München - 75.409 Fans im Old Trafford. 92 Minuten sind am 5. April 2009 gespielt, Manchesters Fans bibbern und bangen. Liverpool hat in Fulham gewonnen. Der ewige Rivale wäre im Moment Tabellenführer, und das nur sieben Spieltage vor Saisonende. Und der Gegner, Aston Villa, gibt trotz zweier Tore von Cristiano Ronaldo nicht klein bei. Es steht nur 2:2. Bis ein 17-Jähriger sein Debüt feiert - und ein Stück englische Fußballgeschichte mitschreibt. Ein 17-Jähriger, der nun, dreieinhalb Jahre später, für den VfB Stuttgart knipsen soll: Federico Macheda.

Sekunden vor Schluss kommt die Kugel zu Ryan Giggs. Uniteds Urgestein sieht den eingewechselten Macheda winken und starten. Giggs passt dem Youngster im linken Strafraumeck den Ball in den Fuß. Macheda legt den Ball mit der rechten Hacke nach hinten, dreht sich in einer fließenden Bewegung um seinen Gegenspieler. Im Fallen schlenzt er die Kugel zentimetergenau neben den langen Pfosten hinter Villa-Keeper Brad Friedel ins Netz. United gewinnt. Und auch beim nächsten Spiel in Sunderland trifft Macheda als Joker zum Sieg. Am Saisonende feiern Ronaldo, van der Sar, Giggs & Co. die Meisterschaft - Macheda mittendrin. Was für ein Einstand für den den jungen Italiener!

"Wichtig ist, dass er erst einmal zur Ruhe kommt"



Der Traum-Einstand hatte Konsequenzen - für die Erwartungshaltung und folglich für die Karriere des gebürtigen Römers. 22 Mal durfte er seitdem für United in der Premier League ran, zwei weitere Tore waren Sir Alex Ferguson aber zu wenig. Im Winter 2011 schob die Trainer-Ikone das Talent ein halbes Jahr nach Genua ab, im Winter 2012 dann zu den Queens Park Rangers. Das Tor traf er in insgesamt 17 Einsätzen aber weder für QPR, noch für Sampdoria. Die Entwicklung des Wunderkinds stockte.

Das weiß man auch beim VfB. "Er hat in jungen Jahren eine Raketenkarriere hingelegt. Wichtig ist, dass er erst einmal zur Ruhe kommt", sagt sein neuer Coach Bruno Labbadia. Der Ex-Stürmer bremst die Erwartungen an den 21-Jährigen, den er als Backup für Vedad Ibisevic eingeplant hat. Gegen die Bayern stand Macheda nicht einmal im Kader. "Er hat viel Potenzial, aber es ist klar, dass er kein fertiger Spieler ist", sagt Labbadia.

Stuttgart ist also Machedas dritter Versuch, sich im Winter wieder für Fergusons Startruppe zu empfehlen. Oder auch, um fernab Manchesters nochmal Fuß zu fassen im Profigeschäft. Dass er es kann, hat er schon gezeigt. Er kann Spiele entscheiden. Federico Macheda ließ das Old Trafford erzittern. Aber jetzt ist es an der Zeit für neue Erinnerungen.

Christoph Gschoßmann