Köln - Jeder Fußballfan ist sich der Bedeutung eines Derbys bewusst. Es sind Spiele, die für die Fans beider Vereine besonders wichtig sind. Weltweit gibt es einige von großer Bedeutung. Die Spanier haben den "Clasico" zwischen Real und Barcelona, die Engländer das Manchester Derby und die Italiener das Duell zwischen Inter und AC Mailand.

In der Bundesliga ist sicher das Revierderby zwischen Dortmund und Schalke das prominenteste Beispiel, aber auch das Nordderby zwischen dem Hamburger SV und Werder Bremen sowie, soweit in einer Liga vertreten, die Münchner "Stadtmeisterschaft" zwischen Bayern und 1860 und das rheinische Derby zwischen Mönchengladbach und dem 1. FC Köln sind von großer sportlicher Rivalität geprägt.

Die Freundschaft begann vor über 30 Jahren



Am Samstag findet auf Schalke das Gegenteil von Derby statt: Seit über dreißig Jahren verbindet Schalker und Nürnberger Fans eine große Freundschaft. Jürgen Bergmann ist seit 2001 Fanbeauftragter und sein Leben lang Fan des 1. FC Nürnberg. 1979 startete der damals 16-Jährige seine ersten Auswärtstouren mit dem "Club". Anfang der achtziger Jahre entwickelte sich die Freundschaft zwischen Schalke und Nürnberg. Natürlich kursieren viele Geschichten, wie die große Sympathie der beiden Traditionsklubs zu Stande kam.

Sicher ist, dass sich auf einer Zugfahrt aus dem Rhein- ins Frankenland Schalke-Fan Stefan aus Regensburg und Nürnberg-Anhängerin Monika lange unterhielten. Daraus entstand eine Freundschaft, die sich zunächst auf die Fanklubs der Beiden und später auf die gesamte Fanszene übertrug. Auch nach dreißig Jahren hat sich das Verhältnis der Fans nicht abgekühlt. "Die Dauer und die Intensität der Fanfreundschaft ist weltweit einzigartig", findet Bergmann. "Das faszinierende ist, dass alle Fangruppierungen daran teilhaben. Für die jüngere Generation, die Anfang der Achtziger noch gar nicht geboren waren, ist die Sympathie zu Schalke 04 eine Selbstverständlichkeit", führt Bergmann weiter aus.

In guten wie in schlechten Zeiten



Auch durch schwere Zeiten ist die Verbindung nie abgerissen. Im Gegenteil: Als Schalke in den Achtzigern und Anfang der Neunziger häufiger in der 2. Bundesliga spielte, standen die Nürnberger Fans den "Knappen" bei. "Ich kann mich noch gut an die Schalke-Spiele in Bayreuth erinnern. Das ist von Nürnberg nur einen Katzensprung entfernt. Da wurden die Schalker immer erstklassig von den Club-Fans unterstützt", berichtet Bergmann. In den Jahren der Nürnberger Zweitklassigkeit revanchierte sich die königsblaue Anhängerschaft. Auch wenn Freundschaft in Zeiten des Misserfolges besonders wichtig ist - schöner ist sie im Erfolg. Jürgen Bergmann erinnert sich besonders gerne an das Finale des UEFA-Pokals 1997 in Mailand, als er, gemeinsam mit fast 1.000 weiteren Nürnbergern, den Schalker Triumph gegen Inter Mailand live im Stadion mit verfolgte.

Auch an diesem Samstag werden die beiden Fanlager wieder ein großes, gemeinsames Fußballfest feiern. Schon vor der Partie werden die Fankneipen rund um die Veltins-Arena mit Anhängern beider Klubs gefüllt sein, die ihre Freundschaft bei dem einen oder anderen Bier pflegen. Im Stadion wird der Gästebereich nicht wie gewöhnlich abgesperrt, sondern das ganze Stadion ist offen, damit die Fans auch dort die Möglichkeit zur Begegnung haben. Egal, wie das Spiel auch ausgehen wird, nach dem Spiel wird gemeinsam gefeiert. Eigentlich bräuchte man für so eine Begegnung auch einen eigenen Begriff. Bis es aber soweit ist, bleibt die Partie des FC Schalke 04 gegen den 1. FC Nürnberg einfach das Gegenteil eines Derbys.

Florian Reinecke