-Coach Ottmar Hitzfeld sicher: "Ich bin überzeugt davon, dass er ein großer Spieler wird und Bayern in Zukunft noch sehr viel Freude an ihm hat." Wie Sosa wird auch Breno den Bayern zu Saisonbeginn fehlen. Der 18-Jährige nimmt als Kapitän der brasilianischen Olympiaauswahl an den Spielen in Peking teil.


André Wagner