Hannover - Präsident Martin Kind ist ansonsten ein echter Wettmuffel, für die Partie am Donnerstag gegen den FC Sevilla setzt er dennoch 200 Euro auf seine 96er. Das Stadion ist seit einer Woche ausverkauft und die Vorfreude riesengroß - nach 19 Jahren ohne europäischen Fußball mit Abstiegen in die 2. Bundesliga und sogar 3. Liga kommt für Hannover der spanische Kontrahent zur erhofften Europa-League-Fiesta gerade recht.

"Es ist das schwerste Los, das wir bekommen konnten. Die Spanier sind ein Klasseteam und mit großen Namen bestückt. Aber ich bin trotzdem davon überzeugt, dass wir Paroli bieten können", glaubt 96-Trainer Mirko Slomka. Vor allem dass die Gäste ohne jede aktuelle Pflichtspielerfahrung zum Playoff-Hinspiel am Donnerstag (ab 20:15 Uhr im Live-Ticker/Liga-Radio) in die niedersächsische Landeshauptstadt kommen, sieht er als Vorteil.

Hannover selbstbewusst

Für den Coach ist das Kräftemessen mit dem spanischen Starensemble "die verdiente Belohnung für die Erfolge der vergangenen Saison." Und mit einem Schmunzeln schraubte Slomka am Mittwochnachmittag die sportlichen Ambitionen noch höher: "Unser größtes Ziel bleibt die Champions League."

Doch ganz im Ernst: Zwei Bundesligasiege zum Start und das Erreichen der 2. Runde im DFB-Pokal lassen die Niedersachsen die schwere Aufgabe gegen den zweimaligen UEFA-Pokalsieger mit gesundem Selbstvertrauen angehen. "Ich freue mich, dass das Hinspiel in Hannover stattfindet. Mit einer konzentrierten Leistung können wir ein gutes Ergebnis vorlegen. Die Euphorie in der Stadt ist greifbar", erzählt Kapitän Steven Cherundolo. Auch Sportchef Jörg Schmadtke hofft, dass die Mannschaft die Gunst der Stunde nutzt: "Die Gruppenphase zu erreichen, wäre schon ein toller Erfolg."

Trochowski hofft auf einen Einsatz

Für die Andalusier hingegen ist das Überstehen der Playoffs angesichts eines Kaders, dessen Marktwert auf 144 Millionen Euro taxiert wird, absolute Pflicht. Superstar des Teams ist Weltmeister Jesus Navas, für die Tore ist Alvaro Negredo zuständig, der in der vergangenen Spielzeit 20 Treffer in der Primera Division erzielen konnte.

Trotz dieser hochkarätigen Konkurrenz konnte der deutsche Nationalspieler Piotr Trochowski, im Sommer vom Hamburger SV auf die Iberische Halbinsel gewechselt, durch gute Leistungen in der Vorbereitung sowie bei den Testspielen im 28 Spieler starken Sevilla-Kader gut behaupten. "Bislang lief der Start für mich richtig gut", sagte der Mittelfeldspieler. Unter Coach Michael Oenning war der 27-Jährige zuletzt nicht mehr erste Wahl, sein Vertrag wurde nicht verlängert. Für den gebürtigen Polen ist "Hannover noch stärker als in der Vorsaison und ein sehr schweres Los."

Dass für viele Sevilla-Fans die Saison so richtig erst am Sonntag mit dem Lokalderby gegen Betis beginnt, lässt Trainer Marcelio Garcia Toral als Einwand nicht gelten: "Meine Spieler wissen genau, dass sie Hannover nicht unterschätzen dürfen. Deshalb werden sie auch voll bei der Sache sein."

Die voraussichtlichen Mannschaftsaufstellungen:

Hannover: Zieler - Chahed, Haggui, Pogatetz, Schulz - Schmiedebach, Pinto - Stindl, Rausch - Abdellaoue, Ya Konan (Schlaudraff). - Trainer: Slomka

Sevilla: Palop - Escude, Alexis, Caceres, Fernando Navarro - Jesus Navas, Perotti, Trochowski, Armenteros -Negredo, Kanoute (del Moral). - Trainer: Garcia Toral.

Schiedsrichter: Bas Nijhuis (Niederlande)