Am Montag wurde endlich der wahre Fußball-Weltmeister gekürt: Paul, Krake, Orakel, acht Spiele, acht Tipps, acht Siege.

Der Weltstar aus dem Sea Life Aquarium in Oberhausen erhielt die mehr als verdiente Miniatur-Ausgabe des WM-Pokals, eine Extra-Ration seines Leibgerichts Miesmuscheln und Ferien. "Ich glaube, dass er den Rummel erstmal satt hat und sich ausruhen will", sagte Oliver Walenciak, Biologe und zuständig für die Meerestiere im Aquarium.

Luis Zapatero hat über Leibwächter nachgedacht

Bei allen Spielen der deutschen Nationalmannschaft und beim WM-Finale lag der Oktopus richtig. Paul steuerte immer den richtigen Futterbehälter mit der entsprechenden Landesfahne an, fischte sich die darin liegende Muschel und traf damit seine Wahl. In Spanien werden sie "Pulpo Paul" ewig dankbar sein. Ministerpräsident Jose Luis Zapatero hatte über Leibwächter nachgedacht, weil deutsche Fans wegen des Halbfinaltipps kurz an Rache dachten.

Nun sind aber alle zufrieden - und Paul ist ein Star. Sea Life hatte nach dem vergangenen Freitag, an dem das Spiel um Platz 3 und das Finale vor 120 Medienvertretern aus aller Welt getippt wurde, alle Anfragen an seine PR-Agentur weitergeleitet. Paul, der wohl erste Krake mit Pressesprecher. Nun denn, ungewöhnliche Situationen erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Walenciak vermutete, dass die Sache nach dem 4:1 Deutschlands im Klassiker gegen England ein wenig aus dem Leim gegangen ist.

"Wir hoffen, dass er hundert Jahre alt wird"

Der Wissenschaftler begegnete dem Hype um das Tier am Montag jedenfalls mit Humor. "Er ist wohl in Atlantis geboren, und wir hoffen, dass er hundert Jahre alt wird", sagte er. Immerhin ließ sich der Experte entlocken, dass der "octopus vulgaris" in freier Wildbahn wegen des "Feinddrucks" bis zu zwei Jahre alt werden kann. In Gefangenschaft erreichen diese Tiere dann auch mal drei Jahre. Die genaue Herkunft Pauls wurde nicht preisgegeben. Paul und seine Artgenossen sind in Meeren der tropischen und gemäßigten Zone zu finden.

Walenciak sagte, dass der Oberhausener Krake nur für die WM in Südafrika im Einsatz war. Er ist also nicht derselbe tippende Kopffüßer, der bei der EURO 2008 in zwei Fällen danebenlag. Paul hatte diesen WM-Einsatz - und setzte einen Rekord, der schwer zu knacken sein wird. Seine Fans kommen aus aller Welt, Briefe und E-Mails aus Spanien oder Japan. Internetseiten wie "Pulpo Paul" wurden in Windeseile entworfen.

Paul, über dessen wahres Alter widersprüchliche Angaben gemacht werden, tritt also auf dem Höhepunkt seines Schaffens ab. Nicht unmöglich ist noch der Einsatz bei einem Bundesliga-Topspiel, vielleicht vor dem Revierderby Schalke gegen Dortmund. Tippende Tiere sind im Übrigen in dem Aquarium keine Seltenheit, jedes muss mal ran. Walenciak: "Zum Beispiel Röhren-Aale, Seepferdchen oder Baby-Rochen."